Das Arbeitsleben ist kein Ponyhof

Eine wesentliche Fähigkeit – im Militär wie ein der Kommunikationsberatung – ist es, die Absicht der übergeordneten Führung (wir nennen es Kunde) zu erkennen und umzusetzen. Im Gefecht wie in der Kommunikation ist dabei Kreativität gefragt.

Wenn also die Chefin der Behörde, die für die Führung der Streitkräfte verantwortlich ist, sagt: “Das Verteidigungsministerium hat eine ganz besondere Aufgabe, aber es funktioniert ansonsten wie ein faszinierender weltweit tätiger Konzern. Dazu gehören eine Reederei, ein Flottenverband, ein Luftfahrtunternehmen, ein Krankenhausverbund, Logistik, um nur einige Themen zu nennen.” würde ich von einer Kommunikationskampagne, die darauf abzielt, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen – und den bereits Gewonnenen Anerkennung zu Teil werden zu lassen – genau zwei Dinge erwarten: Die ganz besondere Aufgabe und das Faszinierende daran zu vermitteln.

Die Personalwerber und ihre Agentur, die sich zuletzt mit einer an Frauen gerichteten Kampagne, blamiert hatten, versuchen es jetzt so.

 

So richtig gut, kommt das bei vielen nicht an, wie unter anderem die Diskussionen bei Augen geradeaus! und auf der Facebook-Seite der Bundeswehr zeigen. Interessant ist dabei auch der folgende Dialog, der nicht nur zeigt, wie dünnhäutig die Verantwortlichen für die Facebook-Seiten sind, sondern auch, dass es dort jemanden gibt, der mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung Probleme zu haben scheint.

Die, zugegeben, nicht wirklich freundliche Bemerkung Vllt. sollte sich mal einer in anderen Ländern umgucken ,wie dort geworben wird und nicht Geld mit so einem Schwachsinn rauswerfen.” beantwortet ein Sebastian mit dem Hinweis:Hallo Marcel BrauchtkeinMensch, als Soldat bei der Bundeswehr solltest du auch über den §17 Soldatengesetz: Verhalten in der Öffentlichkeit bescheid wissen. Die Werbung deines Dienstherren als Schwachsinn zu beschreiben ist da eher nicht angemessen. /Sebastian

Das ist, salopp gesagt, Schwachsinn – und Community-Management aus der Hölle.

Diskussion Facebook

 

Ach ja. Gibt es denn eigentlich weltweit tätige Konzerne, die Faszination vermitteln? In Deutschland? Ja, und dass diesem gelingt und der Bundeswehr nicht, lässt einen als Offizier und Kommunikationsberater dann doch die Haare raufen.

Wisch und weg – Aus Klischees Bilder und Geschichten machen

Nur mal so als ganz schnell hingescribbelte Anregung dazu, wie man auf Seiten der Bundeswehr auch auf die – meines Erachtens richtige – Kritik an der klischeebehafteten Kampagne, die Frauen für den Dienst an der Bundeswehr werben sollte, hätte reagieren können (mal ganz davon abgesehen, dass man vorher ruhig etwas gründlicher hätte nachdenken müssen).

Einmal mit Profis

“Für unsere Kunden entwickeln wir kontinuierlich innovative Produkte, die immer zukunftsorientierten Kommunikations- und Medienformen entsprechen und jederzeit sinnvoll in bestehende Kommunikationskonzepte integriert werden können. Wir lassen uns nicht von konventionellen Werbenormen beschränken, sondern setzen neue Maßstäbe.”

Und in der Tat, die Agentur, die so vollmundig über sich schreibt, setzt neue Maßstäbe – in Sachen Unprofessionalität. Damit ist sie nicht alleine, denn auch der Auftraggeber hat es nicht so mit professionellem Kommunikationsmanagement. Das Gute im Bösen: Wir können daraus lernen, weshalb ich versuche, den Fall im Folgenden etwas detaillierter darzustellen.

Am 1.10.2014 stellten die Nachwuchswerber der Bundeswehr unter dem URL frauen-in-der-bundeswehr.de eine neue Seite ins Internet. Inhaber der Domain ist laut der deutschen Domainregistrierungsstelle Denic die Agentur Newcast in Düsseldorf, von deren Webseite die oben stehende Selbstbeschreibung stammt. Newcast gehört zur Vivaki-Gruppe, die wiederum zu einer der größten weltweiten Agenturholdings, der Publicis Groupe, gehört. Die Vivaki-Gruppe arbeitet bereits länger für die Bundeswehr, vor allem deren Tochter Zenithmedia, die die Werbegelder für die Bundeswehr verwaltet. Deren Chefin mag dem ein oder anderen noch in Erinnerung sein, weil sie auf die Kritik, dass ihre Agentur ein unrealistisches Bild vom Dienst in der Bundeswehr vermittele, sagte: “Wenn Sie ‘nen Schokoriegel bewerben, dann sacht Ihnen auch keiner, dass sie davon fett werden können.”

Aus dem gleichen Stall stammte nun auch die Seite, mit der gezielt junge Frauen angesprochen werden sollte. Ob und wie das hätte gelingen können, ist leider nicht mehr nachvollziehbar. Die Seite ist inzwischen abgeschaltet. Wer die Adresse aufruft, wird auf die normale Seite der Nachwuchswerbung weitergeleitet. Die Umstände und Hintergründe dazu hat Thomas Wiegold in zwei Blogbeiträgen hier und hier ausführlich dargestellt.

Abgesehen von der inhaltlichen Kritik, die ich an der Kampagne habe – dazu vielleicht später mehr an anderer Stelle – offenbart sie  grundsätzliche handwerkliche Schwächen und Managementfehler auf Seiten von Agentur und Auftraggeber.

Nachdem ich den URL der Kampagnenwebseite auf Facebook geteilt hatte, fiel mir auf, dass sich Facebook ein seltsames Vorschaubild von der Seite gezogen hatte – Papiertücher von Zewa Wisch&Weg (was angesichts des Anspruchs, modern, junge Frauen anzusprechen, dem Ganzen zusätzliche Ironie verlieh). Ich dachte erst an einen Zufall. Der Blick in den Seitenquelltext zeigte aber, dass das Bild tatsächlich dort hinterlegt war. Die einzig plausible Begründung: Die Werber von Newcast hatten eine bestehende Webseite kopiert und die neue Bundeswehrseite darauf aufgebaut. Das setzt zwar keine neuen Maßstäbe, ist aber durchaus gängige Praxis.

Interessant an diesem Punkt ist vor allem, ob die Agentur dies ihrem Auftraggeber transparent gemacht hat und auch entsprechend einen günstigeren Preis vereinbart hat, oder ob sie sich die Kosten für eine Neuentwicklung hat bezahlen lassen. Bemerkenswert ist weiterhin, dass offensichtlich weder von Seiten der Agentur noch von Seiten des Auftraggebers eine professioneller Qualitätssicherung stattgefunden hat. Trotz des Beitrages auf Augen geradeaus! und zahlreichen Hinweisen im Social Web blieb die Seite inklusive des falschen Vorschaubildes knapp 16 Stunden unverändert im Netz. Gerade bei einem Thema, dessen Relevanz angesichts der Agenda der Verteidigungsministerin den Beteiligten hätte bewusst sein müssen, ist das eindeutig zu lange.

Zusätzliche Dynamik bekam die Geschichte, als Spiegel Online über die Kampagne berichtete und ihr ein antiquiertes Rollenbild vorwarf. Abgesehen davon ob das zutrifft oder nicht, dürfte spätestens zu diesem Zeitpunkt das Verteidigungsministerium von der Sache Wind bekommen haben. Die Reaktion auf die Kampagne, vor der man im Bendlerblock offenbar nichts wusste war “not amused”, wenn man dem Flurfunk glauben schenken darf. Dafür spricht unter anderem, dass die Seite mittlerweile aus dem Netz genommen wurde. Die Begründung dafür aber zeigt, wie wenig durchdacht diese Entscheidung war. Gegenüber Augen geradeaus! sagte eine Sprecherin: “Sollten sich erste Angaben erhärten, dass ein Programmierfehler der vom Bundesamt beauftragten Agentur Ursache für die irrtümliche Verbreitung des Zewa-Bildes und die sich anschließende rufschädigende Diskussion war, behält sich das Ministerium rechtliche Schritte vor.” 

Die Abschaltung der Seite, verbunden mit der Drohung gegenüber der Agentur, gab der ganzen Geschichte einen weiteren Dreh. Inzwischen haben neben der dpa, die eine entsprechende Meldung über ihren Ticker laufen lies, auch Spiegel Online und stern.de das Thema erneut aufgegriffen. Frei nach dem Motto “any news is good new” könnte man nun zwar sagen, dass die Kampagne erfolgreich war, angesichts der erklärten Absichten der Ministerin, ist sie aber ein Desaster. Das vor allem, weil es sich auf einem Gebiet abspielt, auf dem Ursula von der Leyen bislang stets brillierte – der Öffentlichkeitsarbeit. Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob die damit verbundene Aufregung künstlich ist. Natürlich ist eine schlecht gemachte Webseite angesichts der echten Probleme der Bundeswehr von einer nicht zu überschätzenden Egalheit. Aber auch hier gilt: Nicht die Krise ist in der Regel das Problem, sondern der Umgang damit.

Bevor ich ein paar Erkenntnisse kurz zusammenfasse, wage ich noch einen kleinen spekulativen Exkurs hinter die Kulissen, denn, um aus dem Fall zu lernen, lohnt es sich, auch die beteiligen Akteure zu betrachten. Das dürften neben dem unmittelbaren Auftraggeber, dem Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr und hier vor allem die Personalgewinnung, noch die Abteilung Personal sowie der Presse- und Informationsstab des Verteidigungsministeriums sein. Außerdem wäre es sicher klug, eine solche Kampagne mit dem Social Media-Team der Bundeswehr in der Zentralredaktion der Bundeswehr abzustimmen. Damit befindet man sich aber auch schon mitten im schönsten Kompetenzgerangel.

Die Personalwerber, die im oben genannten Bundesamt aufgegangen sind, waren traditionell die einzige Dienststelle in der Bundeswehrkommunikation, die mit substantiellen Mitteln agieren durften. Schließlich verteilten sie die Werbegelder der Bundeswehr unter Agenturen und Medien. Diese Etats waren zwar im Vergleich zu großen Werbetreibenden eher klein, aber dennoch im Millionenbereich. Entsprechend breitbeinig traten in der Vergangenheit auch die Soldaten dieses Bereichs auf. Selbstgewissheit und Beratungsresistenz verbunden mit einem abschätzigen Blick auf die “Pressearbeiter” in Berlin waren durchaus nicht ungewöhnlich. Die neuen Zeiten mit drohendem Nachwuchsmangel und erhöhten Budgets versprachen eine glänzende Zukunft. Schade nur, dass sich in den Jahren der Nichtführung dieses Bereiches, wie man hört, auch eine Borniertheit gepaart mit grundsätzlichen methodischen Schwächen entwickelt hatte. Die Agenturauswahl, Qualitätsmanagement und die fehlende Einbindung der anderen Dienststellen im Kontext der hier diskutierten Kampagne sind starke Indizien dafür dass diese Beschreibung nicht ganz an der Wirklichkeit vorbei geht.

Die Abteilung Personal im Ministerium wiederum, wähnte sich vermutlich wegen ihrer Nähe zur Ministerin und deren Agenda im siebten Himmel, schließlich hatte von der Leyen die Themen Attraktivität des Dienstes und Nachwuchsgewinnung zur Chefinnensache erklärt. Dumm nur, dass die Kollegen des Bundesamtes sich davon nicht beirren ließen.

Und schließlich der Presse- und Informationsstab des Ministeriums. Eine Organisation in der Organisation, die vor allem darin ausgebildet ist, nicht strategisch nach vorne zu denken, sondern daran gewöhnt ist, sich jeden Morgen darüber zu verständigen, was der jeweilige Minister gestern gemacht hatte (und was davon in den Medien wahrzunehmen war), anschließend sich gegenseitig darüber zu informieren, was der Minister am gleichen Tag tun würde, womit wiederum klar war, was am Folgetag zu besprechen sein würde. Das wesentliche Ziel dabei: Ministerschutz, bis hin zu dreisten Lügengeschichten, wie beispielsweise nach der Bombardierung zweier Tanklaster in Kundus. Wenn wir dann noch dazurechnen, dass diese Garde über fast ein Jahrzehnt von einem Kommunikationsverhinderer par Excellence geführt wurde, der nun in seiner Eigenschaft als Kommandeur der Akademie für Information und Kommunikation auch für die neue Zentralredaktion der Bundeswehr verantwortlich ist, sollte so langsam deutlich werden, wo hier der Hase im Pfeffer liegen könnte.

Dennoch, oder vielleicht deshalb, was können wir daraus lernen?

Auf der organisatorischen Ebene

1. Die Bundeswehr, also der militärische Anteil, braucht einen eigenständigen Kommunikationschef (oder eine Chefin), der/die unmittelbar dem Generalinspekteur unterstellt ist, und der/die sich eng mit dem Leiter des Presse- und Informationsstabes und der Ministerin abstimmt. Diese Kommunikationschefin muss Richtlinienkompetenz für alle kommunikativen Belange der militärischen Organisation inklusive der Werbung für den militärischen Nachwuchs besitzen. Zu Deutsch: Keine Werbung wird veröffentlicht, die nicht durch diese Kommunikationschefin freigegeben wurde. Das ist knallharte Zentralisierung, muss aber verbunden sein, mit einer Organisation und Medienproduktion, die die Kommandeure von Bataillonen und selbstständigen Einheiten in die Lage versetzt, vor Ort selbständig um Nachwuchs zu werben. Unmöglich? Nein, diese Mischung aus Zentralität und Dezentralität beherrscht jeder Automobilkonzern, der über seine Händler wirbt.

2. Die Zentralredaktion der Bundeswehr muss weiter zum zentralen “Content-Haus” der Bundeswehr ausgebaut werden. Dazu gehört auch ein leistungsfähiges (Social Media)Monitoring, verbunden mit direktem Zugang zur Kommunikationschefin und Weisungsbefugnis gegenüber allen Dienststellen inklusive der Kontrolle über die Content Management Systeme, so dass in Fällen wie diesem, die Redaktion schnell reagieren kann.

3. Die Bundeswehr muss ihre Agenturbeziehungen überprüfen und vor allem das Personal, dass die Agenturen führt, befähigen, dieser Managementaufgabe gerecht zu werden. Denkbar wäre beispielsweise ein Austauschprogramm mit qualitativ führenden Agenturen sowie eine Weiterqualifizierung auf akademischen Niveau. Eine enge Zusammenarbeit mit den Universitäten der Bundeswehr ist dabei Pflicht.

4. Dem Bundesamt für Personalmanagement muss die Verantwortung für die Nachwuchswerbung entzogen werden. Diese muss künftig im Ministerium liegen, wobei sich der Personalchef eng mit der Kommunikationschefin abstimmen muss.

Ziel dieser Maßnahmen ist es, ein gemeinsames professionelles Kommunikations- und vor allem Qualitätsverständnis innerhalb der Bundeswehr. Der entscheidende Hebel dafür ist eine konsequente Führung, denn die fand bisher nicht statt.

Auf der inhaltlichen Ebene

1. Die Bundeswehr muss mit den besten Agenturen zusammen arbeiten. Nicht den größten, nicht den billigsten und schon gar nicht mit denen, die zufällig in der Nähe sind.

2. Eine Kampagne, die ausschließlich eine spezifische Zielgruppe (Frauen, Männer, Migranten, was weiß ich) anspricht, widerspricht einem prägenden Element der Kultur der Bundeswehr, nämlich der Kameradschaft. Erlaubt, nein sogar zwingend notwendig, sind Kampagnen für einzelne Teilstreitkräfte und Truppengattungen. Diese müssen aber immer als Teil des Ganzen vermittelt werden.

3. Jede Kommunikation der Bundeswehr muss zumindest mittelbar erklären, warum ich bereit sein sollte, zu sterben und zu töten. Nicht pathetisch, sondern ernsthaft und verbindlich. Diese Bereitschaft ist der Wesenskern des Soldatischen und nicht umsonst Teil des Diensteides “das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.” Das ist das Alleinstellungsmerkmal des Soldatenberufes. Die Werbung dafür muss nicht der Zielgruppe schmecken, sondern diesem Alleinstellungsmerkmal gerecht werden. Dadurch wird der Beruf attraktiv.

4. Im konkreten Fall: Es war ein Fehler, die Kampagne zu starten. Es war ein noch größerer Fehler sie zu stoppen und ein noch größerer sie so zu stoppen. Besser wäre es gewesen, sie laufen zu lassen und weiter zu entwickeln, in dem man schnell die Geschichten hinter den gezeigten Motiven erzählt hätte und dabei die militärische Seite beton hätte. Dadurch wäre die Seite in ihrer Klischeehaftigkeit zu einer gelungen Provokation geworden. Diese Chance hat die Bundeswehr verpasst. Vor allem aber hätten die Peinlichkeiten nicht so viel Aufmerksamkeit erfahren. Außerdem hätte das Ministerium die Kritik am Bundesamt und der Agentur hinter den Kulissen äußern müssen. So sind alle Akteure beschädigt.

5. Ein wohlwollende Interpretation für die beteiligten Agenturen: Die Bundeswehr und insbesondere das oben genannte Bundesamt sind sicher keine einfachen Auftraggeber. Aber: man muss nicht jeden Auftrag annehmen. Hier hätte eine gute Gelegenheit bestanden, nein, zu sagen.

 

Die Soldaten können endlich einpacken

Also zumindest ihre Smartphones.

Nach langer Blogpause deshalb, etwas Leichtes zum Einstieg.

HFw

Marlene aus Hamburg hat mir einen Link auf ihre Dawanda-Seite geschickt, und was ich dort sah, hat mich zumindest zum Schmunzeln gebracht. Leider war kein Muster mit meinem Dienstgrad verfügbar, also habe ich mich für die Hauptfeldwebel-Tasche entschieden. Wer also ein originelles Geschenk sucht, kann ja mal dort stöbern. Die Lieferfristen dürften kürzer als bei EADS sein, die Designs sind peppiger als bei der LHBw. Nur für den Produktnamen gibt es einen Extratag im Fegefeuer der Wortspielhölle.

Da schau’ her – die Govermedia ist wieder da

Das war nicht zu erwarten. Mit großen Worten und eher überschaubaren Taten hatte die Akademie für Information und Kommunikation der Bundeswehr im Jahr 2010 eine eigene Veranstaltungsreihe gestartet. Die Govermedia sollte eine Konferenz zur bürgernahen Kommunikation von Regierung, Ministerien und Behörden im Zeitalter der Digitalisierung werden. Die Erstauflage war eher (Zulieferer)Industrie-nah und unausgewogen in der Zusammensetzung der Referenten. Das verbesserte sich in den Jahren 2011 und 2012, auch weil die Macher externe Impulse aufnahmen. 2013 allerdings wurde die Veranstaltung abgesagt, und es sah nicht so aus, als würde sie jemals wiederkommen. Aber, ich habe mich geirrt. Zum Glück.

Im Jahr 2014 ist die Govermedia zurück. Das neue Organisations-Team scheint endlich die Lücke in der deutschen Konferenzlandschaft gefunden zu haben – eine Veranstaltung, die vor allem Kommunikatorinnen und Kommunikatoren in Ministerien und Behörden anspricht -, die es sich lohnt zu füllen. Das macht auch aus dem Standortnachteil Strausberg einen Vorteil, denn er bietet die Chance, mal für zwei, drei Tage aus dem Berliner Trubel zu entfliehen. Und sie haben sich externen Sachverstandes bedient, um ein zentrales Thema moderner Kommunikation, nämlich die Fähigkeit zur Wahrnehmung dessen, was um eine Organisation passiert, zum Schwerpunkt des Programms zu machen. Auch die Referenten (und ja, auch Referentinnen) versprechen einen frischen und vielfältigen Blick auf die veränderten Anforderungen an Kommunikationsmanagement in der digitalen Welt. In Teilen wird die Govermedia 2014 eine Reprise des MonitoringCamp sein, das heute und morgen in Köln stattfindet. Das aber ist nichts schlechtes, sondern ein Gewinn. Wenn es sich einrichten lässt (ich bereite ja gerade selbst eine Konferenz vor), werde ich zumindest einen Tag in Strausberg vorbeischauen.

 

Fegefeuer der Eitelkeiten

Eines muss man der Deutschen Presseakademie lassen: Sie hat Humor. (Ganz im Ernst: Die Kollegen machen einen wirklich guten Job und haben die verschnarchte deutsche Tagungs- und Konferenz-Landschaft ordentlich aufgemischt.) Jetzt aber haben sie sich etwas verkaufen lassen (oder eingekauft), das bei jedem, der nur einen Funken spezifischen Sachverstand hat, Reaktanzen hervorrufen muss.

Auf der 10. Fachtagung Interne Kommunikation dürfen Bettina Berg, Referentin für Reformkommunikation und Sven Kindler, Referent für Kampagnenführung, Medienkooperationen und Onlinemedien im Modul “Mitarbeiter als Multiplikatoren” das Thema “Die Bundeswehr im Wandel” als Best Case präsentieren. Immerhin lassen sie in der Vortragsankündigung offen, ob die Maßnahmen wirken.

Aus Kommunikationssicht wäre meine grundsätzliche Empfehlung: Bevor ich mich mit einem Projekt exponiere, schließe ich es ab. Und davon kann bei der Bundeswehrreform noch lange nicht die Rede sein. In diesem Fall: Entweder die Rubrik von Best Case zu etwas anderem ändern oder zuerst die Hausaufgaben machen. Alles andere wirkt eitel. Und was ich davon halte, dass dort keine aktive Soldatin oder ein aktiver Soldat auftritt, schweige ich lieber.

 

Lauft!

Ehe ich es vergesse. Noch zwei Tage könnt Ihr Euch zum Solidaritätslauf an der Universität der Bundeswehr anmelden. Und egal ob Ihr 3, 13 oder 21 Kilometer lauft – jeder Meter zählt. Deshalb werde ich an diesem Tag auch etwas mehr durch’s Büro laufen, denn leider, leider bin ich am 22. Mai nicht in Hamburg. In diesem Sinne – lauft!

Weil es wichtig ist

Dem ein oder anderen mag es seltsam erscheinen. Dennoch bette ich hier den Vortrag von Sascha Lobo auf der re-publica14 ein. Warum? Weil die Frage, wie wir eine freie und sichere Gesellschaft gestalten und – ja, das gehört auch dazu – verteidigen wollen, keine Frage der Politik allein ist. Im Gegenteil: Man muss nicht staatsfern sein, um zu erkennen, dass die Geheimdienste sich der Kontrolle der Politik entziehen wollen. Das gefährdet die Demokratie, und ich habe mal geschworen, das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Sascha Lobo hat das nicht, tut es aber.

Warum?

“Warum zum Beispiel bedankt sich ein deutscher Offizier bei seinem Geiselnehmer in einer öffentlichen Pressekonferenz?”, fragt laut Spiegel der CSU-Politiker Peter Gauweiler, und legt nach “Der ganze Vorgang macht auch für die Bundeswehr einen unguten Eindruck.” Ja, Herr Gauweiler, was wäre denn Ihre Antwort auf diese Frage?

Überhaupt. Fragen. Ja, Fragen sind ein mächtiges Kommunikationsmittel. Und insbesondere wenn es um den Einsatz von Militär geht, kann es meines Erachtens nich zu viele Fragen geben. Wenn ich mir aber vergegenwärtige, mit welchem Unterton und Gestus beispielsweise Claus Kleber und Günther Jauch die Verteidigungsministerien zum Einsatz der OSZE-Beobachter befragen, dann frage ich mich, ob sie an der Sachen bzw. den Menschen, die betroffen sind, interessiert sind, oder doch nur an sich selbst. Und ich frage mich, warum?

Der ganze Vorgang macht auch für Berufspolitiker und Journalisten einen unguten Eindruck.

Anja Niedringhaus – Ihre Bilder werden fehlen

Heute, am 4. April 2014 wurde die Fotografin Anja Niedringhaus in Afghanistan erschossen. Die bekannten Fakten, vor allem aber einen sehr persönlichen Text, hat Thomas Wiegold auf Augen geradeaus! veröffentlicht. Ich habe Anja Niedringhaus leider weder in meiner aktiven Dienstzeit noch danach kennen lernen dürfen. Trotz dieser Distanz bewegt mich ihr Tod, und das mehr als andere ebenso tragische Ereignisse. Das liegt vermutlich daran, dass Bilder von Niedringhaus immer ein wesentlicher Teil der Vorträge waren, die Thomas Wiegelt und ich gemeinsam, oder ich alleine gehalten haben – ich zuletzt auf dem Videocamp in Düsseldorf.

“Beautiful War” habe ich meine Session genannt, weil mich die Ästhetisierung des Krieges in den Medien schon lange beschäftigt. Auch die Bilder von Anja Niedringhaus hatten immer eine ästhetische Komponente. Viel mehr aber öffneten sie einen tieferen Einblick in die seltsame Zwischenwelt, die den anderen Menschen noch fremder ist als uns, die wir als Soldaten oder Journalisten darin unterwegs waren und sind, und die vor allem die Politik so gerne verbergen möchte.

Danke Anja. Ihre Bilder werden fehlen, noch viel mehr aber Ihr unbestechlicher Blick. Den menschlichen Verlust, den Ihr Tod bedeutet, können nur andere ermessen.

Danke auch an all’ die anderen, die bereit sind, ihr Leben einzusetzen, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Und ja, ich verstehe, wenn der ein oder andere jetzt glaubt, dass Soldaten und Soldatinnen nicht dazu gehören, für mich aber schon, denn Krieg ist nicht schön. Niemals.