Wehrpflicht, Transparenz und gesellschaftliche Verankerung der Bundeswehr

Ich denke über Rücktritt nach. Zu Guttenberg tut es schließlich auch – und das ja nicht zum ersten Mal. Koch und Köhler haben vorgemacht, wie es geht und das Verlustgefühl hält sich in Grenzen. Vielleicht, weil das Publikum sicher sein kann, dass diejenigen, die sie so gut unterhalten haben, früher oder später wieder auf der Bühne des Medientheaters auftauchen werden. So wie Thilo Sarrazin. Dem wirft jetzt sogar die Kanzlerin Verdummung vor, obwohl sie ihm besser empfohlen hätte, seine öffentliche Aufmerksamkeitsdefizitstörung von Experten behandeln zu lassen – und seine wiederholten Rücktrittsgesuche unter Beibehaltung der Geld- und Sachbezüge anzunehmen.

Wobei, so unrecht mit der Verdummung hat Sarrazin ja nicht. Nur, sie wandert nicht ein, sie ist schon längst da. Zumindest scheinen das die Abgeordneten des Bundestages zu glauben, die auf der einen Seite nicht müde werden, zu betonen, das die Wehrpflicht die Bundeswehr in der Gesellschaft verankere, gleichzeitig aber ablehnen, den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan zu evaluieren und regelmäßig darüber zu berichten.

Keine Evaluierung des Afghanistan-Einsatzes: Ein gemeinsamer Antrag von SPD und Bündnis 90/Die Grünen (17/1964) für eine Evaluierung der deutschen Beteiligung an der internationalen Schutztruppe ISAF in Afghanistan und des Engagements für den Wiederaufbau des Landes seit 2001 fand am Freitag, 11. Juni, keine Mehrheit im Bundestag.“ (Quelle: Webseite des Bundestages).

Natürlich lag dem Antrag ein leicht durchschaubares Manöver der Opposition zu Grunde. Inhaltlich war er aber zielführend. Eine solche Berichterstattung hätte zu Guttenbergs Transparenzgebot entsprochen und sie hätte – wie vergleichbare Berichte bspw. in Kanada – dazu beitragen können, der Bevölkerung zu vermitteln, was u.a. deutsche Soldatinnen und Soldaten am Hindukusch leisten. Um es noch mal auf den Punkt zu bringen: Die Regierungsparteien wollen das nicht. Sie sollten über Rücktritt nachdenken – oder zumindest darüber, ob es nicht an der Zeit ist, die politische Kultur in Deutschland weiter zu entwickeln. Hin zu weniger Theater und mehr Substanz. Das Publikum wüsste es zu schätzen.

3 Gedanken zu “Wehrpflicht, Transparenz und gesellschaftliche Verankerung der Bundeswehr

  1. Sehr geehrtes Ministerialamt,
    sehr geehrter Herr Gutenberg,

    nach meiner Meinung repräsentiert die Wehrpflicht einen geschichtliche Hintergrund deutscher Militärgeschichte und sichert durch Wehrpflichtige fluktuativ Demokrtie und Diskursvielfalt i. d. BW. Ein Berufsheer neigt dazu Staat im Staate zu sein.

    Mit freundlichen Grüßen
    E. Malcke

  2. Guten Abend Herr Malcke,

    das ist eine legitime Meinung. Die Behauptung im letzten Satz wäre mit einer Begründung (im Idealfall auf Fakten basierend) aber wesentlich besser platziert.

    Mit späten Grüßen
    Christoph Engelhardt

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