Abschiedsgruß des Wehrbeauftragten an die Medienmacher der Bundeswehr

Da zitieren wir gerne (fast) kommentarlos aus dem aktuellen Jahresbericht des Wehrbeauftragten. Einzige Anmerkung: Das Konzept bzw. zielführende Vorschläge gibt es. Ich weiß auch, wer sie geschrieben hat (und vermute es sind seit 2005 noch viele ebenso ziehlführende Vorschläge hinzugekommen). Warum sie nicht umgesetzt wurden und werden, muss das Ministerium beantworten.

Medien der Bundeswehr

Medien sind für eine moderne Informationsgesellschaft von existentieller Bedeutung. Kein gesellschaftlicher Pro
zess funktioniert mehr ohne Wissensaustausch und Kommunikation. Auch die Soldatinnen und Soldaten nutzen die inzwischen internationalisierten, vielfältigen Angebote regelmäßig. Neben den klassischen Massenmedien nehmen mehr denn je auch die so genannten Neuen Medien einen breiten Raum in der täglichen Lebensgestaltung ein.

Bei meinen Besuchen in der Truppe fällt mir immer wieder auf, dass die heutige Soldatengeneration eine sehr gut informierte, aber auch sehr kritisch reflektierende ist. Jeder Soldat hat in der Regel die Möglichkeit, aus einer nahezu unbegrenzten Zahl unterschiedlichster Medienangebote das für ihn Interessante, Informative oder Unterhaltende auszuwählen. Die Bundeswehr verfügt mit ihren eigenen Medien über große Möglichkeiten, eine zusätzliche Alternative zu bieten.

Die besondere Chance dieser bundeswehreigenen Medienorgane besteht darin, die speziellen bundeswehrspezifischen Themen so aufzubereiten, dass sie für die Soldatinnen und Soldaten eine zusätzliche wertvolle Informationsquelle darstellen. Wegen fehlender unabhängiger Leseranalysen gibt es nach meiner Kenntnis bislang aber leider keine belastbaren Bewertungen der einzelnen bundeswehreigenen Medienorgane. Aus meinen Gesprächen mit Soldaten aus den unterschiedlichen Ebenen kann ich jedoch die Erkenntnis ziehen, dass die Printmedien der Bundeswehr nicht unbedingt für jeden attraktive Publikationen darstellen. Was aus meiner Sicht zu kurz kommt, ist die intensive Auseinandersetzung mit originären Themen der Inneren Führung.

Vor dem Hintergrund der allgemeinen Bedeutung der Bundeswehrmedien betrachte ich die Entwicklung des Bundeswehr-Fernsehens (bwtv), besser gesagt dessen Stagnation in der Entwicklung, mit Skepsis und Sorge. Wie ich bereits in früheren Berichten angemerkt habe, fehlt ein belastbares und innovatives Konzept für das Bundeswehr-Fernsehen. Andere Armeen beweisen, was streitkräfteeigene Fernsehsender leisten können. Auf die Möglichkeiten für die Vermittlung von speziellen Informationen und Themen der Inneren Führung habe ich ebenfalls immer wieder hingewiesen.

Kooperationsmöglichkeiten mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen und dem Parlamentsfernsehen liegen auf der Hand. Darüber hinaus gibt es Optimierungsmöglichkeiten und Potential für Effizienzsteigerungen. Seit mehreren Jahren gibt es bedauerlicherweise keine Fortschritte bei der Weiterentwicklung des Bundeswehr-Fernsehens. Eine vom Bundesrechnungshof empfohlene Wirtschaftlichkeitsuntersuchung befindet sich nach Aussage des Verteidigungsministeriums bis heute in der Bearbeitung. Voraussichtlich sei auch im Jahre 2010 nicht mit einem Ergebnis zu rechnen. Das Bundeswehr-Fernsehen sollte auf jeden Fall als wertvolle Chance für die Truppenbetreuung in den Heimatstandorten, insbesondere aber auch in den Auslandseinsätzen verstanden werden.

Aus vielen meiner Besuche in den Einsatzgebieten weiß ich, dass beispielsweise das von Soldaten gestaltete Hörfunkprogramm des Truppenbetreuungssenders „Radio Andernach“ sehr gut angenommen wird. Mit eigenen Redaktionen in den Einsatz-Gebieten in Bosnien, dem Kosovo und in Afghanistan, einer Zentrale in Mayen und in Zusammenarbeit mit den öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern wird den Soldaten im Ausland über UKW eine ausgewogene Mischung aus Unterhaltung und Information geboten. Dieses Hörfunkprogramm ist meiner Ansicht
nach ein gutes Beispiel einer gelungen Truppenbetreuung. Leider hat der Sender sein Internetradio aus rundfunkrechtlichen Gründen einstellen müssen, so dass Soldaten außerhalb der Sendegebiete im Ausland nur noch einzelne Beiträge abrufen können.

Im Berichtsjahr begegneten mir wieder viele hoch motivierte, kompetente und engagierte Redakteure, die bereit sind, das Optimum aus ihrer Arbeit herauszuholen. Erneut hörte ich von ihnen jedoch Klagen hinsichtlich der Presse- und Informationsarbeit der Bundeswehr. So sei beispielsweise das Zusammenwirken mit einigen Presse- und Informationszentren mitunter recht schwierig und unkooperativ. Andererseits beklagten aber auch gestandene Presseoffiziere, dass die Pressepolitik deutlich rigider gehandhabt werde als dies früher der Fall war und ihre Spielräume vor Ort immer kleiner würden. Zudem fühlten sich einige Presseoffiziere auch nicht gut genug ausgebildet, überfordert oder klagten über personell unterbesetzte Informationszentren.

Redakteure der Bundeswehrmedien sagten mir auch, dass ihnen daran gelegen sei, dass ihren Gesprächspartnern – häufig Mannschaften, Unteroffiziere und Feldwebel – aus deren Aussagen und Berichten über ihre Situation keine Probleme entstehen. Dies sei jedoch zunehmend schwierig, auch weil teilweise Kommandeure versuchten, Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen und es für die Bundeswehr keine festgeschriebenen Grundlinien der Pressearbeit gäbe. An dieser Stelle sehe ich durchaus Handlungsbedarf.

Natürlich sind die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr mündige Bürger. Dennoch sind sie in ein System von Befehl und Gehorsam eingebunden, dessen Strukturen ihnen auch mit Blick auf die Presse- und Informationsarbeit
Handlungssicherheit ermöglichen sollten. Die Bundeswehr hat ein großes Potential an engagierten, klugen Medienschaffenden. Sie sind meiner festen Überzeugung nach in der Lage, reflektiert und fair aus der Truppe heraus zu berichten. Sie müssen aber auch die Möglichkeit erhalten, Probleme zu kommunizieren und Diskussionen anzuregen. Die Themen, die die Bundeswehr originär betreffen, sind bei den eigenen Medien im Zweifel immer noch am besten aufgehoben.

2 Gedanken zu “Abschiedsgruß des Wehrbeauftragten an die Medienmacher der Bundeswehr

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