Da schau’ her – die Govermedia ist wieder da

Mai 23rd, 2014

Das war nicht zu erwarten. Mit großen Worten und eher überschaubaren Taten hatte die Akademie für Information und Kommunikation der Bundeswehr im Jahr 2010 eine eigene Veranstaltungsreihe gestartet. Die Govermedia sollte eine Konferenz zur bürgernahen Kommunikation von Regierung, Ministerien und Behörden im Zeitalter der Digitalisierung werden. Die Erstauflage war eher (Zulieferer)Industrie-nah und unausgewogen in der Zusammensetzung der Referenten. Das verbesserte sich in den Jahren 2011 und 2012, auch weil die Macher externe Impulse aufnahmen. 2013 allerdings wurde die Veranstaltung abgesagt, und es sah nicht so aus, als würde sie jemals wiederkommen. Aber, ich habe mich geirrt. Zum Glück.

Im Jahr 2014 ist die Govermedia zurück. Das neue Organisations-Team scheint endlich die Lücke in der deutschen Konferenzlandschaft gefunden zu haben – eine Veranstaltung, die vor allem Kommunikatorinnen und Kommunikatoren in Ministerien und Behörden anspricht -, die es sich lohnt zu füllen. Das macht auch aus dem Standortnachteil Strausberg einen Vorteil, denn er bietet die Chance, mal für zwei, drei Tage aus dem Berliner Trubel zu entfliehen. Und sie haben sich externen Sachverstandes bedient, um ein zentrales Thema moderner Kommunikation, nämlich die Fähigkeit zur Wahrnehmung dessen, was um eine Organisation passiert, zum Schwerpunkt des Programms zu machen. Auch die Referenten (und ja, auch Referentinnen) versprechen einen frischen und vielfältigen Blick auf die veränderten Anforderungen an Kommunikationsmanagement in der digitalen Welt. In Teilen wird die Govermedia 2014 eine Reprise des MonitoringCamp sein, das heute und morgen in Köln stattfindet. Das aber ist nichts schlechtes, sondern ein Gewinn. Wenn es sich einrichten lässt (ich bereite ja gerade selbst eine Konferenz vor), werde ich zumindest einen Tag in Strausberg vorbeischauen.

 

Fegefeuer der Eitelkeiten

Mai 12th, 2014

Eines muss man der Deutschen Presseakademie lassen: Sie hat Humor. (Ganz im Ernst: Die Kollegen machen einen wirklich guten Job und haben die verschnarchte deutsche Tagungs- und Konferenz-Landschaft ordentlich aufgemischt.) Jetzt aber haben sie sich etwas verkaufen lassen (oder eingekauft), das bei jedem, der nur einen Funken spezifischen Sachverstand hat, Reaktanzen hervorrufen muss.

Auf der 10. Fachtagung Interne Kommunikation dürfen Bettina Berg, Referentin für Reformkommunikation und Sven Kindler, Referent für Kampagnenführung, Medienkooperationen und Onlinemedien im Modul “Mitarbeiter als Multiplikatoren” das Thema “Die Bundeswehr im Wandel” als Best Case präsentieren. Immerhin lassen sie in der Vortragsankündigung offen, ob die Maßnahmen wirken.

Aus Kommunikationssicht wäre meine grundsätzliche Empfehlung: Bevor ich mich mit einem Projekt exponiere, schließe ich es ab. Und davon kann bei der Bundeswehrreform noch lange nicht die Rede sein. In diesem Fall: Entweder die Rubrik von Best Case zu etwas anderem ändern oder zuerst die Hausaufgaben machen. Alles andere wirkt eitel. Und was ich davon halte, dass dort keine aktive Soldatin oder ein aktiver Soldat auftritt, schweige ich lieber.

 

Lauft!

Mai 10th, 2014

Ehe ich es vergesse. Noch zwei Tage könnt Ihr Euch zum Solidaritätslauf an der Universität der Bundeswehr anmelden. Und egal ob Ihr 3, 13 oder 21 Kilometer lauft – jeder Meter zählt. Deshalb werde ich an diesem Tag auch etwas mehr durch’s Büro laufen, denn leider, leider bin ich am 22. Mai nicht in Hamburg. In diesem Sinne – lauft!

Weil es wichtig ist

Mai 7th, 2014

Dem ein oder anderen mag es seltsam erscheinen. Dennoch bette ich hier den Vortrag von Sascha Lobo auf der re-publica14 ein. Warum? Weil die Frage, wie wir eine freie und sichere Gesellschaft gestalten und – ja, das gehört auch dazu – verteidigen wollen, keine Frage der Politik allein ist. Im Gegenteil: Man muss nicht staatsfern sein, um zu erkennen, dass die Geheimdienste sich der Kontrolle der Politik entziehen wollen. Das gefährdet die Demokratie, und ich habe mal geschworen, das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Sascha Lobo hat das nicht, tut es aber.

Warum?

Mai 5th, 2014

“Warum zum Beispiel bedankt sich ein deutscher Offizier bei seinem Geiselnehmer in einer öffentlichen Pressekonferenz?”, fragt laut Spiegel der CSU-Politiker Peter Gauweiler, und legt nach “Der ganze Vorgang macht auch für die Bundeswehr einen unguten Eindruck.” Ja, Herr Gauweiler, was wäre denn Ihre Antwort auf diese Frage?

Überhaupt. Fragen. Ja, Fragen sind ein mächtiges Kommunikationsmittel. Und insbesondere wenn es um den Einsatz von Militär geht, kann es meines Erachtens nich zu viele Fragen geben. Wenn ich mir aber vergegenwärtige, mit welchem Unterton und Gestus beispielsweise Claus Kleber und Günther Jauch die Verteidigungsministerien zum Einsatz der OSZE-Beobachter befragen, dann frage ich mich, ob sie an der Sachen bzw. den Menschen, die betroffen sind, interessiert sind, oder doch nur an sich selbst. Und ich frage mich, warum?

Der ganze Vorgang macht auch für Berufspolitiker und Journalisten einen unguten Eindruck.

Anja Niedringhaus – Ihre Bilder werden fehlen

April 4th, 2014

Heute, am 4. April 2014 wurde die Fotografin Anja Niedringhaus in Afghanistan erschossen. Die bekannten Fakten, vor allem aber einen sehr persönlichen Text, hat Thomas Wiegold auf Augen geradeaus! veröffentlicht. Ich habe Anja Niedringhaus leider weder in meiner aktiven Dienstzeit noch danach kennen lernen dürfen. Trotz dieser Distanz bewegt mich ihr Tod, und das mehr als andere ebenso tragische Ereignisse. Das liegt vermutlich daran, dass Bilder von Niedringhaus immer ein wesentlicher Teil der Vorträge waren, die Thomas Wiegelt und ich gemeinsam, oder ich alleine gehalten haben – ich zuletzt auf dem Videocamp in Düsseldorf.

“Beautiful War” habe ich meine Session genannt, weil mich die Ästhetisierung des Krieges in den Medien schon lange beschäftigt. Auch die Bilder von Anja Niedringhaus hatten immer eine ästhetische Komponente. Viel mehr aber öffneten sie einen tieferen Einblick in die seltsame Zwischenwelt, die den anderen Menschen noch fremder ist als uns, die wir als Soldaten oder Journalisten darin unterwegs waren und sind, und die vor allem die Politik so gerne verbergen möchte.

Danke Anja. Ihre Bilder werden fehlen, noch viel mehr aber Ihr unbestechlicher Blick. Den menschlichen Verlust, den Ihr Tod bedeutet, können nur andere ermessen.

Danke auch an all’ die anderen, die bereit sind, ihr Leben einzusetzen, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Und ja, ich verstehe, wenn der ein oder andere jetzt glaubt, dass Soldaten und Soldatinnen nicht dazu gehören, für mich aber schon, denn Krieg ist nicht schön. Niemals.

 

 

Zwischen den Welten

Februar 12th, 2014

Diesen Film möchte ich unbedingt sehen.

Wir suchen Hörsaal-Helden

Februar 3rd, 2014

Wer es bislang nur geahnt hat, den bestätigen die Personalwerber der Bundeswehr nun in der Vermutung: Der Stift ist mächtiger als das Schwert. Ich wünsche den einsatzerfahrenen Ausbildern, die den derart geworbenen das militärische Handwerk vermitteln dürfen, viel Soldatenglück.

Wir suchen Hörsaalhelden

Medienzentrale reloaded – Ungeist hinter Stahlplatten

Dezember 22nd, 2013

Nachtrag vom 2.1.2014:

Weil in der Diskussion um die konzeptionellen Grundlagen der Medienarbeit der Bundeswehr in den Kommentaren immer mal wieder auf angeblich vorliegende Konzepte der Vergangenheit Bezug genommen wird, folgend ein Link auf meine Masterarbeit im Universitätslehrgang PR und Integrierte Kommunikation aus dem Jahre 2006, in der ich mich mit diesem Thema intensiv befasst habe. Schwerpunkt der Studie war der Einsatz von Corporate TV. Ich habe den Text lange nicht mehr gelesen und womöglich ist Einiges, was darin steht, heute überholt, aber vielleicht finden sich darin ja noch einige Anregungen – und wenn es nur für die Debatte hier ist.

Gegen/Bilder: Perspektiven für den Einsatz von Corporate TV im Rahmen eines integrierten Kommunikationsmanagements der Bundeswehr

 

Neue Ministerin, neue Hoffnung. Das gilt auch für die Kameraden und Kollegen der Medienzentrale der Bundeswehr, die sich an ihre Scholle in Sankt Augustin krallen. Ihre Argumente sind durchaus valide. Unter anderem Infrastruktur, gute verkehrstechnische Anbindung, Ausstattung, eine lange Tradition und speziell ausgebildetes Personal, das andernorts nicht so schnell eine neue Stelle findet, haben sie dem Vertreter des CDU-Ortsverbandes in die Feder diktiert, der seiner Parteikollegin auch prompt einen Brief geschrieben hat (Danke für den Hinweis in den Kommentaren).

Leider ist die Argumentation insgesamt von der gleichen überschaubaren Qualität wie viele der Produkte, die die Medienzentrale seit ihrer Gründung produziert hat. Anstatt konkrete Zahlen zu nennen, ist im Brief davon die Rede, dass “In der IMZBw (…) neben den Soldaten auch einige zivile Mitarbeiter beschäftigt (…).” Nein, wirklich, nicht zu glauben. Warum beantwortet die Medienzentrale, wenn sie doch schon so exzellente Beziehungen zur Lokalpolitik besitzt, nicht mal die wirklich wichtigen Fragen? Wie viele Mitarbeiter, welche Qualifikation? Für welche Produkte steht die Medienzentrale? Wie viele Sendeminuten hat sie im Jahr 2013 mit ihrem tollen Equipment produziert? Wie viele Auszubildende? Wie hoch ist ihr Etat? Was hat sie dafür geleistet? In wie vielen Ländern weltweit waren ihre Mitarbeiter im Einsatz? Wie bewertet das Publikum die Qualität der Beiträge?

Ich vermute: Entweder sie kann es nicht oder sie will es nicht. Und nein, ich will jetzt nicht wieder das Lamento hören, dass man ja so schlecht geführt worden sei. Das ist bekannt und ist auch nicht zu übersehen. Viel besser wäre doch, mal konstruktiv nach vorne zu diskutieren. Also beispielsweise:

- Welche Aufgaben sieht man im Bereich Personal, wenn doch schon ein Teil des Amtes gegenüber einzieht?

- Wie könnte man durch gute Kommunikation die Positionierung der Bundeswehr als Arbeitgeber unterstützen?

- Welche crossmedialen Produkte könnten in der Medienzentrale gedacht und gemacht werden?

- Wie könnte sich die Medienzentrale im Verbund mit dem nur etwa eine Stunde entfernten Standort des Zentrums Operative Information (ab 1.1. Operative Kommunikation) als ein wichtiges Element für eine integrierte Produktionsstätte positionieren?

- Welche Vorteile hätte ein gemeinsamer Ausbildungsverbund, der unter anderem die Nähe zu Köln nutzt, eventuell darüber hinaus noch das Thema Medienstandort NRW adressiert (in den schon viele Millionen versenkt wurden)?

- Welche Rolle könnte die Medienzentrale im mit fast 18 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Bundesland spielen?

Es gibt zahlreiche weitere Argumente, die sehr eindeutig für ein intelligentes Zukunftskonzept sprechen. Das absehbare Scheitern des Medienhauses in Berlin bzw. im märkischen Sand ist das schlechteste, denn die Bundeswehr könnte beides gut gebrauchen. Dass die Akteure in der Medienzentrale nicht in der Lage sind, diese Argumente zu entwickeln und zu formulieren, ist der beste Grund, den Standort zu schließen, denn in den Mauern lebt – hinter “einer inneren Auskleidung des Baukörpers mit 4mm dicken Stahlplatten und mit Spezialtüren zu den einzelnen Räumen” – ein Ungeist der Zukunftsverweigerung, den zu verlieren, ein Segen für die Medienarbeit der Bundeswehr sein dürfte.

Stunde der Besserwisser

Dezember 18th, 2013
Helmut Michels ist Redakteur der Rheinischen Post und Oberst der Reserve

Helmut Michels ist Redakteur der Rheinischen Post und Oberst der Reserve

Helmut Michels ist Redakteur der Rheinischens Post – und Oberst der Reserve. In dieser Eigenschaft erteilt er Volker Kauder, der aus Juy vor Ursula von der Leyen salutierte, den Rat: “Fähnrich Kauder, zur Formalausbildung, marsch!” Der militärische Gruß Kauders entsprach laut Michels nicht der Zentralen Dienstvorschrift (ZDV) 3/2 – Formaldienstordnung. Mag sein. Vielleicht sollte sich Michels Kauder anschließen und ebenfalls die Grundausbildung wiederholen, denn auch er nimmt es mit den Vorschriften nicht so genau. Wie so häufig ist es die Eitelkeit, die ihm im Wege steht. Gemäß der ZDV 37/10 – Anzugsordnung der Bundeswehr ist es dem Soldaten nämlich erlaubt, bis zu zwei Tätigkeitsabzeichen über der rechten Brusttasche zu tragen. Herr Michels will un saber wissen lassen, dass er nicht nur Angehöriger der Truppe für Operative Information ist, sondern sowohl aus einem deutschen als auch einem amerikanischen Flugzeug (oder auch einem deutschen mit einem amerikanischen Absetzer, oder einer anderen Konstellation, die es rechtfertig) gesprungen ist, weshalb er sich sowohl das deutsche als auch das amerikanische Springerabzeichen an die Brust heftet. Nun, werden manche Schlaumeier nun sagen, die Springerabzeichen sind ja keine Tätigkeits- sondern Sonderabzeichen und von denen dürfe man ja drei an der Uniform tragen. Das ist prinzipiell richtig. Aber auch hier haben die Vorschriftenhengste der Bundeswehr der Eitelkeit einen Riegel vorgeschoben und verfügt: “Werden Sonderabzeichen (Abschnitt XI) wie Tätigkeitsabzeichen getragen, so dürfen insgesamt über der Brusttasche nur zwei Abzeichen getragen werden.”

Mit dieser wirklich wichtigen Nachricht zurück nach Düsseldorf.