Eine neue neue Chance – Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen

Dezember 15th, 2013

Die CDU geführten Bundesregierungen haben in den vergangenen Jahren konsequent versäumt, Bundeswehr und Gesellschaft auf die veränderten Rahmenbedingungen der Außen- und Sicherheitspolitik einzustellen. Die geplante Bestellung von Ursula von der Leyen zur Bundesministerin der Verteidigung wird daran vermutlich nichts grundsätzlich ändern. Zu groß und komplex ist der Berg von halbherzigen Reformen, gescheiterten Rüstungsprojekten und fehlgeleiteten Missionen, die ihre Vorgänger der neuen Ministerin hinterlassen haben. Dennoch, gerade hier liegt eine neue neue Chance, denn im Unterschied zu ihren Vorgängern weiß Frau von der Leyen, dass sie ihre Machtansprüche nur wird durchsetzen können, wenn sie sich den Aufgaben und vor allem den Menschen wirklich zuwendet und sie nicht, wie Thomas de Maizière und Karl-Theodor zu Guttenberg, nur als Projektionsfläche für Eitelkeiten missbraucht.

Aus Kommunikationssicht dürfte interessant sein, ob von der Leyen ihren langjährigen Vertrauten Jens Flosdorff mit in den Bendlerblock bringt. Angesichts des Wechsels des BMAS zur SPD dürfte sein Abgang beschlossene Sache sein. Unabhängig davon dürfte eine der ersten Aufgaben der neuen Ministerin sein, das Verhältnis des Hauses zur Hauptstadtpresse wieder zu normalisieren. Pressechef Stefan Paris und sein Stellvertreter Kapitän Christian Dienst waren im vergangenen Jahr hauptsächlich damit beschäftigt, so genannte Sprechererklärungen zu formulieren. Die Beziehungsarbeit blieb dabei auf der Strecke. Statt dessen prägte ein beleidigter Unterton die Erklärungen. Über den Sinn einer solchen Kommunikationsstrategie sowie PR-Highlights wie die Lügen-Kampagne nach dem Kundus-Bombardement und das Drohnen-Desaster wird Dienst künftig angeblich als Kommandeur der Akademie für Information und Kommunikation der Bundeswehr in Strausberg nachdenken dürfen. Der Titel der Einrichtung klingt bedeutend. Die Impulse, die in den vergangenen Jahren aus dem Einödstandort in Brandenburg kamen, waren überschaubar.

Ein weiterer Schwerpunkt für von der Leyen wird vermutlich die Umsetzung und vor allem die Vermittlung der Reform der Bundeswehr nach Innen sein. Sie wird sich sehr genau ansehen, welche der Säcke von de Maizière wirklich zu sind und welche neu geschnürt werden müssen. Bleibt es beim zweijährigen Rhythmus, werden wir spätestens im Herbst 2014 auf der Bundeswehrtagung etwas dazu hören. Gespannt darf man darauf sein, welche Rolle dabei einer der engsten Mitarbeiter von der Leyens in den vergangen Jahren spielen wird. Frank-Jürgen Weise, Chef der Arbeitsagentur, war maßgeblich für die zumindest nach Außen hin erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik mitverantwortlich. Als Leiter der Bundeswehr-Strukturkommission und Oberst der Reserve, mit Einplanung im NATO-Stab in Brüssel, bringt er die optimale Mischung aus Nähe und Distanz mit, um gegebenenfalls sogar in einer offiziellen Rolle zu wirken. Auf jeden Fall aber könnte er zu einem wichtigen Berater der Ministerin werden, auch mit Blick auf das Verhältnis zur (Rüstungs)Industrie.

Weitere – auch kommunikative Baustellen – werden die Veteranenpolitik sein, bei der von der Leyen dringend auf die Verbände zugehen sollte und vor allem die Bearbeitungszeiten der Entschädigungsanträge drastisch verkürzen muss sowie die Nachwuchsgewinnung. Bei beiden Themen könnte sich die Ministerin durch ihre verbindliche und konsequente Art recht schnell profilieren und gleichzeitig substantielle Verbesserungen bewirken. Dann dürften auch die zahlreichen Kritiker, die ihre Frauenfeindlichkeit derzeit nur mühsam hinter dem Scheinargument der angeblich fehlenden Fachkompetenz von der Leyens verstecken, rasch verstummen. Auch ihnen bietet sich dann eine neue neue Chance – zu schweigen.

 

Bundeswehr-Werbecheck #3

Oktober 18th, 2013

Obwohl ich es mir fast nicht vorstellen kann, dass jemand hier, aber nicht bei Augen Geradeaus liest, der Hinweis: Den Werbecheck #3 habe ich – unabgesprochen – an Thomas Wiegold “outgesourced.”

Bundesheer-Werbecheck

Oktober 15th, 2013

Dank Tyrosize bin ich auf einen Beitrag unserer südlichen Nachbarn aufmerksam geworden. Aber sehet selbst.

 

Bundeswehr-Werbecheck #2

Oktober 13th, 2013
Bild einer Soldatin mit Gefechtshelm und getarntem Gesicht. Daneben der Spruch Schön Bund, mit d statt t geschrieben, und der Zeile Soldatin in der Bundeswehr

Werbung der Bundeswehr am Verteidigungsministerium in Berlin

Dank eines Tweets einer aufmerksamen Twitter-Nutzerin folgt schon heute die zweite Folge des Bundeswehr-Werbechecks. Diesmal aus der Kategorie Wortspielhölle:

 

Bundeswehr-Werbecheck #1

Oktober 13th, 2013

Ich probiere mal ein neues Format aus: Den Bundeswehr-Werbecheck. Das Prinzip ist sehr einfach, denn nicht ich bewerte darin aktuelle Werbe- und Kommunikationsmaßnahmen der Bundeswehr, sondern Ihr/Sie, also die Leserinnen und Leser dieses Blogs. Halt! Ganz so einfach ist es doch nicht, denn zumindest für mich gibt es ein entscheidendes Prüfkriterium. Ob Ihr/Sie Euch dem anschließt, bleibt Euch/Ihnen überlassen. Das Kriterium heißt:

“Beantwortet die Werbe- oder Kommunikationsmaßnahme zumindest mittelbar die Frage, warum Soldatinnen und Soldaten ihr Leben einsetzen  oder das Leben anderer nehmen sollen?” – Denn genau darum geht es beim Dienst in den deutschen Streitkräften. Das macht – um im Werberdeutsch zu bleiben – den Markenkern der Bundeswehr aus, konkretisiert im Diensteid der deutschen Soldaten, mit dem sie geloben bzw. schwören, “das Recht und Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen”.

Erster Kandidat im Bundeswehr-Werbecheck ist ein brandaktueller Spot aus der Nachwuchswerbung:

 

Unser Zustand

Oktober 8th, 2013
Ehrenhain im Feldlager Mazar e Sharif. Hier gedenken die Soldaten ihrer in Afghanistan gefallenen Kameraden.

Ehrenhain im Feldlager Mazar e Sharif. ZDF/Alex Alfes

 

Viele werden es vermutlich schon mitbekommen haben. Heute Abend läuft im ZDF der erste Teil der Dokumentation “Unser Krieg – Kampfeinsatz in Afghanistan.”  Das ZDF hat zur Sendung eine Microsite mit zusätzlichem Material eingerichtet. Außerdem finden sich in der Mediathek einige aktuelle Berichte, die sich dem Thema Afghanistan aus unterschiedlichen Perspektiven widmen. Was auffällt ist, dass die Bundeswehr selbst dem Thema kommunikativ eher wenig Raum gibt. Sicher, das Ministerium hat einen Pressetross mit zur Übergabe des Feldlagers Kunduz genommen. Die Chance aber, das Besondere des Dienstes der Soldatinnen und Soldaten aus eben dieser soldatischen Sicht darzustellen, haben die Kommunikationsstrategen im Bendlerblock – mal wieder – verpasst.

Aber was, wenn nicht? Wenn es also Absicht ist, dem Milität im Allgemeinen und den Kämpfern im Besonderen keine Bühne zu bauen? Dann, und das sage ich fast völlig ironiefrei, war die Kommunikationstrategie der vergangenen Jahre brillant. Soldaten spielen im breiten öffentlichen Diskurs kaum eine Rolle. Verirrt sich dennoch mal ein General in eine Talkshow – nicht, dass das ein Qualitätsmerkmal wäre – kann man sicher sein, dass hinter seinem Dienstgrad ein a.D. (außer Dienst) steht. Dass wir dennoch mit und nicht nur über unsere Soldaten sprechen, ist vor allem der Verdienst einzelner Soldaten. Soldaten, die sich und ihren Kameraden mit den Veteranenverbänden eine Stimme gegeben haben. Soldaten, die das Tabuthema der Traumatisierung durch Erlebnisse im Einsatz (PTBS) an die Öffentlichkeit gebracht haben. Und Soldaten, die ihre Erinnerungen an den Einsatz am Hindukusch in unterschiedlichster Weise aufgeschrieben haben.

Und weil unser Zustand so ist, wie er ist, ist es nicht verwunderlich, dass die vielleicht einprägsamsten Worte der afghanische Vize-Verteidigungsminister Nasrullah Nasari fand, als er die Mutter eines getöteten deutschen Soldaten, Tanja Menz, ansprach und über ihn, den Stabsgefreiten Konstantin Menz sagte: “Er hat sich geopfert und mit seinem Blut ein Zeichen gesetzt. Er ist auch ein Sohn dieses Landes.”

Es solte uns zu denken geben, dass vergleichbare Worte von der politischen Führung Deutschlands bislang nicht zu hören waren.

 

 

Geschichtsvergessen

Oktober 2nd, 2013

Ein bemerkenswertes Detail der Selbstdarstellung der Bundeswehr,  beziehungsweise dessen Fehlen, hat Thomas Wiegold ausgegraben. In der offiziellen Chronologie des Afghanistaneinsatzes fehlt – zumindest auf der entsprechenden Seite der Bundeswehr – jeglicher Hinweis auf den von einem deutschen Oberst angeordneten Bombenangriff auf zwei entführte Tanklaste bei Kundus. Zufall, Absicht, Nachlässigkeit? Man weiß es nicht, aber weil die Bundeswehr das Organisationsprinzip, dass die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut, auch in der Kommunikation professionalisiert hat, vermute ich schlichte Geschichtsvergessenheit. Zur strategischen Absicht fehlt einfach der Denkapparat, zumal in den Tiefen des Content Management Systems weiterhin beispielsweise des damaligen Leiter des Presse- und Informationsstabes, Thomas Raabe, zum “erfolgreichen Einsatz gegen Aufständische im Raum Kundus” zu finden sind.

Wie dem auch sei. Im kollektiven Gedächtnis unserer Gesellschaft jedenfalls hat sich Kundus – nicht zuletzt durch die mediale Aufarbeitung – einen Platz gesichert. Auch die Bundesregierung hat sich nicht in die Niederungen der Geschichtsklitterung begeben. Im Gegenteil: Auf ihrer Webseite kann man die Statements von Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier nachsehen.

Wünschenswerte Wirklichkeiten, oder warum schlechte PR nur Erfolgsgeschichten erzählt

September 30th, 2013

Morgen, am 1. Oktober 2013, übernimmt die Bundeswehr offiziell einen bisher privat betriebenen Facebook-Account. Einen Teil der Geschichte, nämlich den geschönten, kann man hier auf der Webseite der Bundeswehr nachlesen. Der bisherige Betreiber des Accounts, Tobias V. (Gilt neuerdings OpSec auch für Fans? Dumm nur, dass der Klarname von Tobias Velten noch in den Suchmaschinenresultaten auftaucht.) ist im Interview voll des Lobes für die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. Auf die Frage: “Wie kam die Kooperation mit der Bundeswehr zu Stande?” antwortet er pflichtgemäß: “Als die Bundeswehr selbst mit ihrem Kanal online ging, habe ich den Kontakt gesucht. Ich hatte einfach den Wunsch, meine Seite weiter zu professionalisieren. Dazu gehörte für mich auch die direkte Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. Wenig später bin ich vom Social Media Team nach Berlin eingeladen worden. Bei einem ersten Treffen haben wir dann besprochen, wie wir künftig zusammenarbeiten können.”

Nun weiß ich nicht, welche Definition von “wenig später” die Bundeswehr hier zu Grunde legt. Aber die Seite “Wir.Dienen.Deutschland.” ging im Oktober 2011 online. Und mir hat der junge Mann im Mai 2011 noch etwas anderes von seinen Kontaktversuchen berichtet, unter anderem, dass er eine Antwort erhalten habe, in der ihm die Bundeswehr zwar für sein großes Engagement danke, gleichzeitig aber um Verständnis bitte, dass man sich nicht an den von ihm gewünschten Informationen beteilige könne, da er kein offizielles Medium der Bundeswehr sei. An andere Stelle habe man ihm geantwortet, dass man seine “Kooperationsanfrage” erhalten und an die zuständigen Ansprechpartner im Bundesministerium der Verteidigung weitergeleitet habe.

Das Ärgerliche: Es wäre so einfach gewesen, es besser zu machen und die Geschichte einer schwierigen Annäherung zu erzählen. Vom Engagement eines jungen Mannes, der sich unbedarft an eine Großorganisation wendet, die wiederum ebenso unbedarft versucht, ihn kleinzuverwalten, dann aber, als sie endlich erkennt, dass es dort jemanden gibt, der ausweislich der Fanzahlen deutlich besser den Geschmack des Publikums zu treffen scheint, sich öffnet, auf ihn zugeht und sich dann entscheidet: Wir machen das weiter. Das wäre echte Anerkennung gewesen. Anerkennung, die sich Tobias Velten hart erarbeitet hat, die er verdient. Die zeigt, dass ein Einzelner etwas bewegen kann, wenn er (oder sie) mit Herzblut an eine Sache geht. So ist es wieder nur doofe schlechte Ministeriums-PR geworden.

Rap-Einladung

September 9th, 2013

Keine Frage, Praktikantenraps sind in der Regel grausam. Aber das, was sich der Polizeinachwuchs Schleswig-Holstein hier zusammengereimt hat, um den Rapper Cro zu einem Konzert einzuladen, mag ich irgendwie.

Willkommen in der Blog-Familie, Tyrosize

September 8th, 2013

Der ein oder andere wird sich noch an den tanzenden Weihnachtsbaum in Kunduz erinnern. Ein Video, das auf YouTube immerhin mehr als 70.000 mal aufgerufen wurde. Verantwortlich dafür ist der Kamerad Tyrosize, gewissermaßen das Einmann-Kompetenzzentrum dafür, wie sich junge Soldaten heute selbst gerne sehen. Eine Auswahl seiner Arbeiten hat er auf seiner Webseite veröffentlicht. Außerdem ist er seit Anfang September mit einem eigenen Blog am Start. Schaut mal rein. Es lohnt sich. Aber Achtung: Erwartet keine abstrakte sicherheitspolitische oder kommunikationstheoretische Diskussion, sondern Machen – genau deshalb ist es wichtig.