Warum?

„Warum zum Beispiel bedankt sich ein deutscher Offizier bei seinem Geiselnehmer in einer öffentlichen Pressekonferenz?“, fragt laut Spiegel der CSU-Politiker Peter Gauweiler, und legt nach „Der ganze Vorgang macht auch für die Bundeswehr einen unguten Eindruck.“ Ja, Herr Gauweiler, was wäre denn Ihre Antwort auf diese Frage?

Überhaupt. Fragen. Ja, Fragen sind ein mächtiges Kommunikationsmittel. Und insbesondere wenn es um den Einsatz von Militär geht, kann es meines Erachtens nich zu viele Fragen geben. Wenn ich mir aber vergegenwärtige, mit welchem Unterton und Gestus beispielsweise Claus Kleber und Günther Jauch die Verteidigungsministerien zum Einsatz der OSZE-Beobachter befragen, dann frage ich mich, ob sie an der Sachen bzw. den Menschen, die betroffen sind, interessiert sind, oder doch nur an sich selbst. Und ich frage mich, warum?

Der ganze Vorgang macht auch für Berufspolitiker und Journalisten einen unguten Eindruck.

11 Gedanken zu “Warum?

  1. Ich fand gestern Jauch auch extrem peinlich. Die Sendung war auch sehr komisch. Nur bei vdL wurde geklatscht, dagegen bei Antworten von Marina Weisband oder dem SPD und ARD-Menschen nicht. Und Gauweiler kann echt gestohlen bleiben.

    Möchte den mal sehen, wie der in der Situation in der die OSZE-Beobachter waren, reagieren würde.. Meinen Respekt und Hochachtung haben die OSZE-Beobachter auf jeden Fall.

  2. Die Anforderungen an das Soldatenbild wurden anscheinend bis in den Keller abgesenkt.

    Jetzt stellen wir uns mal blöd und vor, deutsche Offiziere werden 1870 von französischen Franktireurs gefangen, und vor die französische Presse gebracht, um sie bloßzustellen. Hätten die sich auch bedankt? Und wenn nein, warum nicht?

    Hat das eventuell mit Selbstachtung und Stolz zu tun? Mit Ehre und Würde?

    Diese Offiziere waren mit Kenntnis der amtierenden Kiewer Regierung unterwegs und wurden von regierungsunfreundlichen Kräften abgefangen und zu Gast geladen. Was für ein Weichei muß man sein, um sich bei seinen Entführern zu bedanken?

    Aber das Problem haben viele westliche Armeen, da fehlen die Grundwerte. Als irgendwann britische Soldaten von den Iranern festgesetzt worden waren, darunter eine Frau, konnten die auch nicht genug für die Gastfreundschaft danken. Und als bei der Invasion in den Irak eine amerikanische Nachschubkolonne zerschlagen wurde und Gefangene eingebracht wurden, auch wieder Frauen darunter, lobten die den Feind in den höchsten Tönen.

    Die Zeit des Soldatentums ist offenbar vorbei. Nur noch Karrieristen und Feindeversteher.

  3. Entschuldigung, aber ich finde das Geschwätz von Peter Gauweiler, “Warum zum Beispiel bedankt sich ein deutscher Offizier bei seinem Geiselnehmer in einer öffentlichen Pressekonferenz?” und Kommentatoren, die in diesem Zusammenhang von einem „Weichei“ sprechen unerträglich.

    In einer Geiselsituation ist Stolz ein falscher Freund – er verkürzt das Leben unnötig. Nicht dem Stolz gilt in diesen Momenten die Aufmerksamkeit, sondern einzig und allein dem Überleben der Soldaten, für die man Verantwortung trägt.

    • @ JgdOffz

      Kommt, wie immer, darauf an.

      Aus Sicht des einzelnen, betroffenen Soldaten: d’accord. Der will ja wieder heim. Wobei die Frage wäre, ob er, wenn sich eine Chance zum Ausbruch böte, diese nutzen sollte oder sich lieber der Gnade des Lagerchefs unterwerfen. An dem Verhalten in dieser Lage können wir erkennen, ob noch Tapferkeit (d. i. Gefahren, die sich aus der treuen Diensterfüllung ergeben, ertragen und dennoch weiterkämpfen) oder nurmehr blanker Überlebenswille das entscheidende Motiv ist.

      Aus Sicht des großen Ganzen wäre u. U. auch eine trotzige Haltung denkbar. Weil das Opfer die anderen draußen zu neuem Anlauf treibt, grimmiger und kompromißloser als zuvor. Beispiele bewundernswürdiger Opferbereitschaft finden wir aber in postheroischen Armeen nurmehr selten, so weit ist @Karl Eduard zuzustimmen. Das gilt nicht nur im Extremfall einer Gefangenschaft, sondern bereits im Friedensdienst, wenn es darum geht, offenbar unklugen Entscheidungen der politischen Führung mutig das anderslautende militärische Urteil entgegenzusetzen, im vollen Bewußtsein der wahrscheinlichen Konsequenzen für die weitere Karriere. Ich behaupte: Das heroische Beispiel zweier oder dreier ranghoher Soldaten, die in kurzer Folge, ohne des Schicksals des Vorgängers zu achten, sich in diesem Sinne einsetzen, reichte hin, die Reihen so zu schließen, daß bewährte Strafmaßnahmen nicht mehr greifen.

      Dasselbe gilt übrigens auch für die Presse. Solange jeder im ersten Aufschrei sich von seiner wohlbegründeten Position distanziert oder ein Mißverständnis einräumt, solange funktioniert das Spiel der Skandalisierung. Würden aber einmal zwei oder drei dem Gekeife standhalten, verlöre der Skandal seinen Reiz. Denn es geht ja praktisch nie um die Sache selbst, sondern immer nur um die sich darbietende Möglichkeit, dem sich Exponierenden einen Schlag auf’s Haupt zu geben. Wir unterschätzen die Kraft der Gewöhnung: Dreimal dem Skandal mit Gleichgültigkeit getrotzt, und hinfort wird es keinen mehr geben.

      • > Aus Sicht des großen Ganzen wäre u. U. auch eine trotzige Haltung denkbar.

        Wirklich? Mit welchem Ziel?

        Eine Gefangenschaft ist eben keine Live-Sendung; der Geiselnehmer kontrolliert letztlich welche Bilder an die Öffentlichkeit kommen. Die Beispiele kurzzeitiger „bewundernswerter Opferbereitschaft“ wird also niemand mitbekommen, während auf der anderen Seite die Möglichkeiten einen Menschen zu brechen extrem vielfältig sind.

        Wer auch vor diesem Hintergrund irgendetwas anderes fordert als Verantwortung gegenüber den Menschen in einer solchen Notsituation, der handelt schlicht undurchdacht und menschenverachtend.

        Und auch sonst ist der Zusammenhalt in Sachen Bundeswehr doch für die Katz. Würde andernlands ein Politiker versuchen aus einer solchen Notlage Kapital zu schlagen hätte die Pitchfork Brigade der Milblogger und Verbände recht schnell einen veritablen Shitstorm organisiert. In Deutschland reicht die trotzige Gleichgültigkeit gerademal zum Salbadern über „Weicheier“ und „Opferbereitschaft“, aber nicht mal für eine OpInfo Fäkalventilation, digital, anonymisiert. Vermutlich fehlt dazu noch eine ZDV der Abteilung Informations- und Computernetzwerkoperationen, eine Rechtsbelehrung durch die Rechtsabteilung des BMVg, eine Abwägung des Zentrums für Innere Führung und der obligatorische Artikel der Clausewitzgesellschaft, etwa „60 Jahre Bundeswehr: Die Neuausrichtung der Meinungsäußerung im Internet – warum Clausewitz auch heute noch relevant ist“.

        Von daher Danke an Herrn Stoltenow, dass wenigstens einer versucht etwas Kameradschaft zu zeigen und ein wenig Gegenöffentlichkeit anzustossen.

        • @JR

          Ja, post production ist doof. Da hatte es bspw. G. Dimitrow noch leichter. Wäre aber mal ein Auftrag für die PsyOps-Leute, Taktiken zu entwickeln und zu vermitteln, wie man in solchen Lagen fdl. Propagandaversuche sabotieren kann, und zwar so subtil, daß es aussieht wie Kooperation.

          Die empfohlene, aber schmerzlich vermißte OpInfo, vulgo: shit storm, wirkt durch Masse. Die aber, wie ich andeutete, nicht vorhanden ist. Deshalb mein Vorschlag, daß sich einige Schwergewichte bewegen. Im übrigen ist bloße Ruf nach solchen Aktionen ebenso Salbaderei.

          Ich kannte mal einen J. R., der mir immer Vorbild an soldatischer Souveränität und Standfestigkeit bleiben wird. Leider hatte er einen kleinen Fehler: Er liebte seine Frau zu sehr. Das ist natürlich menschlich ein sehr feiner Zug. Aber man kann eben nur einem Herren dienen. Diensteid und Eheversprechen sind gleichrangige Schwüre. Man wird einen brechen müssen, wenn es dazu kommt, das verpfändete Leib und Leben einzusetzen. Dessen, aber, sollte man sich von Beginn an bewußt sein. Officium und offertorium haben nicht umsonst dieselbe Wurzel.

          • Sehe grad, daß mein J.R. unterdessen seine Traumverwendung erreicht hat. Wünsche ihm maximalen Wirkungsgrad und stabile RVD.

  4. Geiselsituation?

    Diese Leute sind offenbar in Kriegsgefangenschaft geraten. Sie wurden Gefangene einer Bürgerkriegspartei, weil sie im Interesse der Kiewer Putschistenregierung unterwegs waren.

    Als Offizier sollte man wissen, wie man sich in Gefangenschaft zu verhalten hat. Stattdessen werden für jämmerliches Verhalten Ausreden gesucht. Das spricht Bände.

    Man hätte sich dem verweigern können. Vielleicht wäre man vor die Kamera gezerrt worden. Um vorgeführt zu werden. Nun aber auch noch den Mund aufmachen und zu erzählen, man wäre zu Gast, das ist jämmerlich.

    • Haben die Leute denn gar nicht geahnt, dass sie auch mal zwischen die Fronten geraten könnten? Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie es ist, in Gefangenschaft zu geraten und bin sehr froh, dass die Jungs wieder gut zurück sind. Aber ein Dank ist nun wirklich das falsche Signal.

      Die ganze Sache passt einfach zu gut in die neue duckmäuserische deutsche Außenpolitik. Wann folgt der Dank für das abgeschossene Zivilflugzeug…?

      • Der Verfall unserer Werte und Prinzipien ist im vollen Gange. Weder in der Ukraine noch im Irak/Syrien ist die Politik willens, unsere Interessen zu verteidigen. Das einzige, was wir senden, sind Beobachter, die sich gefangen nehmen lassen und dann auch noch den Geiselnehmern Danke sagen. Gute Nacht.

  5. Zu der Thematik kann ich nur sagen, dass es den Soldaten sogar beigebracht wird, sich positiv über seinen „Hausherren“ zu äußern.
    Vielleicht sollte sich der Herr Gauweiler mal einen CSAR Lehrgang oder Combat Survival Course (Schlussteil) oder auch nur mal die Geiselhaftausbildung für Einsätze ansehen.
    Kann manchen Politikern nicht schaden….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.