Filmhandwerk

Angesichts der aufgeregte Diskussion über ein schnell und billig produziertes Werbefilmchen der Bundeswehr ist ein Aspekt bislang nur wenig thematisiert worden: Professionelle Anforderungen an das Handwerk der Medienproduktion. Zum Vergleich ein aktueller Werbefilm der US Army:

Was diesen Film auszeichnet ist eine klare Storyline, handwerklich perfekt erzählt. Was er ausblendet ist die Einsatzrealität. Das ist erlaubt, denn es ist Werbung. Aber der Film steht in einem Gesamtkontext der Kommunikation der US-amerikanischen Streitkräte, die diese Realität bewusst zeigt und mit dieser Medialisierung des Militärischen sowohl Anerkennung für soldatische Leistungen transportiert, als auch eine kritische Diskussion über den Einsatz des Militärs möglich macht.

Und ja, das kostet Geld, das kostet Mühe, und es verlangt als Fundament eine Kommunikationsstrategie, die nicht beim ersten lauen Lüftchen zusammenbricht.

8 Gedanken zu “Filmhandwerk

  1. Hier hilft vielleicht ein Hinweis zum Geschäftsmodell des Preises (und fast aller anderen Preise der Branche): Mit der Veröffentlichung auf der Shortlist werden 3.200€ fällig (öffentliche Auftraggeber 1.980€). Ähnlich wie das World Media Festival, bei dem bwtv auch schon einen Preis gekauft, äh, gewonnen hat, ist das bei 108 Shortlist-Nennungen durchfinanzierte Eitelkeit. Ist das ein Qualitätsausweis?

    Davon abgesehen sieht der YouTube-Kanal wirklich gut aus, Y ist ein gutes Magazin. Allerdings ist die inhaltliche Qualität dessen, was die IMZBw so liefert nicht wirklich überzeugend. Da ist noch viel Luft nach oben, denn die wirklich guten Filmbeiträge sind Ausreißer.

  2. es ist nicht so ganz einfach mit herrn stoltenow….
    da gewinnt die imzbw zwei auszeichnungen des econ award (youtube kanal der bw GOLD und Y magazin der bw SILBER).
    auch wenn man gern wettbewerbskritik anwenden kann – alle unterliegen den gleichen kriterien herr stoltenow! und wer dann gewinnt – der ist der beste!
    als alter info-hopper (infoops offz und fallschirmspringer mit über 200 sprüngen), dann sollte man zumindest respekt sollen (ich weiß doch, sie würden alles anders machen…).
    sodann – der yt kanal hat seit dem 2.8.2010 !!! über 20.000 abonnenten, zuletzt befeuert durch die video diskussion (info ops trick???), mehr als alle anderen militärkanäle der welt.
    glückwunsch – auch wenn´s weh tut, herr stoltenow (wie war das mit dem cutter im 2. lehrjahr und so weiter…)
    in alter kameradschaftlicher verbundenheit!

  3. @sipo: Wenn es einfach wäre, könnte es ja jeder 😉

    Und den Kanal sowie das Magazin habe ich bereits gelobt. Die Kritik richtet sich nicht gegen den Wettbewerb, denn quasi alle Branchenwettbewerbe funktionieren nach dieser Kick-Back-Logik. Allerdings gilt es auch hier, genau hinzuschauen, und der Beste beim Econ-Award sagt nichts über die maximal mögliche Qualität aus.

    Das Magazin Y hat enorm gewonnen, seit es durch KircherBurkhardt produziert wird. Dennoch ist es nicht dort, wo es sein könnte, was vor allem am Auftraggeber liegt.

    Der YouTube-Kanal ist in der Tat herausragend erfolgreich, umso mehr täte die Bundeswehr gut daran, dieses Potential zu nutzen und sowohl eine überzeugende Programmstruktur als auch ansprechende Formate zu entwickeln, die inhaltlich gut sind. Denn zu Recht hebt die Jubel-Perser-Begründung der Econ-Jury (http://www.econ-awards.de/index.php/109985?entry_id=33883) die Moderationsleistung der Betreuer hervor. Zu Recht, denn was dort an Kommentaren aufschlägt, ist eine echte Herausforderung. Und hatte ich schon erwähnt, dass der YouTube-Kanal in der Kategorie „Social Media-Aktivitäten“ ausgezeichnet wurde und nicht für überragende redaktionelle Qualität?

  4. langsam finden wir eine gemeinsame gesprächsbasis.

    wann haben sie eigentlich zuletzt mit den machern mal an einem tisch gesessen? müßte eine interessante veranstaltung werden: bmvg pr-/infostab, aik, kircherburghardt, imzbw, …

    dann könnten mal die konzepte sowie die technischen und sonstigen rahmenbedingungen gegen einander gewogen werden – beidseitiges lernen.

    nun ja, nicht meine baustelle. aber nur alle zwei jahre bei der tagung „govermedia“ zusammen zukommen erscheint nicht ausreichend…

  5. @sipo: Ich bin überzeugt, dass alle, die redlich für eine professionelle Kommunikationsarbeit streiten, eine gemeinsame Basis haben. Das große Powwow, das Sie oben ansprechen, wird, so meine Einschätzung ohne mich stattfinden (was nicht an mir liegt). Da ich aber den Damen und Herren immer mal wieder in anderen Kontexten begegne und darüber hinaus durch die Arbeit im Blog in den Diskurs interveniere, bin ich überzeugt, dass sich Vieles zum Besseren wendet. Die Annahme, dass ich dadurch dazu einen Beitrag leiste, stützt sich unter anderem darauf, dass bestimmte Themen und Forderungen mittlerweile in der Praxis umgesetzt werden. Und falls Sie sich fragen, ob ich auch konstruktiv bin, fragen Sie am besten mal bei den Machern der Govermedia nach 😉

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