Wer kommuniziert, führt

Welche Möglichkeiten für den professionellen Medieneinsatz in Ministerien bestehen zeigt derzeit das Auswärtige Amt (AA). Mit Unterstützung von Deutsche Welle TV hat das Ministerium eine rund 12 Minuten lange Dokumentation über das Engagement Deutschlands in Afghanistan produziert. Im Unterschied zu Produktionen der Bundeswehr überzeugt der Film – trotz einiger etwas pathetischer und vordergründiger Momente ( Wasser, Kinder und Hunde gehen immer) durch eine klare inhaltliche Struktur und professionelle Gestaltung. Konkrete Beispiele statt Behauptungen, klare Aussagen und Menschen, die ihre Geschichten erzählen – also alles, was professionelles Fernsehen ausmacht (und bei Bundeswehrproduktionen so selten zu finden ist). Das ist besonders deshalb so interessant, weil die Bundeswehr auch im Film des AA eine zentrale Rolle spielt. Weil die Bundeswehrführung offensichtlich weder willens noch in der Lage ist, ihre Geschichte zu erzählen, erzählen eben andere diese Geschichte. Frei nach dem Motto „Wer nicht handelt, wird behandelt“ findet das Primat der Politik hier gewissermaßen seine kommunikative Entsprechung.

Selbstverständlich ist auch dieser Film Regierungs-PR und kein Journalismus im eigentlichen Sinne (und die Deutsche Welle auch kein völlig unabhängiger Sender). Durch den Einsatz journalistischer Mittel gelingt es dem Auswärtigen Amt jedoch durch den Einsatz journalistischer Mittel eine Führungsrolle einzunehmen. Im gleichen Maße disqualifiziert sich die Bundeswehr durch ihr Nichthandeln als professioneller Ansprechpartner für ihre Anspruchsgruppen (neudeutsch: Stakeholder) – angefangen bei den eigenen Soldatinnen und Soldaten bis hin zu den Medien. Es sollte niemanden verwundern, wenn diese auch in künftigen kritischen Situationen sich nicht mehr an die militärische sondern an andere Ansprechpartner wenden werden. Führung ist etwas anderes.

2 Gedanken zu “Wer kommuniziert, führt

  1. auch wenn ich das mit den bw-filmen nicht ganz so krass sehe. in der tendenz geb ich dem autor durchaus recht…die ansprache sog. anspruchsgruppen erfolgt seitens der bw nur in wenigen fällen. ein grund mehr, pr-material extern produzieren zu lassen.

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