Fortschrittsberichte

13.12.2010 – Acht Jahre nach Beginn des deutschen Afghanistan-Einsatzes legt die Bundesregierung ihren ersten Fortschrittsbericht vor. (Zum Herunterladen bei REGIERUNGOnline bitte hier klicken)

Eine inhaltliche Bewertung braucht etwas mehr Zeit, weil dazu auch unbedingt die Stellungnahmen von Winfried Nachtwei zum Stand der zivilen Krisenprävention zu lesen sind. (Hier das Wortprotokoll der Anhörung im Bundetag sowie hier seine Stellungnahmefür den Auswärtigen Ausschuß).

Formal bemerkenswert ist, dass sich die Bundesregierung ausdrücklich auf das Engagments Nachtweis bezieht: „Der Fortschrittsbericht der Bundesregierung zur Lage in Afghanistan dient der Unterrichtung des Deutschen Bundestags. Dort wurde (durch Nachtwei, Anm. des Bendler-Blogs) die Forderung erhoben, eine umfassende Bestandsaufnahme des deutschen Engagements vorzunehmen.“

Ein Verweis auf einen ähnlich gelagerten Antrag der Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen dagegen fehlt ebenso wie der auf eine entsprechende durch mich initiierte und von 782 Bürgerinnen und Bürgern mitgezeichnete Petition.

Letzteres ist verständlich, ersteres eine Frechheit.

Eine Frage des Herzens

Die Wiedereinführung des Gefühligen in die Politik betreibt dagegen der Verteidigungsminister. Dass er seine Frau mit zum Truppenbesuch nach Afghanistan nimmt, begrüße ich. Sehr. Nicht aber, dass sie dabei die Rolle der obersten Krankenpflegerin und Beichtschwester spielen will. „Stephanie zu Guttenberg will während des Aufenthaltes in Afghanistan ein Feldlazarett besuchen und sich vor allem mit deutschen Soldatinnen austauschen“, sagt laut Stern das Verteidigungsministerium. Und dass die Hamburger-Qualitätsjournalisten den Quatsch mit Soße, der ihnen da präsentiert wird, mit „Afghanistan-Besuch als „Frage des Herzens“ übertiteln, zeigt, dass das Blatt seine Rolle als Bravo für Ältere konsequent spielt. Wann kommt der Guttenberg-Starschnitt?

Ach, dafür ist ja die BILD zuständig, die Frau von Guttenberg zur mutigsten Frau Deutschlands erklärt. Angst um die Frisur braucht sie jedenfalls nicht zu haben. Die sitzt, wie man hier sehen kann. Und nur damit wir uns nicht falsch verstehen. Das ist keine Kritik am Menschenfischer und seiner Frau, sondern eine knallharte Beschimpfung des Publikums, dass sich diesen Kitsch verkaufen lässt.

Wo werden Helden geboren? In Afghanistan oder bei Wetten Dass?

So abwegig die Frage auch scheint, sie ist es nicht. Während ganz Deutschland Anteil am Schicksal eines jungen Mannes nimmt, der aus Ruhm- und Abenteuerlust der Nation zeigen wollte, was man als Bürger mit der am Hindukusch gut verteidigten Freiheit so alles anfangen kann, haben es die Verteidiger dieser Freiheit nicht immer leicht, wenn sie in die Heimat zurückkehren. Wer sich darüber genauer informieren will, findet Informationen unter anderem beim neu gegründeten Bund Deutscher Veteranen. So seltsam und aus der Zeit gefallen dieser Name auch klingt, der Verband und einige seiner Mitgliedsvereine haben bislang durch gründliche Arbeit überzeugt, und dabei insbesondere – ganz ohne Wikileaks – enthüllt, wie die deutsche Wehrverwaltung mit im Einsatz verwundeten Soldaten umgeht.

Im Unterschied zur deutschen Militärbürokratie ist das ZDF, als öffentlich-rechtlicher Sender ja ebenfalls im Staatsauftrag tätig, etwas schneller. Dem verunfallten Samuel Koch wurde nicht nur deutlich mehr Aufmerksamkeit für sein tragisches Schicksal zu Teil, sondern auch eine schnelle, unbürokratische beträchtliche Soforthilfe. Das sei ihm mehr als gegönnt, aber können wir uns darauf einigen, dies in Zukunft auch bei Soldatinnen und Soldaten so zu handhaben?

Und sonst? Ist nicht viel passiert.

2 Gedanken zu “Fortschrittsberichte

  1. Danke für den tollen Bericht !!!

    Ich warte seit 7 Jahren nach einem überlebten Anschlag auf eine vernünftige Entschädigung der WBV-West.

    hab ich mal im Netz gefunden….und das passt hier rein…

    Im Wehrdienstbeschädigungverfahren ist es nicht anders. Für Sanitätsamt der Bundeswehr und Wehrdienstverwaltung ist der „Geschädigte“ nichts anderes als jemand, der sich am Staat bereichern will. Der Dienstherr belohnt Loyalität in dem er zum Gegner mutiert. Wissentlich einseitige Gutachten werden begrüßt. Bei fehlenden Argumenten wird sich hinter Burokratie versteckt. Soldatische Werte sind nur noch naiv. Kein Wunder, dass dieses zu „Innerer Kündigung“ und Loyalitätskonfliketen führt. Das grenzt an Zersetzung von Innen heraus.

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