Archive for the ‘Allgemein’ Category

It´s the human being, stupid - Journalismus 2.0 und Krieg

Dienstag, Juni 29th, 2010

Das muss man sich einfach anschauen. Während in der Nähe von Berlin beim Symposium Govermedia an der Akademie für Information und Kommunikation der Bundeswehr noch theoretisch über Journalismus und bürgernahe Kommunikation diskutiert wird, zeigt die New York Times, was das sein kann.

“A Year at War” ist ein interaktives Feature, bei dem die NYT ein Bataillon der 10th Mountain Division für ein Jahr im Einsatz in Kunduz begleitet. Bereits der Auftakt geht näher als alles, was bislang in deutschen Medien über den Afghanistaneinsatz zu sehen, lesen und zu hören war (die Randnotizen vielleicht mal ausgenommen).

Genug des Redens. Einfach machen. Jetzt.

Deutschland bewegt sich

Donnerstag, Juni 24th, 2010

Ich bin nicht sicher, was an meinen Beobachtungen Wunschdenken, selektive Wahrnehmung oder tatsächliche Entwicklung ist. Es scheint jedoch, dass langsam aber sicher, etwas Bewegung in die öffentliche Debatte über Sicherheitspolitik allgemein, und das deutsche Engagement in Afghanistan kommt. Die Zeit begleitet das Thema nun schon recht lange mit einer Themenseite Afghanistan - Krisenstaat am Hindukusch. Friederike Böge, als Korrespondentin für die FAZ in der Region, liefert interessante Einblicke, aktuell über die Kronprinzen von Kandahar, zwei Neffen von Präsident Karzai, die aus den USA nach Afghanistan gekommen sind. Es scheint, der neue wilde Westen liegt in Asien.

Und es gibt Anzeichen, dass diese Diskussion - auch nach den Äußerungen und dem Rücktritt des ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler - mehr ist als ein Medienphänomen. Das Online-Magazin e-politik.de hat ein Dossier zum Thema “Deutsche Strategiefähigkeit im 21. Jahrhundert” zusammengestellt, in dem sich neben dem “Afghanistan-Veteranen” Winfried Nachtwei unter anderem auch Roderich Kiesewetter, Bundestagsabgeordneter und ehemaliger Oberst der Bundeswehr dazu bekennt, dass die sicherheitspolitische Kommunikation verbessert werden muss. Kiesewetter sagt klar und deutlich, dass Sicherheitspolitik kein sexy Thema ist, und skizziert einen möglichen Weg unter Einbeziehung der relevanten Akteure. Obwohl es nicht ganz einfach sein wird, den Diskurs der bestehenden unstrategischen Community auf die Öffentlichkeit zu erweitern, aber Kiesewetters Absichten sind redlich, seine Argumente plausibel. Das zeigt unter anderem seine Antwort auf Fragen, die ich ihm über abgeordnetenwatch.de gestellt habe. Geantwortet haben auch Joachim Pfeiffer sowie Annette Schavan, wobei das allen gemeinsam Argument, dass ein Evaluation des Afghanistan-Einsatzes zum jetzigen Zeitpunkt nicht sinnvoll sei, nicht überzeugt. Im Gegenteil, gerade aus einer rückblickenden Evaluation könnten sich Hinweise ergeben, um Ziele und Methoden weiter zu entwickeln. Vor allem aber könnte eine regelmäßige Berichterstattung, wenn nicht für komplette Transparenz, so doch aber für mehr Anerkennung und Nachvollziehbarkeit sorgen.

Diese Argumentation stützt auch Winfried Nachtwei, der sich wünscht, diese Berichterstattung nicht nur auf den parlamentarischen Feldherrenhügel zu begrenzen. Ein Wunsch, den Nachtwei im Übrigen mit bislang mehr als 650 Bürgerinnen und Bürgern teilt, die bis jetzt eine Petition mitgezeichnet haben, mit der der Bundestag die Bundesregierung zu einer kontinuierlichen, ressortübergreifenden Information zu verpflichten. Die Zahl der Mitzeichnenden liegt zwar noch deutlich unter dem für eine öffentlich Anhörung erforderlichen Quorum von 50.000, ist aber ein Zeichen, dass die u.a. hier wiederholt geforderte öffentliche Debatte nicht nur dem Wunschdenken Einzelner entspricht.

Der strategische Social Media-Fail der Bundeswehr

Dienstag, Juni 22nd, 2010

Unter Verweis auf massive Sparzwänge hat das Verteidigungsministerium den für September geplanten “Celler Trialog” abgesagt. Die Veranstaltung, die die Bundeswehr bisher gemeinsam mit der Commerzbank ausrichtet, sollte hochrangige Vertreter von Wirtschaft, Politik und Militär ins Gespräch bringen.

Das Kostenargument überzeugt nicht. Ausweislich einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Partei Die Linke, gab die Bundeswehr im Jahr 2009 rund 22.000 Euro dafür aus. Plausibler erscheint die Entscheidung, wenn man die öffentliche Kommunikation über die bisherigen Veranstaltungen betrachtet. Die wird nämlich zumindest im Internet vor allem von den Gegenstimmen beherrscht. Gut an der Entscheidung des Ministeriums ist, dass die Gegner sich nun einen anderen Anker für ihren Protest werden suchen müssen. Schlecht ist, dass sie ihn vermutlich schon gefunden haben: Die Jugendoffiziere der Bundeswehr.

Kampf um die sicherheitspolitische Deutungshoheit im Klassenzimmer

Die Jugendoffiziere stehen u.a. in Folge von Rahmenvereinbarungen, die das Verteidigungsministerium und verschiedene Kultusministerien (bspw. Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz)  abgeschlossen haben, im Fokus diverser Kritiker. So abwegig deren Argumentation auch teilweise sein mag, ein paar Dinge haben sie erreicht:

- Sie haben das Thema auf die Agenda etablierter bundesweiter Medien wie des Fokus oder der Süddeutschen Zeitung gehoben.
- Sie haben aus lokaler Ebene Widerstand von Schülerschaften mobilisiert (“Schüler des Helmholtz-Gymnasiums fordern Hausverbot für Bundeswehr”).
- Und sie erobern sich sukzessive die vorderen Plätze auf der Google-Trefferliste und schicken sich so an, die Deutungshoheit über ein zentrales Feld der Politikvermittlung im Diskursraum Internet zu übernehmen.

Social was?

Die Bundeswehr und das Verteidigungsministerium hingegen fremdeln etwas mit den neuen Medien - gelinde gesagt. “Bloggen? Find’ ich doof” hat Focus-Redakteur die vorherrschende Grundhaltung mal auf den Punkt gebracht. Während das US-amerikanische Verteidigungsministerium einen eigenen Social Media-Hub einrichtet und Roundtable-Gespräche für Blogger organisiert, herrscht im Bendlerblock die große Social Media-Funkstille. Verstärkt wird die Diskrepanz zwischen den Interessen des Publikums und dem medialen Auftritt der Bundeswehr zudem durch die durchaus erfolgreichen Bestrebungen des Ministermarketings, u.a. auf Facebook (mehr als 27.000 friends sind nicht zu verachten).

Govermedia revisited

Ob die Lektüre eines Buchtipps der ebenfalls von der Bundeswehr betriebenen Initiative “Govermedia” dabei hilft?” Der Titel “Mediengestützte Behördenkommunikation: Verwaltungswirtschaftliches Kommunikations- und Personalkonzept” klingt nicht wirklich inspirierend - und ist vermutlich gerade deshalb zutreffend. In jedem Fall ein weiteres lohnenswertes Diskussionsthema für das Symposium “Journalismus und bürgernahe Kommunikation im digitalen Zeitalter”. Nicht im Hauptprogramm, aber vielleicht finden sich ja ein paar Teilnehmer für ein “An der Bar-Camp”.

Eine Torte für Angie

Donnerstag, Juni 17th, 2010

Ob Karl-Theodor zu Guttenberg weiß, dass Redakteure seiner Akademie für Information und Kommunikation der Kanzlerin eine kleine Torte ins Gesicht werfen?

Wehrpflicht, Transparenz und gesellschaftliche Verankerung der Bundeswehr

Samstag, Juni 12th, 2010

Ich denke über Rücktritt nach. Zu Guttenberg tut es schließlich auch - und das ja nicht zum ersten Mal. Koch und Köhler haben vorgemacht, wie es geht und das Verlustgefühl hält sich in Grenzen. Vielleicht, weil das Publikum sicher sein kann, dass diejenigen, die sie so gut unterhalten haben, früher oder später wieder auf der Bühne des Medientheaters auftauchen werden. So wie Thilo Sarrazin. Dem wirft jetzt sogar die Kanzlerin Verdummung vor, obwohl sie ihm besser empfohlen hätte, seine öffentliche Aufmerksamkeitsdefizitstörung von Experten behandeln zu lassen - und seine wiederholten Rücktrittsgesuche unter Beibehaltung der Geld- und Sachbezüge anzunehmen.

Wobei, so unrecht mit der Verdummung hat Sarrazin ja nicht. Nur, sie wandert nicht ein, sie ist schon längst da. Zumindest scheinen das die Abgeordneten des Bundestages zu glauben, die auf der einen Seite nicht müde werden, zu betonen, das die Wehrpflicht die Bundeswehr in der Gesellschaft verankere, gleichzeitig aber ablehnen, den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan zu evaluieren und regelmäßig darüber zu berichten.

Keine Evaluierung des Afghanistan-Einsatzes: Ein gemeinsamer Antrag von SPD und Bündnis 90/Die Grünen (17/1964) für eine Evaluierung der deutschen Beteiligung an der internationalen Schutztruppe ISAF in Afghanistan und des Engagements für den Wiederaufbau des Landes seit 2001 fand am Freitag, 11. Juni, keine Mehrheit im Bundestag.” (Quelle: Webseite des Bundestages).

Natürlich lag dem Antrag ein leicht durchschaubares Manöver der Opposition zu Grunde. Inhaltlich war er aber zielführend. Eine solche Berichterstattung hätte zu Guttenbergs Transparenzgebot entsprochen und sie hätte - wie vergleichbare Berichte bspw. in Kanada - dazu beitragen können, der Bevölkerung zu vermitteln, was u.a. deutsche Soldatinnen und Soldaten am Hindukusch leisten. Um es noch mal auf den Punkt zu bringen: Die Regierungsparteien wollen das nicht. Sie sollten über Rücktritt nachdenken - oder zumindest darüber, ob es nicht an der Zeit ist, die politische Kultur in Deutschland weiter zu entwickeln. Hin zu weniger Theater und mehr Substanz. Das Publikum wüsste es zu schätzen.

Ich, Oppositionsführer

Donnerstag, Juni 10th, 2010

Manche Blogger haben ja ab und an einen gewissen Hang zur Selbstüberschätzung. Dann glauben sie, Horst Köhler gestürzt und Ursula von der Leyen als Bundespräsidentin verhindert zu haben - oder zumindest einen wesentlichen Beitrag geleistet zu haben. Jetzt wollen Sie Joachim Gauck wählen. Ganz so einfach ist es nicht.

Was aber einfach ist: Blogger sind Menschen sind Medien. Und als solche produzieren sie ab und an eine Headline, einen Text, ein Bild, ein was auch immer, das den aktuellen Diskurs ganz gut auf den Punkt bringt. Dass das, wie bspw. Nico Lumma, nutzen möchten, um wieder Hierarchie zu reproduzieren, statt die Vielfalt zu genießen, zeigt, dass das Internet zwar die Kommunikation und die soziale Praxis durchaus verändert hat und weiter verändert - wir Menschen aber sind aber relativ konstant geblieben. Gut so.

Wo waren wir? Ach ja, Wirkmächtigkeit von Bloggern. Angesichts eines aktuellen Antrages im Bundestag der Fraktionen SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur “Evaluierung der deutschen Beteiligung an ISAF und des deutschen und internationalen Engagements für den Wiederaufbau Afghanistans seit 2001″ könnte ich mich fast wichtig nehmen. Der Antrag wird morgen im Bundestag beraten. Wer allerdings die Laufzeiten politischer Prozesse kennt, weiß, das es länger dauert, bis ein solcher Antrag formuliert und gestellt ist.

Ganz besonders gut weiß das der ehemalige Bundestagsabgeordnete Winfried Nachtwei. Der hatte, gemeinsam mit Jürgen Trittin, bereits im September 2006 (!) einen Brief an die Minister Steinmeier, Jung, Wieczoreck-Zeul und Schäuble gerichtet und dort eine Bilanzierung des Einsatzes gefordert. Lesenswert sind in diesem Zusammenhang Nachtweis Beiträge  zum Friedensgutachten 2010 (hier die erweiterte und aktualisierte Fassung) sowie sein Statement beim 146. Bergedorfer Gesprächskreis der Körber-Stiftung Ende Mai in Berlin.

Einen ersten Schritt in diese Richtung hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung getan. Einem Zwischenbericht aus dem Jahr 2007 folgte im April 2010 ein Abschlußbericht. Warum es diesen nur auf Englisch gibt, und welchen Zeitraum das BMZ mit “demnächst” meint - dann soll laut Pressemitteilung auch eine deutsche Fassung folgen - würde ich gerne wissen.

Ebenso gerne würde ich wissen, warum die SPD das, was sie jetzt fordert, nicht schon längst selbst initiiert hat? Und mich würde interessieren, warum sich der Antrag darauf beschränkt, nur den Bundestag und nicht die Bürgerinnen und Bürger in regelmäßigen Abständen zu unterrichten. So habe ich das mit der Volksvertretung nicht gemeint.

Genau deshalb unterstütze ich zwar diesen Antrag, halte aber auch meine Petition, die Bundesregierung zur Berichterstattung über den Afghanistan-Einsatz zu verpflichten, für ebenso wichtig (zum Mitzeichnen bitte hier entlang). Und das mal ganz ohne Selbstüberschätzung.

Innovations Inkubator ISAF

Freitag, Mai 28th, 2010

Reisen bildet. Dienstreisen offensichtlich auch. Im von General Frank Leidenberger geführten Regional Command North der Afghanistan-Schutztruppe ISAF hat sich jemand entschlossen, eine Facebook-Fanpage einzurichten. (Auch der Blick auf die Bildersammlung lohnt sich).

Angesichts der Tatsache, dass Afghanistan im Global Information Technology Report des World Economic Forums noch nicht einmal vorkommt, kann man gesichert annehmen, dass sich dieses Engagement nur sehr indirekt an die afghanische Bevölkerung wendet. Das Publikum sind also wir. Gut so.

Was ist gut in Afghanistan? - Online-Petition in der Mitzeichnung

Mittwoch, Mai 26th, 2010

“Nichts ist gut in Afghanistan.” Mit dieser Aussage hat die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann Anfang dieses Jahres eine heftige öffentliche Diskussion über den deutschen Afghanistan-Einsatz ausgelöst. Die Debatte fokussierte sich dabei vor allem auf das militärische Engagement. Die Aktivitäten der anderen am Afghanistan-Einsatz beteiligten Ressorts der Bundesregierung blieben unbeachtet.

Heute, knapp fünf Monate und einen auf der Afghanistan-Konferenz in London beschlossenen Strategiewechsel später, ist das Thema Afghanistan wieder von der öffentlichen Agenda verschwunden und taucht vor allem immer dann auf, wenn deutsche Soldaten verwundet oder getötet werden. Es verwundert nicht, dass laut einer aktuellen Allensbach-Umfrage fast die Hälfte der Bundesbürger einen bedingungslosen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan fordert.

Warum das so ist, darüber gibt es verschiedene Meinungen. Auffällig ist jedoch, dass es Bürgerinnen und Bürgern bislang kaum möglich ist, sich aus einer Hand, transparent, einfach und nachvollziehbar über den Einsatz zu informieren - und zwar nicht nur den militärischen sondern insbesondere auch den polizeilichen und zivilen Anteil. Mein Vorschlag: Bevor wir über die Frage diskutieren, ob nichts in Afghanistan gut ist, sollten wir darüber diskutieren, was dort überhaupt ist.

Aus diesem Grund habe ich vor drei Wochen die nachfolgende Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht:

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, die Bundesregierung zu verpflichten, Parlament und Öffentlichkeit vierteljährlich sowohl in öffentlicher Sitzung des Bundestages als auch schriftlich in Form eines Afghanistan-Reports über die Ziele, Erfolge und Misserfolge des deutschen Engagements in Afghanistan zu informieren.

Begründung

Im Anschluss an die Londoner Afghanistan-Konferenz im Januar 2010 hat die Bundesregierung in einem Dokument mit dem Titel “Auf dem Weg zur Übergabe in Verantwortung” konkrete Ziele für das deutsche Engagement in Afghanistan benannt. Angesichts des eingesetzten Personals und Materials, der strategischen Bedeutung des Einsatzes und insbesondere der laut Meinungsumfragen hohen Ablehnung des Einsatzes in der Bevölkerung, besteht ein hohes öffentliches Interesse an einer kontinuierlichen Berichterstattung über und Evaluierung des Engagements. Die vier für den Einsatz federführenden Ministerien - Außenministerium, Verteidigungsministerium, Innenministerium und Entwicklungshilfeministerium - stellen bislang jedoch keine Materialien zur Verfügung, die es insbesondere den Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, sich aus einer Hand, transparent, einfach und nachvollziehbar über den Einsatz zu informieren.

Darüber hinaus wäre eine solche kontinuierliche Information ein wesentliches Instrument, um die Leistungen der deutschen Staatsbürger im Einsatz (Polizisten, Wiederaufbauhelfer, Soldaten) anzuerkennen und zu würdigen, insbesondere da sich die Berichterstattung der Leitmedien vor allem auf negative Ereignisse fokussiert.

Ein mögliches Vorbild für eine entsprechende Information durch die Bundesregierung sind die vierteljährlichen Berichte der kanadischen Regierung unter dem Titel “Canada’s Engagement in Afghanistan - Quarterly Report to Parliament”, die für jedermann über die Webseite der kanadischen Regierung und als Druckschrift verfügbar sind.

Wer die Petition unterstützen möchte, kann das bis zum 8.7.2010 unter folgendem Link tun:

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=11678

Das Besondere: Wenn mehr als 50.000 Menschen die Petition mitzeichnen, wird über sie im Regelfall im Petitionsausschuss öffentlich beraten. Der Petent wird zu dieser Beratung eingeladen und erhält Rederecht.

Die einzige Voraussetzung dafür ist, sich auf der Webseite des Bundestages zu registrieren:
https://epetitionen.bundestag.de/index.php?PHPSESSID=3e14fdb3da3d6aab946c33e626a4e3b5&action=register

Unabhängig davon, wie viele Menschen die Petition mitzeichnen: Das Ergebnis wird ein Zeichen dafür sein, ob wirklich freundliches Desinteresse der Bürgerinnen und Bürger der Grund dafür ist, dass das Thema Afghanistan bislang eher in kleinen Kreisen diskutiert wird. In diesem Sinne freue ich mich über eine weite Verbreitung dieses Appells.

Von Social und Govermedia

Dienstag, Mai 25th, 2010

Ja, ja, ich weiß, Brillenträger schlägt man nicht, und irgendwann muss es auch mal gut sein damit, andere zu hänseln. Aber: Ich bin schwach, ich kann nicht anders. Ich kann den Ball nicht einfach auf dem Elfmeterpunkt liegen lassen, wenn der Torwart gerade auf dem Klo ist. Ich muss ihn reinschießen. Das ist zwar allenfalls einen Kleingewinn an der großen Internet-Aufmerksamkeits-Losbude wert - wenn überhaupt - aber mir fehlt einfach die Zeit und Lust am fragend-entwickelnden, konstruktiv geführten Unterrichtsgespräch.

Wer hier mitliest weiß, die Akademie für Information und Kommunikation der Bundeswehr veranstaltet Ende Juni ein Symposium mit dem klingenden Namen Govermedia. Das ist gut, richtig, wichtig und ein bisschen hellt sich mein kritischer Blick auf das Programm auf, wenn ich sehe, dass nun Anke Domscheit auf dem Abschlusspodium zur Zukunft der Behördenkommunikation mitdiskutieren soll. Auch, dass Michael Rotert eingeladen ist, um am ersten Tag über das Leitmedium Internet zu sprechen, zeigt eine späte Bewegung in die richtige Richtung.

Warum aber diese Bewegung so schwer ist, zeigen exemplarisch zwei Beiträge, welche die AIK nun in dem Bereich ihrer Veranstaltungswebseite veröffentlicht hat, der unter dem Navigationspunkt “Social Media” die Bezeichnung “Blog” zugedacht wurde. Mit Datum vom 17.5.2010 erwartet uns unter der Überschrift “Pressemitteilung” nicht etwa die Pressemitteilung, sondern ein Link auf die Presseseite der Veranstaltung, wo dann die Nachricht zu finden ist, dass die AIK ein Symposium veranstaltet - inklusive eines Links zum Download der Pressemitteilung als PDF. Das klingt nicht nur kompliziert, sondern ist in der Nutzung des Mediums mindestens zwei Lichtjahre von den Themen entfernt, die die professionelle Kommunikationsbranche diskutiert, wie beispielsweise dem Für und Wider so genannter Social Media Newsrooms. Am 18.5.2010 erfolgt der - in der Tat - lohnenswerte Hinweis auf die Märzausgabe der Zeitschrift “Politische Meinung”, die sich mit dem Thema “Politische Kommunikation in der digitalen Gesellschaft” befasst. Allerdings hätte ich mir hier etwas Einordnung und gerne eine Meinung eines Menschen erwartet, zumindest aber auch den Hinweis, dass dies eine Publikation der Konrad Adenauer Stiftung ist. Um es kurz zu machen: Social Media heißt nicht, pflichtschuldig alle verfügbaren Kanäle abzuarbeiten und ihnen einen Menupunkt zuzuweisen. Hier gilt: Wenn man nichts zu sagen hat, einfach weglassen, tut auch nicht weh. Wenn aber Social Media, dann richtig.

Nachrichten finden ihr Publikum

Die gute Nachricht: Nachrichten finden ihr Publikum dennoch. So schrieb mir ein Pressearbeiter der Bundeswehr, dass er über den Bendler-Blog erstmals vom Symposium erfahren habe - ein altbekannter Effekt der unter anderem in dem Satz “Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß” verdichtet wurde. Und vielleicht findet sich gerade hier ein Ansatzpunkt, um dem Publikum der Veranstaltung einen zusätzlichen Mehrwert zu schaffen.

Die konkrete Frage an das werte Publikum dieses Blog lautet daher: Was möchten Sie wissen?

Oben genannter Pressearbeiter würde beispielsweise mehr über das folgende Thema erfahren:

Wie gehen Behörden in den Social Media mit dem Legalitätsproblem um, d.h. wie stelle ich sicher, dass die Statements, die auf Twitter, Facebook usw. gepackt werden, auch rechtlich abgesichert sind, handelt es sich doch immerhin um eine offizielle Stellungnahme von staatlichen Institutionen?

Antworten bitte gerne in den Kommentaren oder per Mail. Ich leite das dann weiter. Vielleicht lassen sich ja so Teilnehmer an spontanen Break-out Sessions in Strausberg finden, die gerne über inhaltliche Fragen diskutieren.

Linkliste Government 2.0

Dem, der sich dagegen für das Selbst- und Fernstudium interessiert, seien einige Links empfohlen, die sich hier in den vergangenen Tagen in den Kommentaren angesammelt haben.

Von Anke Domscheit stammt der Hinweis auf das Government 2.0 Netzwerk Deutschland.

Oben genannter Pressearbeiter der Bundeswehr fand persönlich Govloop hilfreich.

Ich finde die Projekte der Agentur Zebralog im Bereich Teilhabe ganz interessant.

Nicht fehlen dürfen natürlich nicht Netzpolitik.org, politik-digital.de und abgeordnetenwatch.de.

Für den ersten Einstieg sollten diese Seiten und natürlich die Links auf diesen reichen, um zu sehen, wie sich eine vielfältige und blühende Landschaft vor den Augen des interessierten Betrachters entfaltet. Warum das den Kollegen in Strausberg bislang noch nicht so gegangen ist oder wer sie daran gehindert hat, werden wir hoffentlich demnächst diskutieren. Und damit hat das Nachtreten auch ein Ende, denn dafür gibt es eigentlich “Rot”.

Die AIK will sich den Bürgern nähern

Montag, Mai 17th, 2010

Dr. Gottfried Linn, Leiter des Fachbereichs Information an der Akademie für Information und Kommunikation der Bundeswehr, hat mich gebeten, eine Stellungsnahme als Beitrag zur Diskussion um die inhaltliche Ausrichtung des geplanten Symposiums Govermedia einzustellen. Das mache ich doch gerne:

“Lieber Herr Stoltenow,

wir nehmen Ihren Kritikpunkt „Bürgerbeteiligung“  sehr ernst und werden das Programm diesbezüglich ergänzen.  Sie haben recht: reden „mit“ ist immer besser als reden „über“. Allerdings gehen wir davon aus, dass sich „bürgernahe“ Experten ohnehin unter den Teilnehmern befinden und schon von daher die „Vertretung“ bürgernaher Interessen sehr wohl gewährleistet ist. Um Ihre Analogie aufzugreifen: wir wollen eben keine „Kaninchen“ sondern gerne mündige Bürger mit in die Diskussion einbeziehen.

Wie Sie wissen, ist die Erstellung eines umfangreichen Programmes zu einem speziellen Thema kein „Wunschkonzert“ sondern abhängig von zahlreichen Bedingungsfaktoren: Auswahl von Referenten, Verfügbarkeit, Interessen der Veranstalter und der eingeladenen Experten, Zielgruppen, Teilnehmerinteressen,  Planungs- und Organisationskapazitäten des Veranstalters, protokollarische Fragen im Ministerienumfeld, etc. Als Teilnehmer größerer Veranstaltungen ist Ihnen dies vermutlich vertraut.

Wie ich Ihnen schon in einem persönlichen Gespräch mitteilte, haben wir nach unserer Auffassung einen „erlebenswerten“, guten Kompromiss gefunden der eine, für alle Beteiligten sehr interessante Veranstaltung erwarten lässt. Gerade die Ausführungen unserer zahlreichen Expertinnen erwarten wir mit besonderem Interesse.

Sie haben, wie andere Experten auch, eine persönliche Einladung erhalten. Wir freuen uns sehr auf ein Treffen an der AIK.

Herzlichen Gruß

Dr. Gottfried Linn”

Ich bleibe gespannt und interessiert.