ZRedInfoABw

Ich neige mein Haupt in Demut vor den Kommunikationsgenies im Bendler-Block. Immer wenn man glaubt, es ginge nicht absurder, schaffen sie es, noch eine Schippe drauf zu legen. Thomas Wiegold hat heute die Antworten auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion zur Neuausrichtung der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr veröffentlicht. Dieser können wir nicht nur entnehmen, dass die Bundeswehr mit der Informations- und Medienzentrale über „eine hochspezifische Sonderinfrastruktur (z.B. Fernsehstudios, Radiostudios, Pressekonferenzsaal), für die es zu großen Teilen seit längerem und auch zukünftig keinen begründeten Bedarf mehr gibt“, sondern auch, dass die Bundeswehr für 153.400 Euro eine nichttechnische Studie beauftragt hat, um die adäquate technische Ausstattung für die ZRedInfoABw (Zentralredaktion der Informationsarbeit der Bundeswehr) zu ermitteln und – jetzt kommt es – „eine über die Bundeswehr hinaus fachlich anerkannte Ausbildung für Videojournalisten zu konzipieren.“

Wer jetzt ein Pfeifen im Ohr hat oder ungläubig den Kopf schüttelt, bzw. diesen gerade auf die Tischkante schlägt: You are not alone.

Die „AG Schmalfilmfreunde Bendler-Block“ (Küppersbusch in Tagesschaum), die unter anderem über Jahre ein genau darauf ausgerichtetes Instrument – die Einsatzkameratrupps – am lange Arm fast verhungern ließ und keinerlei Qualität zuließ, will sich als Ausbilder gerieren? Echt jetzt. Geht sterben. Haltet die Klappe.

 

13 Gedanken zu “ZRedInfoABw

    • Gutes Geschäft. Die ems lässt sich von der Bundeswehr dafür bezahlen, dass sie ihre Lehrpläne kopiert oder aber Lehrpläne erstellt, auf deren Basis sie wiederum kommerzielle Programme anbietet.

  1. Videojournalisten ?! Die Medienfachleute der Medienzentrale in Sankt Augustin haben vor solchen Konzepten immer gewarnt. Kein öffentlich-rechtliche Sender (SWR,WDR,DW usw.), setzt heute noch auf Videojournalismus als tragendes Konzept. Es war immer nur als Ergänzung gedacht. – In der Vergangenheit gab es immer wieder Vorstöße aus den Verwaltungen der Sender – also von Menschen die überhaupt nicht wissen wie Programmgestaltung funktioniert – mit dem Mittel des Videojournalismus Kosten zu senken. Alle diese Vorstöße sind (zum Glück) gescheitert. An der Realität. Die Bundeswehr möchte offenbar diese Fehler nochmals machen dürfen. Ist ja auch egal – Geld spielt keine Rolle. Zumindest dann, wenn man auf Beraterfirmen setzt, die im Zweifel dem Auftraggeber „nach dem Munde“ redet….

    • Sascha hat es bei den EKT selbst erlebt. VJs sind nicht per se Unsinn. Sie müssen nur bedarfsgerecht ausgebildet, ausgestattet und dann auch entsprechend eingesetzt werden. Es hat lange gedauert, dass auch Verantwortlichen in öffentlich-rechtlichen Sendern klar zu machen. Denn bei aller Liebe: Die großen Fernsehteams mit Ton- und Lichtassistenten, Redakteuren und Kameraleuten sind auch nur in bestimmten Situationen sinnvoll. Die Diskussion bei den Sendern nährt sich manches Mal aus ideologischen (und auch gewerkschaftlichen) Argumenten.

    • Die Beantwortung der Fragen der SPD ist ja mehr als “grottig”.

      Beispiel: Frage 2
      Warum muss die Stationierung der Zentralredaktion der Bw (ZRedBw) zwingend am 2. Dienstsitz des BMVg in Berlin erfolgen

      Antwort:

      Sinngemäß – weil wir (die ZRedBw) das so wollen. Das Konzept wurde doch ausschließlich von der ZRed selbst entwickelt. Auf jeden Fall nicht von der Informations- und Medienzentrale in Sankt Augustin. Wurde da nicht eine teure Studie in Auftrag gegeben (EMS) ? Hat nicht diese Firma selbst es als zweckmässig erachtet, das Medienhaus in Sankt Augustin doch NICHT zu schließen, weil dies die Bundeswehr billiger käme?

      Fragen über Fragen.

      Fakt ist durch die politisch gewollte Zerschlagung dieser Einrichtung entstehen massig Probleme und Kosten, deren Höhe in Berlin offenbar noch keiner beziffern will oder kann. Nutzen? Kaum. Eine technisch mögliche Vernetzung des Benderblocks mit Stankt Augustin wäre die billigste und für alle Betroffenen beste Lösung. Aber das war ja politisch nicht gewollt. Der Steuerzahler zahlt wieder mal die Zeche.

      Beispiel Frage 3

      Warum kann unter den Aspekten der Funktionalität und Wirtschaftlichkeit keine Aufgabenkonzentration am bestehenden und über ausreichend Kapazitäten verfügbare Standort St. Augustin erfolgen?

      Antwort:

      Begründung: Bislang “getrennte Fähigkeiten” würden dadurch zusammengeführt. (!?)

      Das ist ja der Hammer! Die Zusammenführung war mit der IMZBw in St. Augustin bereits umgesetzt. Die zersplitterte Medienarbeit der Bundeswehr sollte in den 1990-er Jahren beendet werden. Fakt ist: Man hat in den letzten 10 Jahren heimlich, still und leise angefangen, die IMZBw zu zerschlagen, indem man dort vorhandene Fähigkeiten EINZELN herauslöste und nach Berlin verlagert hat. Wie bei der Beantwortung der Fragen offen zugegeben wird, auch schon unter Verteidigungsminister Jung (CDU). Y-Redaktion, Intranet, Medienausbild usw. Nur an die AV-Produktion hat man sich nicht herangetraut, weil dies eben in Berlin teure Investionen bedarf und man dies ja hätte nicht begründen können, denn in St:Augustin bei Bonn hat die Bundeswehr ja bereits die notwendige Infrastruktur. Ein Schildbürgerstreich von langer Hand geplant und für den Steuerzahler ein teurer Spass.

  2. Truppen, die Medien machen. Dazu die Journalismusausbildung an der Uni in München …. Es kommt doch alles wieder …

  3. Und das ist wohl noch nicht das Ende der Fahnenstange. Es werden wohl noch ein bis zwei neue Studien in Auftrag gegeben. Der evtl. Auftragnehmer ist diesmal etwas weiter im Süden Deutschlands zu finden.

    Die Ergebnisse der bisherigen Studien waren wohl nicht so zufriedenstellend. Könnte natürlich an den Vorgaben des Auftraggebers gelegen haben.

    Man möchte wohl Öffentlich-rechtlichen-Standard mit VJs (vorzugsweise militärisch) erreichen. Darüber hinaus möglichst günstig und ohne wirkliche Produktionserfahrung in der Planungs- und Führungsebene.
    Erinnert an die Quadratur des Kreises.

    Entweder man bleibt beratungsresistent oder man vergibt weiterhin lustig Aufträge. Solange bis man jemanden gefunden hat, der einem das gewünschte verspricht. Egal ob es möglich ist oder nicht.

  4. Die geistigen Erbauer der Informations- und Medienzentrale (noch unter Verteidigungsminister Stoltenberg und grotesker Weise CDU), werden sich im „Grabe herumdrehen“. Der letzte der das Potential der IMZBw in Sankt Augustin erkannt hat, war der ehemalige Generalinspekteur Schneiderhan, der ja leider unter m.E. fadenscheinigen Gründen seinen Hut nehmen musste.

  5. Wie gut informierte Kreise berichten, wurden auch bereits sehr konstruktive Angebote die Medienzentrale der Bundeswehr als Produktionsstätte von diversen öffentlich-rechtlichen Sendern, bzw. als Medienausbildungseinrichtung des Bundes zu nutzen, von ministerieller Seite ignoriert. Was dann wiederum den Schluss zulassen würde, man boykottiert seitens der Politik ganz bewusst Lösungen, die diese Einrichtung sinnvoll und kostengünstig nutzen würde, um somit die Perspektiven für die betroffenen zivilen Fachkräfte zu verhindern.

  6. MdB Kelber lässt nicht locker und stellt zum Thema Medienzentrale der Bundeswehr unangenehme Fragen, wie der Bonner Generalanzeiger heute schreibt, bezichtigt Kelber das Verteidigungsministerium der Lügen was die Vergeudung von Steuermitteln und den zukünftigen Finanzbedarf teuerer Pläne zur Errichtung von neuen Medieneinrichtungen bei Berlin betrifft. Außerdem seien bereits Millionen unnötig in den Sand gesetzt worden. Link: http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/rhein-sieg-kreis/sankt-augustin/SPD-fuehlt-sich-bei-den-Umzugsplaenen-von-der-Bundesregierung-falsch-informiert-article1140298.html

  7. Propaganda bezeichnet einen absichtlichen und systematischen Versuch, Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zum Zwecke der Erzeugung einer vom Propagandisten erwünschten Reaktion zu steuern.[1] Der Begriff „Propaganda“ wird vor allem in politischen Zusammenhängen benutzt; in wirtschaftlichen spricht man eher von „Werbung“, in religiösen von „Missionierung“. Quelle: Wikipedia

    Ha ha passt doch alles ganz gut zum größten Arbeitgeber Deutschlands. Wer dort mehr als 4 Jahre gedient hat sollte das verinnerlichen können.
    Missionierung sehe ich hier auch in der Gleichschaltung von Soldaten bei Pressekontakt. Die bunten Werbefilmchen mit Kindern beim Abenteur campen kann man dann auch getrost als Nachwuchs-Werbung betrachten. Somit hätten wir ja alles. Bleibt nur noch zu klären ob der Dienstposten dann wirklich Propaganda- Feldwebel oder Offizier heißt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.