Fehlbesetzungen

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Ursula von der Leyen die falschen Generäle entlässt.

Vor fünf Jahren kündigte Generalinspekteur Volker Wieker an, den Traditionserlass weiterentwickeln zu wollen. Ergebnisse: keine. Mindestens ebensolang versagt die Führungsspitze der Bundeswehr bei der Formulierung eines Veteranenkonzepts.

Diese beiden gravierenden Versäumnisse muss man zusammenlesen. Wer systematisch verhindert, dass sich eine eigenständige Traditionslinie der Bundeswehr etabliert, wer nicht in der Lage ist, zentrale Leitgedanken zum soldatischen Selbstverständnis in einer Demokratie zu formulieren und in der Truppe zu verankern, sollte anderen Raum geben, diese Lücken zu füllen.

Und wer als Ministerin einen Generalinspekteur, mit einer derart desaströsen Leistungsbilanz zweimal bittet, seine Amtszeit zu verlängern, der darf sich nicht wundern, wenn er sein Vertrauen verspielt hat.

7 Gedanken zu “Fehlbesetzungen

  1. Stimmt – man kann beim besten Willen nicht behaupten, dass die Ministerin ein gutes Händchen für Personal hätte. Was nutzt mir eine hochbegabte Beraterin, wenn ich ihr einen im Bereich der Rüstung vollkommen unbedarften und ansonsten viel zu detailverliebten General als Abteilungleiter zur Seite stelle, der seine Berufung darin sieht, den Parlamentariern die Funktionsweise von Waffensystemkomponenten weit unterhalb der Baugruppenebene zu erklären? Was nutzt mir ein hochintellektueller, loyaler und im parlamentarischen Raum respektierter Generalinspekteur, den in der Truppe keiner kennt, weil er dort schlicht nicht stattfindet? Was nutzen alle ambitionierten Agenden, wenn ich nicht das Führungspersonal dafür gewinnen kann, sie überzeugend in ihre jeweiligen Bereiche zu kommunizieren? Und wie könnte eine Ministerin ihre Defizite bei Führung, Organisation und Personalauswahl anschaulicher demonstrieren, als dass sie für jedes auftretende Problem ein neues Gremium, eine neue Arbeitsgruppe oder ein neues Stabselement einrichtet? In dieser Legislaturperiode gibt es im Organigramm des Bundesministeriums der Verteidigung keine Linien mehr, die die Zuordnung von Organisationselementen innerhalb der Organisationshierarchie verdeutlichen – das entbehrt nicht einer gewissen Symbolkraft…

  2. Haltungsfragen oder auch „Haltet den Dieb“
    Adel kommt ja von Edel und einige dieser Familien haben dieses Attribut durchaus verdient. Schließlich kam 80% des Widerstandes gegen die Nazis und 100% der Initiative aus diesen Kreisen. Diese Offiziere mussten nicht nur gewaltig gegen ihre eigenen Tradition verstoßen, dem Staat immer und unter allen Umständen treu bis in den Tod zu dienen. Sie haben das schlimmste riskiert, diesen Tod als Verräter zu finden und nicht als Held auf dem Schlachtfeld. Und sie haben den Preis mit einer Haltung bezahlt, die von den meisten der heute verantwortlichen Parteikarrieristen noch nicht einmal als Haltung erkannt wird.
    So viele Adelsfamilien gibt es nicht. Und im Gegensatz zu „Müller“ kann man davon ausgehen, dass alle mit dem gleichen Namen aus derselben Familie stammen. Und so findet man relativ leicht, dass der Generalleutnant der Wehrmacht Ludwig von der Leyen
    https://de.wikipedia.org/wiki/12._Infanterie-Division_(Wehrmacht)
    als Oberkommandierender der 12. Inf. Div. am Polenfeldzug teilgenommen hat. Ich glaube nicht, dass die Mädchenschulen gebaut oder Brunnen gebohrt haben. In der Reichswehr war er schon als Oberst für die Ausbildung der Infanterie tätig und somit einer derjenigen Offiziere, welche den schon in den 20‘er Jahren genial geplanten Aufbau der Wehrmacht vorbereitet haben. Er hat seinem Führer ohne zu zucken bis zum Ende treu gedient.
    Man kann noch einen zweiten Vertreter der Edlen finden, Joachim von der Leyen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Freiherr_von_der_Leyen
    Das war nun ein 150%‘er. Als junger Mann Mitglied des Freikorps und später Verwaltungsbeamter Hitlers in der zerschlagenen Tschechei und in Galizien war er sicher nicht ganz unbeteiligt an der Vorbereitung zur endgültigen Germanisierung dieser Gebiete. Wir reden hier von der ethnischen Säuberung und der Zuführung der lokalen Opfer in die Arbeitslager und KZ.

    Wenn die Ministerin es denn mit der Endlösung zur Entnazifizierung der BW ernst meint, dann sollte man nach der ersten eine zweite Stufe erwarten können.
    Im jetzt begonnenen, ersten, einfachen Teil, werden die Namen der Toten ausgelöscht und deren Bilder abgehängt. Die können sich nicht mehr wehren. Die Generation der Überlebenden alten Soldaten ist unwichtig für sie. Sie sind keine wahlrelevante Gruppe. Soviel zu Haltung und Anstand.
    Die Alten Helme und Degen werden an Sammler verkauft, deren Namen wir uns merken sollten, falls deren Kinder sich aus Versehen freiwillig bei der BW melden sollten.
    Die zweite Stufe wird für sie persönlich schwieriger. Aber Klasse und Charakter erkennt man immer dann, wenn schwieriges getan werden muss. Sie muss der Familie ihres Mannes klar machen, dass der Name VON DER LEYEN für den IBuK der BW nicht akzeptabel ist. Er ist direkt mit üblen Naziverbrechen verbunden und noch nicht einmal ein klein wenig mit dem Widerstand.
    Eigentlich muss sie zurücktreten, um die Truppe von diesem unerträglichen Makel zu befreien. Das ist eine Frage der Haltung.
    Nur ihre Kinder, die müssen damit leben.

    Völlig unabhängig von dieser Geschichte, als Verteidigungsministerin muss sie noch eine Menge lernen:
    War is not about who is right.
    War is about who is left.

    Und für das Überleben ist die Truppe zu lausig ausgerüstet und mit ihrem Minenfeld an Vorschriften wird ihr das wahrscheinlich sogar verboten.
    Der böse Feind wird sich jedenfalls ganz sicher nicht an ihre politisch korrekten Vorstellungen halten.

  3. Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant
    (Hoffmann von Fallersleben).

    Die Meldung vom heutigen Tage:

    „Der Militärgeheimdienst MAD ermittelt aufgrund einer Denunziation wegen eines Aufrufs zum Putsch gegen einen Stabsoffizier.

    Dieser habe „Sympathie für einen ‚Putsch‘ erkennen“ lassen, teilte der Dienst mit.

    Der Offizier soll am 12. Mai während eines Lehrgangs gesagt haben:

    „Ich habe es so satt, daß 200.000 Soldaten unter Generalverdacht gestellt werden, wegen zwei Verrückten. Die Ministerin ist bei mir unten durch, das muß man ansprechen oder putschen.“

    Erste Bemerkung: Siehe Überschrift.

    Zweite Bemerkung: In der verfemten Wehrmacht wäre eine solche Denunziation völlig undenkbar gewesen. da in höchstem Maße ehrenrührig.

    In der heutigen(!) Bundeswehr hingegen? Männer von Ehre?

    Wo blieb jüngst der Aufstand der Generalität angeschts der Zumutungen der Assistenzärztin und des ihr ergebenen Generalinspekteurs („Mangelnde Haltung“ und „Bildersturm“)?

  4. Zum „Bildersturm“ der Assistenzärztin und des ihr ergebenen Generalinspekteurs Wieker meldete sich heute der Wehrbeauftragte zu Wort.

    Im (mir völlig schleierhaften) Zusammenhang mit dem bizarren Fall des Bundeswehroffiziers, der sich mit Erfolg im Dezember 2015 mit einer falschen Identität als Flüchtling registrieren ließ, hatte die noch im Amt befindliche Verteidigungsminsterin die Durchsuchung aller Kasernen im Zuge der Kampagne gegen Wehrmachts-Nostalgie angeordnet.

    „Soldaten haben sich bei uns beklagt, daß Stuben in ihrer Abwesenheit durchsucht worden seien“, sagte Wehrbeauftragter Bartels der Zeitzung „Heilbronner Stimme“. Die Soldaten fühlten sich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt und unter Generalverdacht gestellt.

    Die Durchsuchungen regten die Truppe „ziemlich“ auf.

    „Wir wollen deshalb vom Verteidigungsministerium wissen, welche Befehle dazu gegeben wurden, und ob es eine einheitliche Regelung für die Durchsuchungen gab.“

    Bereits am 17. Mai hatte ich mich zu Wort gemeldet:

    „Die hat in den Kasernen auch in Abwesenheit(!!) der Bewohner Durchsuchungen durchführen lassen.

    Es hagelt Beschwerden und Eingaben an den Wehrbeauftragten. Sogar von Strafanzeigen ist die Rede.

    In der Truppe brodelt es.

    Andererseits: ein Offizier hat sein Bundeswehr-Kochgeschirr (baugleich mit dem bewährten der Wehrmacht) bei von der Leyen gemeldet und wartet nun, was passiert…“

    Was mich selbst angeht: Auf meiner Geburtsurkunde von 1944 findet sich doch glatt der Hoheitsadler mit dem berühmt-berüchtigten Kreuz in den Fängen. Was soll ich jetzt machen – das Kreuz schwärzen? Urkundenfälschung begehen? Fragen über Fragen…

  5. Man kann es nicht besser beschreiben. Die eigene Tradition verkacken (nicht nur kein Veteranenkonzept, sondern deren Wahrnehmung insgesamt sowie diesen unspezifische 80er Erlass weiter rumwabern, den keiner kapiert) und sich dann wundern, wenn der ein oder andere sich selbst was bastelt. Hauptsache Uniform für Schwangere testen. Unfassbar.
    PS. Ein Blick auf die Kommunikation dieses hochüberflüssigen Reserveverbandes zu vdL und Wehrmacht lohnt. M.E. Traditionslinie Marke „Kadavergehorsam“. Noch unfassbarer. Cdu-Club.

  6. Zu viele Häuptling in der Prärie. Bundeswehr quo vadis?
    Kaum jemand übernimmt noch Verantwortung für sein Handeln.

  7. @Konrad Vogeler
    Wieso sollte v.d.L. zurücktreten? Sie macht doch nichts falsch. Die „Fehler“ sind alle anderen nicht sie selbst. Geisterfahrer betrachten die Situation aus einem ganz anderen Blickwinkel. Nur hat dieser Geisterfahrer auch noch Blinde im Schlepptau die auf der selben Spur im Breitkeil folgen. Im Windschatten zu fahren war schon immer einfacher. Doch biegt der vor einem irgendwann ab. Ich hoffe rechtzeitig genug um nicht noch mehr Schaden anzurichten.

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