Die Gretchenfrage für den Offizier

Heute morgen bekam ich über eine Netzwerkplattform den Link zur aktuellen Ausgabe des Hochschulkuriers der Universität der Bundeswehr München zugeschickt. Als ich das PDF kusorisch scannte – moderne Leserinnen und Leser heißen nur noch so, tun es aber immer weniger – blieb ich an der folgenden Bildunterschrift hängen:

„Vor dem neuen Studierendenjahrgang liegt der wichtigste und längste Abschnitt der Offiziersausbildung“

Screenshot Hochschulkurier

Trotz nunmehr 10 Jahren ziviler Berufstätigkeit, warf mein Hirn eine Fehlermeldung aus, und ich dachte mit einer kleinen lästerlichen Statusmeldung auf Facebook, wäre dem Thema Genüge getan. Das ist es nicht, wie der ein oder andere Kommentar nahelegt. Wer das Thema Ausbildung der Offiziere Ernst nimmt, kann es nicht bei Lästereien belassen, er muss erklären, was ihn an dieser Bewertung irritiert. Damit ist, und dass macht es besonders, fast zwingend verbunden, sich selbst zu erklären. Die Bildunterschrift und der zugehörige Artikel haben ein faustisches Moment.

„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“

Herausgeberin des Hochschulkuriers und Stichwortgeberin für die Bildunterschrift ist die Präsidentin der Universität der Bundeswehr München, Prof. Merith Niehuss, die, so der Artikel anlässlich der Begrüßung des neuen Studierendenjahrgangs „(…) in ihrer Begrüßungsrede (betonte), dass vor den Studierenden nun der wichtigste und längste Abschnitt ihrer Offizierausbildung liege“.

Diese Bewertung ist mit Blick auf die Länge der Ausbildung so richtig, wie sie hinsichtlich der Bedeutung falsch, ja gefährlich ist.

Der Offizier der Bundeswehr ist Führer, Erzieher und Ausbilder der ihm unterstellten Soldaten. Im Frieden, wie im Einsatz. Und der Offizier ist ein Krieger, Kämpfer, Kombattant. Die wichtigste Ausbildung des Offiziers kann daher nur die sein, die ihn befähigt, sich selbst und die ihm anvertrauten Soldaten im Kampf zu führen. Denn an der Fähigkeit, dies zu tun, hängen Fragen von Leben und Tod.

Dass die Präsidentin einer Universität, zu deren Selbstverständnis es gehört, die Wirklichkeit wissenschaftlich kritisch zu reflektieren, Offizieranwärter mit diesen Worten begrüßt, wird weder dem selbst gestellten Anspruch der Universität noch dem Berufsziel der jungen Soldaten gerecht. Es ist dringend geboten, über soldatische Identität in der modernen Gesellschaft im Allgemeinen und die Rollen des Offiziers im Besonderen zu diskutieren, und welcher Ort böte dazu einen besseren Rahmen als eine Universität der Bundeswehr?

Einige Impulse dazu habe ich versucht, bei der Podiumsdiskussion „Den Krieg erklären? – Kommunikationsmanagement und Sicherheitspolitik“ zu geben, zu der Natascha Zowislo-Grünewald, Professorin für Unternehmskommunikation, eingeladen hatte.Außerdem habe ich mich am Rande der Veranstaltung mit Martin Böcker, dem Chefredakteur der Campus, der Zeitung des studentischen Konvents, zu einem Gespräch verabredet, das genau um diese Themen kreist und hier im PDF nachzulesen ist.

118 Gedanken zu “Die Gretchenfrage für den Offizier

  1. Zu diesem Artikel kann ich nur mein volles Einverständnis geben, das Studium ist ganz nett, aber den militärischen Führer auf Kompanieebene, insbesondere in der Kampftruppe, machen seine Erfahrung und Fähigkeit in der Führung und seine Befähigung, ein Beispiel zu geben aus. Daher habe ich damals bewusst auf das Studium verzichtet.

  2. „Es ist dringend geboten, über soldatische Identität in der modernen Gesellschaft im Allgemeinen und die Rollen des Offiziers im Besonderen zu diskutieren, und welcher Ort böte dazu einen besseren Rahmen als eine Universität der Bundeswehr?“

    Fr. Niehuss wäre für eine solche Diskussion eindeutig die falsche Ansprechpartnerin, und eine von ihr geleitete Universität der falsche Ort. Ginge es nach ihr, gäbe es den „Campus“ als Forum kritischer Diskussion nicht mehr, und die soldatische Karriere seiner couragierten Macher wäre beendet. Leider ist dieser Vorfall kein Einzelfall, was militärische Diskussion an deutschen Universitäten angeht, siehe z.B. den Umgang mit Prof. van Creveld an der Uni Trier. Wer über „soldatische Identität“ ausgerechnet an diesbezüglich durch Intoleranz, Engstirnigkeit, autoritäre Gesinnung und ideologische Borniertheit auffallenden deutschen Universitäten diskutieren will, hat sich großes vorgenommen und daher meinen uneingeschränkten Respekt.

  3. @Delta: Ich stelle mir eine Diskussion u.a. mit der Präsidentin und den Kommandeuren der Offizierschulen und Führunhsakademie vor. Mal sehen.

  4. Ich muss in Grunde der Präsidentin voll und ganz recht geben. Zum einen ist das Studium für Truppenoffiziere der gewollte Regelfall und damit sehr wohl Bestandteil der Offizierausbildung, wenn auch vielleicht nicht im engeren Sinne. Zum anderen kann ich gerade für mich persönlich fest stellen, dass das Studium der Teil meiner Ausbildung ist, der mich am meisten geprägt hat, sowohl charakterlich als auch in Bezug auf meine Fähig- und Fertigkeit – und nicht zuletzt mein Selbstbild. Natürlich kann und soll im Studium die Fähigkeit \“zu führen\“ nicht vermittelt werden – das wird aber in den anderen Teilen der Ausbildung auch nicht wirklich gemacht, meiner Meinung nach allein schon deswegen, weil das über ein paar Grundsätze nicht in Lehrgangsform zu vermitteln ist sondern nur aus der Erfahrung und Charakterzügen erwächst. Kurzum: Aus meiner Sicht ist gerade das Studium der bestimmende Teil der Offizierausbildung.

  5. @Sascha Stoltenow:
    Wie entsteht soldatische Identität denn? Seit Gründung der Bundeswehr scheint es doch einen Konflikt zwischen zeitlosen Aspekten des Soldatentums und dem zu geben, was seitens der politischen Führung an Identitätsvorstellungen vorgegeben wird. Aktuell wird dieser Konflikt in Behauptungen von politischer Seite sichtbar, dass die Anforderungen an Soldaten angeblich immer ziviler würden und Soldatentum daher eher eine Form von Diplomatie oder Entwicklungshilfe sei, während Soldaten v.a. bis zur Ebene Hauptmann häufig ganz andere Impulse aus dem Einsatz mitbringen. Gerade in Afghanistan wurde nach meinem Eindruck zeitlose soldatische Identität von Soldaten wieder neu entdeckt, sei es durch die Erfahrung des Gefechts oder durch den Kontakt mit NATO-Verbündeten, deren Armeen sich weniger weit von soldatischer Identität entfernt haben als die Bundeswehr.
    Eine Diskussion über soldatische Identität sollte man daher m.E. mit Soldaten führen, die entsprechende Erfahrung mitbringen und nicht durch diverse formelle und informelle Auflagen in dem gehemmt werden, was sie sagen dürfen. Hier würde man Dinge zu hören bekommen, bei denen ein Herr Arnold vermutlich ohnmächtig würde. Interessante Ergänzungen könnte ich mir von Personen vorstellen, die sich fundiert mit den zeitlosen Aspekten soldatischer Identität auseindergesetzt haben (etwa van Creveld), sowie von kritischer Reflektion der antimilitärischen deutschen Gegenwartskultur (interessante Ausführung dazu gibt es z.B. seitens des Philosophen Klonovsky, der gerade ein Buch zum Thema Heldentum herausgegeben hat).
    Eine Diskussion mit der Uni-Präsidentin und Verteidigungsbeamten stelle ich mir langweilig vor, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen. Meine Prognose: Die Präsidentin wird angebliche zivilistische Erfordernisse an die Identität des Soldaten beschwören, und die Verteidigungsbeamten werden ihr in weniger ideologisch gefärbter Sprache beipflichten und InFü-Dokumente zitieren, die das seit langem genauso sehen. Der Vielleicht noch mit dem vorsichtigen Hinweis darauf, dass der Soldat ab und zu vielleicht auch ein bißchen kämpfen müsse und daher potentielles Traumatisierungsopfer sei, für das man Mitleid empfinden müsse. Der Konsens aller sich anständig fühlenden Menschen wird zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt sein, und die Beiträge werden so harmlos sein, dass man sie auf jedem evangelischen Kirchentag vorlesen könnte, ohne zu provozieren. Man verzeihe meinen Sarkasmus, aber so oder so ähnlich liefen ähnliche Diskussionen bislang aus meiner Erfahrung ab.

  6. @Delta: Mal sehen, was wird. Wenn ich mich 2007 von allem, was unabänderlich schien, hätte vom Bloggen abhalten lassen, gäbe es das heute nicht.

  7. Sehr geehrter Herr Stoltenow,

    Ihre Hinweise (Interview in Campus, Ausgabe 2/11) zur Kommunikation sicherheitspolitischer Fragen sind höchstaktuell und nur zu unterstreichen.

    Dagegen kann Ihre im Campus-Interview ausgesprochene Empfehlung, Missstände innerhalb der Streitkräfte aus der Anonymität heraus an die Öffentlichkeit zu bringen, nur im Einzelfall noch akzeptabel sein. Darüber hinaus aber sollte mit „offenem Visier“ aufgetreten werden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Anonymität dem berechtigten Anliegen oft sehr schadet. Darüber hinaus würden im Offizierkorps damit fragwürdige Verhaltensweisen gefördert.

    In diesem Sinne äußert sich ja in der Campus-Ausgabe auch Professor van Crefeld:
    Campus: „Herr van Creveld, dem Offizierkorps der Bundeswehr wird nachgesagt, keinen besonderen Korpsgeist zu haben. Trifft diese Aussage zu, wenn man ihn mit den Offizierkorps befreundeter Nationen vergleicht, z.B. den USA oder Israel?“
    Prof. van Crefeld: “Soweit ich das überblicken kann, ist die Antwort „Ja“, daran besteht kein Zweifel. Im Gegensatz zu US-amerikanischen oder israelischen Offizieren wirken die der Bundeswehr wie Lakaien.“

    Ein sehr hartes Urteil, das Herr van Crefeld da fällt. Es mag heute zutreffen. Bis aber in die siebziger Jahre hinein besaß das Offizierkorps der Bundeswehr, insbesondere die Generalität, noch die Kraft, der „Baudissinierung“ wirksam Paroli zu bieten. Die Namen Grashey und Schnez mögen dafür stehen. Danach ging’s bergab. Nur wirkte sich das im „Kalten Krieg“ nicht aus. Jetzt aber stehen wir vor einer Wende. Innerhalb des jüngeren, nunmehr kampferfahrenen Offizierkorps gärt es. Die Zeit des „Staatsbürger(s) in Uniform“ ist vorbei. Man ist nicht mehr bereit, für ein Leitbild zu stehen, das von der Wirklichkeit überholt ist und das mit der gesellschaftlichen Realität nichts mehr zu tun hat. Weder die überwiegend pazifistisch eingestellten „Staatsbürger und StaatsbürgerInnen“ dieses Landes noch die heutigen „Krieger“, identifizieren sich mit einem „Leitbild“, das schon lange nicht mehr trägt.

  8. @Politikverdruss: Ich bevorzuge auch das offene Visier, verstehe aber jeden, der sich „langeangepasst“ verhält, um die Lage ggf. zu verändern. Und welches Leitbild trägt, ist zu diskutieren. Dabei teile ich aus vielerlei Gründen aber nicht van Crefelds.

  9. @sascha_stoltenow: Fromal zunächst einmal das Aufgabengebiet, die Uniform und ein paar juristische Feinheiten – bspw., dass der Offizier unter gewissen Umständen erschossen werden darf…

    Eine moderne Armee (wie die moderne Welt allgemein) lebt von Spezialisierung. Und in modernen Armeen bedeutet dies für viele Tätigkeitsbereiche (Dienstteilbereiche, Verwendungsreihen,… wie auch immer die jeweilige TSK das nun nennt), dass ein fachlich-wissenschaftlicher Hintergrund nicht nur hilfreich sondern zwingend erforderlich ist. Bspw. ist ein LfzTO Eurofighter ohne entsprechendes technisches Studium nicht sinnvoll denkbar, egal, ob er nun im Verband oder in der Systementwicklung eingesetzt wird. Und für diesen nicht geringen Anteil des Offizierkorps ist das Studium sehr wohl der entscheidende Baustein der Offizierausbildung. Und ja, in diesem Zusammenhang sehe ich auch den Dienst in der Infanterie als Spezialisierung – die zugegebenermaßen nicht unbedingt ein Studium voraussetzt. Und damit ist der Infanteriezugführer eben nicht das Idealbild eines Offiziers, an dem sich das Offizierkorps auszurichten hat.
    Mir ist durchaus bewusst, dass in den unterschiedlichen TSKs unterschiedliche Offizierbilder gepflegt und abweichende Anforderungsprofile verlangt werden. Dies ist nicht nur historisch gewachsen sondern begründet sich auch in unterschiedlichen Erfordernissen und ist somit erstmal wertfrei zu betrachten. Dementsprechend ist aber die Aussage, dass die Aussage der Präsidentin im allgemeinen falsch ist, falsch.

    Das in weiten Teilen der Gesellschaft und der Politik der eigentliche Daseinszweck von Streitkräften gerne verdrängt wird, steht genau so auf einem anderen Blatt, wie dass in der Bw einiges reformiert werden sollte. Dazu gehört wiederum aber sicher nicht der „Staatsbürger in Uniform“ – was ist denn bitte die Alternative dazu?! Eine Kriegerelite, die sich von Politik und Gesellschaft abgrenzt?!
    Mir fallen da eher Begriffe wie Wehrverwaltung und Laufbahnrecht ein – was sich sicherlich auch sehr stark auf Berufszufriedenheit und Selbstbild des Offizierkorps auswirken dürfte.

  10. Das Leitbild vom „Staatsbürger in Uniform“ ist überholt. Die Zeit ist darüber hinweggegangen. So z.B. durch Aussetzung der Wehrpflicht.

    Die Vorschrift „Innere Führung“ der Bundeswehr gibt dazu vor: „In der Bundesrepublik Deutschland tragen alle Bürgerinnen und Bürger Verantwortung für ihr Gemeinwesen. Die allgemeine Wehrpflicht ist ein besonderer Ausdruck dieser Verantwortung.“

    Die Aussetzung der Wehrpflicht entbindet nun aber „die Staatsbürger“ von der Verantwortung, auch als Soldat für ihr Gemeinwesen einzustehen. Das übernehmen jetzt Zeit-und Berufssoldaten. Und für die soll das alte Leitbild vom Staatsbürger in Uniform gelten? Kaum denkbar. Das mochte ja in Zeiten der Wehrpflicht noch zutreffen, auch wenn die „Idee, ein geborener Verteidiger seines Land“ zu sein, doch längst ausgehöhlt war.

    Kann nun dieses Leitbild aber weiter für eine Berufsarmee gelten, auch wenn man sie aus euphemistischen Gründen als „Freiwilligenarmee“ bezeichnet. Wohl kaum. Die, wenn man den Umfragen glaubt, überwiegend pazifistisch eingestellten Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland lassen sich da nicht weiter vereinnahmen. Und die zukünftigen Soldaten des Landes? Werden die sich nach einem Leitbild ausrichten, das doch mehr einem Trugbild gleicht. Sicherlich nicht! Die Streitkräfte sollten die neue Berufsarmee nicht auf einem Leitbild aufbauen, das mit der gesellschaftlichen Realität nichts mehr zu tun hat.

    Vielleicht wäre dies ein erster ehrlicher Schritt auf dem schwierigen Weg, zukünftig Soldaten zu gewinnen, die für ein Land kämpfen wollen, das eigentlich keine Soldaten mehr will.

  11. Die Frage der Ausbildung ist immer abhängig von der zukünftigen Aufgabe des Auszubildenden. Betrachtet man die Aufgaben des Offiziers, dann stehen unabhängig vom Kriegsbild folgenden Aufgaben im Vordergrund:

    1.Herausbildung strategischen Könnens, um die politischen Kriegsziele zu erreichen.

    2. Herausbildung operativen Könnens. Die Operationsführung beherrschen heißt, den Krieg zu beherrschen und den strategischen Erfolg zu sichern.

    3.Herausbildung taktischen Könnens. Dadurch gewinnt man Gefechte und stellt das Erreichen operativer Ziele sicher.

    Nun lässt sich trefflich darüber streiten, was alles zu den Ausbildungsinhalten von Offizieren gehören mag, die im o.a. Sinne auszubilden sind. Ein Studium mag dazugehören und vieles mehr. Auch für den Infanterieoffizier. Ob das Studium dabei den wichtigsten Ausbildungsabschnitt darstellt, ist zu bezweifeln.

    Die Schlussfolgerung allerdings, dass ein Infanterieoffizier kein Studium benötige und deshalb nicht zum „Idealbild“ tauge, „an dem sich das Offizierkorps auszurichten habe“, ist unsinnig.

  12. @Politikverdruss
    „Ein sehr hartes Urteil, das Herr van Crefeld da fällt. Es mag heute zutreffen. Bis aber in die siebziger Jahre hinein besaß das Offizierkorps der Bundeswehr, insbesondere die Generalität, noch die Kraft, der „Baudissinierung“ wirksam Paroli zu bieten. Die Namen Grashey und Schnez mögen dafür stehen. Danach ging’s bergab.“
    Sosehr ich Ihre Analyse über den schleichenden Verfall des dt. Offizierskorps in Fragen des „Rückrats“ unterstütze und gleichzeitig diesen Verfall bedauere, sosehr muß ich Ihnen in folgender Frage widersprechen:
    „Das Leitbild vom „Staatsbürger in Uniform“ ist überholt. Die Zeit ist darüber hinweggegangen.“

    Warum sollte das so sein? Sicherlich gibt es eine Denkschule, die unter dem Staatsbürger in Uniform einen „verweichlichten“ und „zivilisierten“ Lakaien wünscht, aber dass muß doch nicht so sein!

    Wir als deutsche Offiziere können dies doch auch anders definieren. Der Staatsbürger in Uniform kann doch auch als „Bürger-Krieger“ in römisch-griechischer Tradition gesehen werden und dann ist da aus meiner Sicht höchste Aktualität gegeben und dann wäre das Konzept auch heute noch äußerst „zeitgemäß“, oder?

  13. Ein Leitbild, das Orientierung gibt und in schwierigen Lagen Kraft und Motivation freisetzt, ist keine Frage der Definition. Staatsbürger in Uniform in Verbindung mit Landesverteidigung und Wehrpflicht ergaben ein noch stimmiges Bild. Nur stimmen diese drei Eckpfeiler des Leitbildes noch? Nein! Die Wehrpflicht ist ausgesetzt. Die Notwendigkeit zur Landesverteidigung ist gegenwärtig unwahrscheinlich und ist jetzt „weltweiten“ Einsätzen gewichen. Und die Staatsbürger selbst wollen nicht mehr als Soldat für das Gemeinwesen einstehen und schaffen deshalb diese bisherige Pflicht ab.

    Schauen Sie sich den Afghanistan-Einsatz an. Die Gesellschaft lehnt ihn ab und Politik betreibt ihn „halbherzig“ weiter, mehr oder weniger aus Gründen der Bündnissolidarität. Und in dieser „unübersichtlichen Gemengelage“ steht der Soldat. Woraus schöpft er die Kraft für eine Aufgabe, die von seinen Mitbürgern und von weiten Teilen der Politik abgelehnt wird? Aus einem Leitbild, mit zerfallener Substanz? Gewiss nicht.

  14. „Und in dieser „unübersichtlichen Gemengelage“ steht der Soldat. Woraus schöpft er die Kraft für eine Aufgabe, die von seinen Mitbürgern und von weiten Teilen der Politik abgelehnt wird? Aus einem Leitbild, mit zerfallener Substanz? Gewiss nicht.“

    Ich sehe die Substanz des Leitbildes aber nicht zerfallend. Warum denn auch?!

    Ganz egal ob mit Wehrpflicht oder ohne, der Staatsbürger in Uniform hat doch nichts mehr dem Status des Soldaten zu tun. Gerade darum ging es doch in diesem Konzept!

    Das spannende hieran ist doch gerade, dass auch ein Berufssoldat sich nicht entscheiden muß ob ENTWEDER „ziviler Bürger“ ODER „Soldat“, sondern dass es ganz natürlich ist, dass er Bürger UND Soldat ist.

    Noch deutlicher wird dies doch in der Frage nach dem Grund für den Dienst des Soldaten, denn der Staatsbürger in Uniform leistet seinen Dienst nicht unter Zwang oder wegen des Geldes, sondern weil er von den Werten unseres Staates zutiefst überzeugt ist und bereit ist hierfür und für das Vaterland sein Leben einzusetzen.

    Gerade so betrachtet ist das Leitbild ohne Wehrpflicht sogar noch viel tragfähiger…

  15. @Politikverdruss:
    „Die Schlussfolgerung allerdings, dass ein Infanterieoffizier kein Studium benötige und deshalb nicht zum „Idealbild“ tauge, „an dem sich das Offizierkorps auszurichten habe“, ist unsinnig.“
    Da haben Sie mich falsch verstanden. Da die Infanterieoffizier nur eine von vielen Spezialierung innerhalb des Kontinuums der militärischen Tätigkeitsbereiche ist, kann er kaum das Idealbild, dem alle Offiziere zu entsprechen haben, vorgeben.

    Und zu Ihrer Aufzählung: Im Grunde sind diese Aufgaben vollkommen richtig, gelten aber in der Form nur für Offiziere, die im vorrangig FGG 3 eingesetzt werden – was bei weitem nicht für alle zutrifft. Außerdem differenziert sich das Feld zwischen den TSKs bei „Opertion“ und „Taktik“ weiter aus, taktik ist nämlich eben nicht so eindeutig definiert, wie es im Heer gelehrt wird; Taktik in der Lw ist etwas vollkommen anderes und vor allem spezielles in Bezug auf den Tätigkeitsbereich (bspw. Taktik für fliegende Besetzungen, Einsatzführungpersonal und FlaRak-Personal).
    Außerdem möchte ich nochmal herausstellen, dass ich explizit von Ausbildungsteil spreche – Erfahrung in Führung und fachklicher Tätigkeit kommen in jedem Fall hinzu und sicherlich gewichtiger als alle (lehrgangsgebundene) Ausbildung zusammen.

    Zum „Staatsbürger in Uniform“: Hier scheint mir, dass wir hier mit unterschiedlichen Verständnissen des Begriffs und somit aneinander vorbei diskutieren. Die Umschreibung „Bürger UND Soldat“ von Koffer empfinde ich als recht treffend – und in dieser Bedeutung ist dies (mindestens) so aktuell wie zu den Gründungszeiten der Bw. Und warum die Aussetzung der Wehrpflicht dieses Prinzips obsolet werden läßt, erschließt sich mir nicht. Auch hier bin ich voll bei Koffer.

    Das eigentliche Problem für den sicherheitspolitischen Diskurs in DEU besteht doch eigentlich darin, dass keine (groß-)strategischen Ziele gesetzt und auch diskutiert werden. Dass die Bevölkerung den Sinn eines nicht erklärten Einsetzes nicht sieht ist danach mehr als verständlich.

  16. @all: Herzlichen Dank für die engagierte Diskussion, aus der ich viele Impulse nach dem Urlaub gerne aufnehmen werde.

  17. Die Argumentation ist nicht schlüssig. Weiter oben habe ich doch ihre Vorschrift zitiert und wiederhole es deshalb noch einmal. Die Vorschrift „Innere Führung“ der Bundeswehr gibt vor: „In der Bundesrepublik Deutschland tragen alle Bürgerinnen und Bürger Verantwortung für ihr Gemeinwesen. Die allgemeine Wehrpflicht ist ein besonderer Ausdruck dieser Verantwortung.“

    Nun gibt es die Wehrpflicht nicht mehr und es ist zu fragen, was denn an die Stelle des „besonderen Ausdrucks“ getreten ist. Und Sie argumentieren, es sei weiterhin der Staatsbürger, der nunmehr nicht wegen des Geldes, sondern sogar freiwillig, aus Überzeugung zu den „Fahnen“ eile.

    Ich kann diese Freiwilligkeit nicht erkennen. Sie reicht augenscheinlich noch nicht einmal, um die jetzt verkleinerte Armee mit ausreichend Personal auszustatten. Nicht umsonst fordert der Bundeswehrverband ständig eine Schärfung der Attraktivitätsprogramme. Und manche sprechen in puncto Qualität schon von einer „Prekariatsarmee“. Deshalb ist es doch Augenwischerei, jetzt so zu tun, als implementiere sich das bisherige Leitbild nun geradezu.

    Nein, was sie jetzt benötigen, ist ein Soldat, der zu „weltweiten Einsätzen“ bereit ist, aus einer Gesellschaft heraus, die dies ablehnt und von einer Politik gesteuert, die diesen Kriegsbeteiligungen oft nur aus bündnissolidarischen Gründen zustimmt. Was könnte das für ein Soldat sein? Es könnte z.B. ein Soldat sein, der sich der völkerrechtlichen „Schutzverantwortung“ stellt. Ein miles protektor oder gar bellicus.

    Die Innere Führung mit ihrem zentralen Leitbild stammt aus den fünfziger Jahren, einer Zeit, in der die Territorialverteidigung im Vordergrund stand. Die Zeit war von der atomaren Bedrohung gekennzeichnet. Kriegsverhinderung und erfolgreiche Abschreckung waren zentrale Ziele.

    Die heutige Lage wird davon bestimmt, dass der Krieg „zurückgekehrt“ ist. Folgerichtig wird die Bundeswehr zur Einsatzarmee umgebaut. Dazu brauchen sie einen Soldaten, der sich diesen Aufgaben in einer pazifistischen Gesellschaft stellt. Dazu ist ein „geistiger Überbau“ erforderlich, der es den Soldaten ermöglicht, eine kriegerische Aufgabe zu erfüllen, die an der „Heimatfront“ auf große Ablehnung stößt.

    Die Innere Führung hat sich bewährt. Das mag wohl richtig sein, darf aber nicht dazu führen, dass man sich neuen Anforderungen verschließt.

  18. @Offizier,
    ich empfehle Ihnen, den Ausgangspunkt Ihrer Überlegungen neu zu justieren. Der Führungsberuf des Offiziers wird vom „Krieg“ bestimmt. Und wenn es in einer Armee noch so viele Soldaten gibt, deren Tätigkeit technisch orientiert ist, so bleibt doch die zentrale berufliche Ausrichtung auf den Krieg. Auch die technokratische Aufschlüsselung nach Führungsgrundgebieten hilft nun gar nicht weiter. Im Heer kann man unabhängig von seiner Verwendungsreihe in Kommandeur also-Führungsverwendungen eingesetzt werden. Auf die Nachteile will ich gar nicht eingehen.

    Entscheidend ist die Ausrichtung auf den Krieg. Taktik kann daher auch in der Luftwaffe nur dazu dienen, operative Ziele zu erreichen. Ein Gutes haben die weltpolitischen Veränderungen seit den neunziger Jahren. Sie haben In vielen Bereichen Klarheit gebracht. So auch im Verhältnis zum Krieg.

    Herr von Baudissin konnte die Streitkräfte in den sechziger Jahren noch als „ notwendiges Übel“ bezeichnen. Geht das heute noch, unabhängig davon, dass es schon damals eine schlimme Entgleisung war? In einer Zeit, in der die Politik eine „wertegebundene Außenpolitik“ betreiben will und in der sich völkerrechtlich die „Schutzverantwortung“ herausgebildet hat, um den „Schlächtern“ dieser Welt in den Arm zu fallen. Baudissins Gedankenwelt passt nicht mehr in die heutige Zeit, das ist doch offenkundig.

  19. @Politikverdruss
    Ich habe Koffer auch nicht so verstanden, dass sich mit Wegfall der Wehrpflicht sich das Konzept Staatsbürger in Uniform „von selbst implementiere“ sondern dass Sie gerade vor dem Hintergrund der Aussetzung der Wehrpflicht aktueller denn je ist – weil eben nicht mehr jeder gezwungen wird, den Dienst an der Waffe zu leisten sondern sich aktiv dafür entscheiden muss. Im übrigen war es ja auch bisher so, dass die „gezwungenen“ Grundwehrdienstleistenden eben nicht für Einsätze zur Verfügung standen.

    Bei Ihren weiteren Ausführungen drängt sich mir die Frage auf, wie denn die Anwendung militärischer Gewalt legitimiert ist, wenn es hierzu weder in der Bevölkerung noch der Politik den nötigen Rückhalt gibt. Ohne diese Legitimierung kann es in einer Demokratie nur eine Möglichkeit geben: kein Einsatz der Streitkräfte! Und vor diesem Hintergrund brauchen wir bestimmt keinen Soldaten, der ohne diese Legitimierung bereit ist, weltweit Krieg zu führen.

    Zum Schluss zu Ihrer Forderung, meinen Ausgangspunkt zu überdenken: Selbstverständlich ist die Anwendung militärischer Gewalt letzten Endes das zentrale Ziel von Streitkräften und damit auch in besonderem Maße von ihrem Führungspersonal. Und genau davon gehe ich auch aus. Nur braucht man dafür eben nicht nur Kampftruppen im klassichen (Heeres-)Verständnis sondern im immer stärkeren Maße auch „technokratisch“ orientierte Kräfte. Dementsprechend unterscheiden sich auch die Anforderungen an das Führungspersonal, bspw. auch bei Kommandeuren. Denn auch hier ist das Bild sehr ausdifferenziert: Der Kommandeur eines Panzergrenadierbattaillons braucht andere fachliche Voraussetzung als der Kommodore eines Jagdbombergeschwaders oder ein Lehrgruppenkommandeur an einer Schule (wenn mir die Vermischung der Komandeurebenen A und B hier gestattet ist). Selbst im Bereich der Menschenführung werden im allgemeinen sicher nicht die gleichen Methoden in den drei Beispielen zum Erfolg führen. Und das die Funktion des zweitgenannten genauso „kriegerisch“ ist und die Anwendung militärischer Gewalt beinhaltet wie die des erstgenannten steht sicherlich außer Frage.
    In diesem Sinne ist die Unterteilung in Verwendungsreihen eben keine „technokratische Aufschlüsselung“ sondern ein Werkzeug (mit Verbesserungspotential), um den „richtigen Soldaten mit der richtigen Qualifikation zu richtigen Zeit am richtigen Platz“ zu haben. Denn letztendlich ist das Ziel, den gegebenen Auftrag bestmöglich zu erfüllen.

    Insgesamt scheint es mir jedoch, dass die Diskussion so an Breite und Tiefe gewonnen hat, dass sie mit den vorliegenden Mitteln kaum sinnvoll fortgeführt werden kann.

  20. Jetzt kann ich mich doch nicht zurückhalten. @EinOffizier: Was meinen Sie mit den Mitteln? Die Form der Blog-Diskussion? Zustimmung insofern, als das ich finde, das zentrale Argumente der Diskussion ein breiteres Forum und im Idealfall die persönliche Begegnung verdienen. Und zwar sowohl die Frage nach den „technokratischen“ Anforderungen als auch die Idee des „Protector“ im völkerrechtlichen Sinne.

    Danke dafür und weiterhin.

  21. @sascha_stoltenow
    Genau das meinte ich. Internet-Diskussionen, zumal pseudonyme, bringen ab einem gewissen Punkt kaum Zugewinn mehr. Hier ist die persönliche Begegnung im Idealfall vorzuziehen.

  22. @Offizier, Sie schreiben:“Bei Ihren weiteren Ausführungen drängt sich mir die Frage auf, wie denn die Anwendung militärischer Gewalt legitimiert ist, wenn es hierzu weder in der Bevölkerung noch der Politik den nötigen Rückhalt gibt. Ohne diese Legitimierung kann es in einer Demokratie nur eine Möglichkeit geben: kein Einsatz der Streitkräfte! Und vor diesem Hintergrund brauchen wir bestimmt keinen Soldaten, der ohne diese Legitimierung bereit ist, weltweit Krieg zu führen.“

    Folgt man ihrer Logik, dann müsste die Bundesregierung die Bundeswehr sofort aus Afghanistan abziehen. Denn, geht man von der gegenwärtigen Ablehnung des Afghanistan-Einsatzes in der deutschen Bevölkerung aus, dann ist der Einsatz nach ihren Kriterien nicht mehr legitimiert.

  23. @Politikverdruss
    „Die Innere Führung hat sich bewährt. “

    So lautet das offizielle Mantra. Wo sich die InFü denn genau bewährt haben soll, wird jedoch leider nicht erwähnt. Außerhalb Deutschlands wird die Ideologie der „Inneren Führung“ wesentlich kritischer diskutiert als hierzulande, z.B. hier:

    http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/der_multifunktionale_bundeswehrsoldat_1.3307062.html

    Ich stimme aus eigener Erfahrung insbesondere dieser Beobachtung zu:

    „Je «robuster» ihre Mandate werden, je häufiger sie im Gefecht stehen, desto eher kommt es zu Relativierungen des Leitbilds «Staatsbürger in Uniform». …ob es zureicht, um jenes Selbstbewusstsein zu stiften, das ein Bundeswehrangehöriger braucht, um Angriffe der Taliban in Kunduz oder Kabul zu überstehen, mag sich mancher fragen. Näher liegt es, sich als in der feindlichen Ferne operierendes Kommando eine Identität als Kämpfer zu basteln.“

    Genau diese Orientierung am zeitlosen Bild des Kriegers findet in der Truppe zunehmend statt und wird aus naheliegenden Gründen weder von Frl. Niehuss (die davon nichts weiss) noch von den Kommandeuren (die aus naheliegenden Gründen kein Interesse daran haben sich damit öffentlich zu belasten) angesprochen werden. Ich mag mich irren, aber alle solche Diskussionen der Vergangenheit waren letztlich Theater für die Öffentlichkeit, bei dem alle Beteiligten heile bundesrepublikanische 50er-Jahre-Welt spielten, so als gäbe es die Erfahrung der Einsätze nicht.

    Wer nach soldatischer Orientierung sucht, greift verbreitet nach den Werken von Ernst Jünger (etwa „Der Kampf als inneres Erlebnis“) und nicht nach den politisch korrekten, einsatzfernen und blutleeren Pamphleten der inneren Führer, die mittlerweile selbst den Umweltschutz zur soldatischen Tugend definiert haben, aber zu Töten und getötet werden nichts zu sagen haben. Ich empfehle jedem, sich die banale Phrasensammlung namens ZDv 10/1 wirklich einmal durchzulesen.

    Der angebliche „Exportschlager“ wird nach meinem Eindruck zudem von allen maßgeblichen Verbündeten, die mehr Einsatzerfahrung besitzen als die Bundeswehr, bestenfalls belächelt. Diese Armeen haben nach dem Zweiten Weltkrieg nach Kräften von deutschen Streitkräften übernommen. „Innere Führung“ wird von Offizieren dieser Nationen im persönlichen Gespräch regelmäßig als überholter Versuch dargestellt und bedauert, die militärische Leistungsfähigkeit deutscher Streitkräfte zu zähmen. Autoren der deutschen Militärgeschichte vor 1945 werden hier selbstverständlich aufmerksam studiert. Und doch wird in der deutschen Diskussion weiterhin dummdreist behauptet, dass es den Alliierten, die der Wiederbewaffnung ihren Segen gaben, mit dem von ihnen autorisierten Konzept der „Inneren Führung“ nur um die Steigerung der militärischen Leistungsfähigkeit der Bundeswehr gegangen sei.

    Eine kritische Diskussion eines derart im Kontext der 50er Jahre verhafteten, in großen Teilen auf überholten und sachfremden Annahmen beruhenden Konzepts wird mittelfristig auch in Deutschland nicht zu vermeiden sein. Vielleicht bietet das absehbare Scheitern des Afghanistan-Einsatzes bzw. die Demütigung der Bundeswehr in Kunduz/Baghlan ja einen geeigneten Anlass dafür.

  24. Nun mal noch einige Anmerkungen von einem, der das ganze Geschehen von außen betrachtet:

    1) Zu den größten Problemen aller (deutschen) politischen Debatten über Sein und Sollen der Bundeswehr gehört die Nichtakzeptanz der Fakten und ein Denken in Lagern und Extremen. Die einen behaupten, man könne gänzlich auf eine Armee verzichten, die anderen wollen ein stehendes, wartendes Verteidigungsheer, was nur die Grenzen schützt und wieder andere wünschen sich eine noch stärker interventionalistisch geprägte Armee. Soweit die Politik. Auf Seiten der Soldaten scheint immer wieder eine Art Angst durch, sich neuen Lagen stellen zu müssen. Nur selten wird effizient und nachhaltig gedacht, häufig ist die Argumentation „Wenn ich schön in der Deckung bleibe, gehe ich als Oberstleutnant in den Ruhestand und bis dahin lebe ich in Verwaltungsakten.“

    2) Der IBuK spricht immer von der Formulierung, „vom Einsatz her zu denken“. Das ist zwar schön und gut, aber eine Armee kann man nicht innerhalb eines Jahres umstrukturieren. Und wir wissen einfach nicht, was noch alles auf uns zukommt. Bevor wir also die Debatte führen, zu welchem Typus Soldat wir die jungen Offiziere ausbilden wollen, muss die Debatte geführt werden, welche Armee wir wollen. Diese Diskussion muss außerhalb des parteipolitischen Kleinklein geführt und auch wirklich ausdiskutiert werden. Je stärker sich die Einsätze vom „theoretischen und eventuellen Flächenkrieg in Mecklenburg und Brandenburg“ hin zu Einsätzen im Dschungel, in der Wüste und in den abgelegensten Gebieten der Welt entwickeln, desto mehr muss eine diversifizierte Ausbildung erfolgen.
    Die Ausbildung der Soldaten kann somit immer nur das Ergebnis dessen sein, was wir uns als Ziel für unsere Armee wünschen.
    Diese Frage ist noch lange nicht abgeschlossen, ich behaupte sogar, sie ist viel zu wenig andiskutiert! Wenn man sich Beiträge wie den von Prof. Eser in der FAZ durchliest ( http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/kriegsrecht-duerfen-soldaten-ueberhaupt-toeten-11581837.html ), dann merkt man wo noch „offene Baustellen“ sind. Und Albin Eser ist bei Gott kein durchgeknallter Pazifist, sondern ein sehr nüchterner und im Grundsätzlichen denkender Rechtswissenschaftler.

    3) Letzten Endes hat die Bundeswehr mit einem Problem zu kämpfen, das gesamtgesellschaftlich ist. Es gibt keine Generalexperten mehr. In kaum einem Beruf. Ich kann nicht von einem Soldaten erwarten, dass er sich mit dem Kampf gegen Rebellen und Terroristen im Kongo genauso gut auskennt wie mit den paschtunischen Stammesbräuchen. Fast alle wissenschaftlichen Disziplinen haben sich in den vergangenen Jahren oder gar Jahrzehnten in ihrer Ausbildung davon verabschiedet, „Alleswisser“ auszubilden. Von den Ingenieurswissenschaften über die Geistes- bis zu den Sozialwissenschaften ist alles auf Spezialisierung ausgelegt. (Das kann man gut oder schlecht finden, man muss aber mal die Fakten zur Kenntnis nehmen.)

    4) Wenn ich als Externer immer die Geschichten von Freunden und Bekannten höre, die gerade an der HSU ihr Studium abgeschlossen haben, kurz vor DZE in Afghanistan sitzen oder als Reserveoffiziere dienen, dann wundere ich mich über die, nennen wir es Attitüde, vieler BW-Angehöriger, ihre Probleme und Sorgen seien exklusiv. Ganz im Gegenteil macht die Bundeswehr eben Veränderungen durch wie die Gesellschaft sie insgesamt erlebt. Schauen wir uns doch nur die vielen Debatten um den Bolognaprozess an. Viele der Argumente (was ist das Handwerkszeug des Akademikers, was soll er lernen, denken wir „vom Job her oder von der reinen Lehre kommend“) können genauso auf die Debatte angewandt werden, die ich hier in den Kommentaren lese.

    5) Und letzten Endes muss die Frage erlaubt sein, wieso es Bundeswehruniversitäten braucht? Militärakademien, die das Militärische lehren und ganz normale, zivile Universitäten, die von Maschbau über Politikwissenschaften bis zur Pädagogik oder Logistik hervorragende Ausbildung garantieren haben wir.
    Man kann sich ja auch mal vorstellen, den Soldaten einfach erst nach dem Studium in die AGA zu schicken und dann den ganz normalen Weg anzugehen.

  25. @Delta 0219,
    vielen Dank für den Artikel aus der NZZ.

    Sie haben mich unvollständig zitiert. Ich sprach auch davon, dass man sich im Zusammenhang mit der Inneren Führung neuen „Anforderungen“ nicht verschließen möge.

    Unabhängig davon halte ich es für unsinnig, die „Innere Führung“ in Bausch und Bogen zu verurteilen. Man nehme nur einmal die Rechtsstellung des Soldaten, die Orientierung an dem Menschenbild des Grundgesetzes und vieles mehr. Es wäre töricht, das alles undifferenziert zu verwerfen. „Innere Führung“ ist als Sammelbegriff zu verstehen und muss deshalb auch in ihren Einzelbestandteilen gesehen und bewertet werden.

    Eines aber hat die Innere Führung nie richtig geleistet, nämlich das Wesen des Krieges mit dem Berufsbild des Soldaten zu verknüpfen. Ganz im Gegenteil. Immer wieder hat man alles daran gesetzt, den „Krieg“ aus den Zusammenhängen der IF und insgesamt aus der Bundeswehr herauszuhalten. Als Beispiele mögen dafür stehen: 1. Es gibt ein Lexikon der IF( Reeb/Többicke)in dem der Begriff „Krieg“ nicht vorkommt. 2. Uns allen ist noch gegenwärtig, dass die deutsche Politik Jahre benötigte, bevor sie zugab, dass die eigenen Streitkräfte an einem (Bürger)-Krieg beteiligt sind. 3. Es gab mal eine Broschüre „kriegsnah ausbilden“. Daraus wurde dann „einsatznah ausbilden“ und danach verschwand diese Ausbildungshilfe ganz in der Versenkung. Bereits diese Beispiele verdeutlichen das überaus gestörte Verhältnis zum Begriff des Krieges.

    Und nun sieht man sich in einer multipolaren Welt mit regionalen Kriegen konfrontiert, denen man aus unterschiedlichsten Gründen immer schwieriger ausweichen kann. Gleichzeitig nimmt die Pazifizierung der Gesellschaft zu und damit die Distanz gegenüber kriegerischer Gewalt. Und inmitten dieses Spannungsfeldes befindet sich der Soldat. Von der Politik in den Krieg entsandt und von der Gesellschaft dafür gescholten. Dieses Spannungsfeld gilt es zu entschärfen. Wo aber sind die Initiativen, vom Beirat für Fragen der Inneren Führung, vom Zentrum Innere Führung oder aus der Politik. Nichts, Funkstille!

    Ja, Delta 0219, das Soldaten in dieser unübersichtlichen Lage nach Orientierung suchen, ist nachvollziehbar. Sie erwähnten Ernst Jünger in diesem Zusammenhang. Mir fällt da Walter Flex ein: „Wanderer zwischen beiden Welten“. Passt doch ganz gut, oder?

  26. @Politikverdruss:
    Vielleicht interessiert Sie der durchaus InFü-relevante Hintergrund des Verschwindens von „Einsatznah ausbilden“, falls er noch nicht bekannt sein sollte:
    Eine öffentlich rechtliche Anstalt, deren Vorgänger sich schon vor 1990 in ähnlichem Ton über den „BRD-Militarismus“ äußerten, machte vor einiger Zeit den Wehrmachtsbezug des Bandes zum Thema:
    http://www.rbb-online.de/kontraste/ueber_den_tag_hinaus/bundeswehr/unselige_traditionen.html
    Einschlägig bekannte Aktivisten u.a. in der Redaktion des „Spiegel“ griffen das nach bekanntem Muster inszenierte Skandälchen sofort auf, worauf die Bw im gelebten InFü-Geiste mit sofortigem Einknicken reagierte. Der Vorfall ist m.E. ein gutes Beispiel dafür, dass die InFü in vielen Aspekten nur ein institutionalisiertes schlechtes Gewissen darstellt und in der Praxis oft nicht mehr ist als ein politischer Nasenring, mit dem man Soldaten nach Belieben öffentlich vorführen kann. Und dann wundert man sich darüber, dass die offenbar rein monetär definierte (ist das das „Menschenbild des Grundgesetzes“?) Attraktivität des Dienstes für Soldaten nicht mehr gegeben ist, die in ihrem Dienst gerne mehr sehen würden als einen „Job wie jeder andere“ und sich als Fußabtreter bestimmter Aktivisten (die InFü-konform sogar führende Ämter an den UniBw einnehmen dürfen) einfach unwohl fühlen.

  27. @David Ermes,
    dass Soldaten sich nicht auf wechselnde Lagen einstellen können, ist völlig unzutreffend. Es gehört sogar mit zu den Grundvoraussetzungen für diesen Beruf. Nehmen Sie nur einmal die zahlreichen Strukturveränderungen in der Bundeswehr seit der Wende. Keine zivile Institution des Landes hätte dies so klaglos hingenommen wie die Soldaten.

    Dass auf den höheren Führungsebenen der Bundeswehr verbreitet „Duckmäusertum“ anzutreffen ist, ist leider zutreffend. Man sucht hinter der „Vorrangstellung des Politischen“ Deckung und handelt nicht mehr nach dem soldatischen Grundsatz, „Wirkung geht vor Deckung“. Eine sehr bedauerliche Entwicklung.

    Zum Thema „vom Einsatz her denken“ ist festzustellen, dass mit dieser Euphemisierung schon wieder verschleiert wird, dass in Wirklichkeit der Krieg gemeint ist. Nun wird man sofort einhaken und behaupten, nicht jeder Einsatz arte gleich in einen Krieg aus. Er könnte aber, und deshalb sollte nicht vom Einsatz, sondern vom Krieg her gedacht werden. Welche Auswirkungen solche Verdrängungsprozesse haben, lässt sich gut an der Entwicklung in Afghanistan ablesen. Man hat so getan, als könne man dem Krieg in einem von einem Bürgerkrieg heimgesuchten Land ausweichen. Mir fällt dazu Brecht ein: „Dann kommt der Krieg zu dir…“ Man ist übrigens gerade dabei, diesen Fehler in Afghanistan zu wiederholen, wenn man glaubt, dass 2014 mit Abzug der „Kampftruppen“ auch der Kampf beendet sei. Man erkennt daran, dass der Außenminister immer noch keinen Blick in „Vom Kriege“ geworfen hat.

    Die einseitige Ausrichtung von Streitkräften auf gerade laufende Kriege ist sicherlich zu kurzfristig, zu wenig substantiell und zukunftsorientiert gedacht. Ein weiser Mann hat einmal in diesem Zusammenhang gesagt: Nicht die Absichten aggressiver Staaten sind entscheidend. Absichten können sich ändern. Entscheidend sind die Potentiale und Fähigkeiten. Darauf sollten wir achten.

    Die Ausführungen von Prof.Eser sind wirklichkeitsfremd. Ein wenig erinnert das an die deutschen Rules of Engagement (ROE) in Afghanistan. Die ROE wurden erst dann den Kriegsbedingungen in Afghanistan angepasst, als Bundeswehrsoldaten angegriffen wurden und erste Soldaten in den Feuergefechten fielen. Die von deutschen Rechtsberatern verfassten und von der militärpolitischen Führung der Bundeswehr durchgesetzten ROE waren für die deutschen Soldaten taktisch und psychologisch von großem Nachteil. „Wie eine Befreiung wirkte es da auf die Soldaten, so sagen Offiziere, die dort waren, als sie endlich eine rechtliche Grundlage hatten, Angreifern auch einmal nachzusetzen, sie zu stellen und aktiv zu bekämpfen.“ Ein besonders übles Kapitel deutscher Realitätsverdrängung. Und irgendwie schimmert es auch bei Herrn Eser durch, dass man das Töten nur verbieten müsse, um zu einer friedlicheren Welt zugelangen.

    Natürlich sind die Probleme nicht vergleichbar. Ob man als Soldat in Afghanistan mit „gebundenen Händen“ kämpft oder die Prüfungsdichte der Bachelor – und Master-(wenn man denn einen bekommt)Studiengänge auf sich nimmt, ist schon ein Unterschied. Aber woher sollen Sie, Herr Ermes, als „Außenstehender“ das auch wissen. Und zu den Bundeswehruniversitäten: Schon die großen Reformer um Scharnhorst wussten um die Bedeutung der Bildung. Daran hat sich nichts geändert. Worin allerdings der Vorteil liegen soll, erst zu studieren und dann mit der AGA zu beginnen, erschließt sich mir nicht.

  28. @ Politikverdruss zu der Legitimation der Afghanistan-Einsatzes:
    Ja, richtig, wenn man dies zu Ende denkt, ist die Legitimation des Einsatzes fragwürdig. Was vielleicht auch ein Grund dafür ist, dass nicht wenige Soldaten im Kameradengespräch dies auch so äußern und persönlich den Sinn des Einsatzes nicht (mehr?!) sehen. Das Recht auf diese eigene Meinung ist übrigens auch ein Bestandteil der Inneren Führung, den ich nicht missen möchte.
    Das Problem dieser zweifelhaften Legitimierung liegt meines Erachtens in der Schnittstelle zwischen den Mandatsträgern (die ja den Einsatz alle Jahre wieder mit Mehrheit befürworten und damit formal legitimieren) und der Bevölkerung. Hierbei möchte ich aber weder den „ignoranten Politiker“ noch den „dummen Wähler“ bemühen, der Grund liegt eher in Wissen- und Kenntnisstand. Ich stelle die These auf, dass die gleiche Person die auf die in der Fussgängerzone gestelllte Frage nach dem Einsatz intuitiv mit vehementer Ablehnung reagiert nach eingehener Beschäftigung mit dem Thema und diversen Expertenkonsultationen vielleicht doch zu gegenteiligen Meinung kommt.
    Und damit sind wir wieder beim fehlenden außen- und sicherheitspoltischen Diskurs angekommen. Mir ist durchaus bewusst, dass dieser angesichts egoistischer „Wutbürger“, macht- und parteipolitischem Kalkül und anderer Faktoren nicht einfach und sicher für alle (auch uns Soldaten) schmerzhaft zu führen ist – aber nicht nur deshalb dringend geboten. Über das Ergebnis wage ich nicht mal zu spekulieren…

    Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich persönlich bin der Meinung, dass eine aktive Außen- und Sicherheitspolitik, zur Not bis zur Intervention, aus verschiedenen Gründen für die Bundesrebublik nicht nur sinnvoll sondern zwingend ist. Dies ist aber eben meine persönliche Meinung und weder mir sonst jemandem außer dem Souverän steht es an, dies festzulegen.

    Zum Schluss zur Wendung „vom Einsatz her denken“: Ich denke, die Abgrenzung „vom Einsatz her“ gegenüber „vom Krieg her“ hat durchaus seinen Sinn und seine Berechtigung, nicht nur, weil es sich dabei in erster Linie um einen BMVg/Bw-internen Leitspruch zur aktuellen Reform handelt. „Vom Einsatz her“ betont nämlich gerade die breitbandigen und volatilen Anforderungen des denkbaren Einsatzspektrums, während „vom Krieg her“ durchaus starke Anklänge an den „großen vaterländischen Krieg“ an der innerdeutschen Grenze hat – und gerade die darauf abgestimmten Strukturen, verfahren und Denkweisen gilt es (immer noch) zu überwinden.

  29. @Politikverdruss:

    Ich muss an ein paar Stellen widersprechen:

    1) Ich habe nicht behauptet, dass sich die Soldaten nicht auf wechselnde Lagen einstellen können, ich habe behauptet das ich den Eindruck habe es gebe eine Art Angst (vulgo Unwohlsein) vor Veränderung. Das ist mal grundsätzlich nichts verwerfliches. Man muss es nur bedenken.
    Was das klaglose hinnehmen von Veränderungen angeht: Es gehört zum Wesen des Bundesbeamtentums (ich weiß das Soldaten nur bedingt Beamte sind, aber die Wesensmerkmale gleichen sich), dass man eine gewisse Sicherheit hat und dafür eben entsprechende Einschränkungen in Kauf nehmen muss. Der Vergleich mit dem zivilen Beruf ist daher nur bedingt zielführend. Schauen Sie sich die Debatten bei Bundespolizei, BKA und BND an. Da finden ähnliche Strukturkämpfe statt nur interessieren die ob der mittelbaren Arbeitsplätze und der Menge weniger…

    2) Duckmäusertum sind ihre Worte. Der Verzicht auf Karriere und Ambition muss kein Duckmäusertum sein. (Stichwort Denken in Lagern und Extremen! Ich habe keine Vorwürfe gemacht.)

    3) Was „vom Einsatz her denken“ betrifft, ist @EinOffizier nichts hinzuzufügen.

    4) Die Ausführungen von Prof. Eser sind zunächst einmal rein akademisch. Sie richtigen sich nicht an die Soldaten sondern sind ein Debattenbeitrag für die breite Masse. Und aus eben jener akademischen Sicht (der alte Streit um den Rechtspositivismus) darf man schon die Frage stellen, warum im Kriege erst einmal jede Tötung gerechtfertigt ist.

    5) Was das Studium betrifft: Ich habe nicht behauptet die Soldaten sollten nicht studieren, ich habe aber gefragt, weshalb es Bundeswehruniveristäten bedürfe? Auf diese Frage habe ich noch von niemandem eine zufrieden stellende Antwort erhalten. Gerade da sich die HSU und die UniBW ja eben _nicht_ als Militärschulen sehen, könnte und sollte die akademische Ausbildung der Soldaten mMn auch in richtigem akademischen Umfeld stattfinden. Umgekehrt ist es mit dem Selbstverständnis des Akademikers auch nur schwer zu vereinbaren, wenn der Studiengang des Offiziersstudenten eben nicht immer selbst gewählt ist, sondern das einzige, was er durfte oder was „irgendwie passte“.

    Was die Frage der Bolognareform angeht. Mein Vergleich trifft zu, weil nur vordergründig und für den Fokus des Unispiegel der Kern der Debatte auf Workload und Modulaufbau liegt. Im großen Rahmen um den es geht, steht auch bei der Umstellung auf das B&M System im Kern die Frage nach der Zielsetzung. Wollen wir allgemein akademisch gebildete Hochschulabsolventen mit breiter wissenschaftlicher Attitüde und dem alten deutschen Selbstverständnis des Akademikers, oder wollen wir berufsqualifizierte Universitätsabsolventen, die einen Grundstock an Wissen haben der von der Arbeitswelt dann praktisch eingesetzt wird. Die dahinter stehenden Fragen nach der Blickrichtung kann man sehr gut auch auf die Ausbildung der Offiziere übertragen, wie ich finde.

    Fazit) Ihr Post zeigt mir letztlich wie treffend doch einige meiner Ansätze sind. Sie reagieren vorsichtig gesagt gereizt und fokussieren gleich eng auf den Einsatz und den Kampf vor Ort. Das ist zwar im Moment sicher von Nöten und kann auch nur durch Insider erfolgen, es fehlt aber letztlich die Diskussion im großen gesellschaftlichen Ganzen.

  30. Sehr geehrter Herr Ermes

    zum Punkt 5 ihrer Diskussion

    Warum sollen es nicht die Bundeswehr Unis sein?

    Das Moderne daran war (und ist immer noch), dass der Bund als Geldgeber auftritt, die Studenten bezahlt werden und damit der Staat ein schnelleres Studieren verlangt und erhaelt.

    Inhaltlich sind die Unis den jeweiligen Landesunis gleichgestellt. Und wenn Sie im letzten Campus (der Studentenzeitung der UniBw) den Artikel des Konventsvorsitzenden lesen, werden Sie feststellen, dass sich die Studenten dort auch eher wie Studenten als wie Offiziere verhalten…., aber das war schon 1988-91 so (Wir mussten als Konventsangehoerige einem Studentenfachbereich um 16:00 (1h vor Ende der Listenaufstellung) drei Studenten als Studentenvertreter aus der Tasche leiern, sonst waeren die im Folgejahr ohne studentische Vertretung gewesen)

    Insgesamt sehe ich das aber alles nicht so tragisch…
    Das Studium foerdert die Selbstorganisation und verhilft meines Erachtens nach zu Innerer Freiheit, die man so an einer reinen Militaerakademie nicht bekommt.

    Warum man nun heute auch an der Bundeswehruni fuer einen Master laenger braucht als fuer ein Diplom, dass ist eins der vielen Bologna Geheimnisse…

    Was „normale“ Universitaeten anbelangt, wie wollen Sie als Bundeswehr (deutscher Staat) Offiziere an Institutionen ausbilden (studieren) lassen, die sich Kraft eigener Hochschulordnung dem Frieden und der Abwesenheit des Militaerischen verschreiben (koennen). Das ist deutsches Hochschulrecht und damit in Ordnung, aber eben im Falle der Ausbildung von Offizieren nicht zielfuehrend.

    Ich halte ihre letzte Frage

    „Wollen wir allgemein akademisch gebildete Hochschulabsolventen mit breiter wissenschaftlicher Attitüde und dem alten deutschen Selbstverständnis des Akademikers, oder wollen wir berufsqualifizierte Universitätsabsolventen, die einen Grundstock an Wissen haben der von der Arbeitswelt dann praktisch eingesetzt wird. “

    eigentlich fuer die wesentlich, ich finde sie nur im ersten Teil zu negativ gestellt;

    Wie waere es mit
    Wollen wir allgemein akademisch gut ausgebildete Hochschulabsolventen mit breitem wissenschaftlichen Verstaendnis und dem deutschen Selbstverständnis des Akademikers“ …..

    Die dahinter stehenden Fragen nach der Blickrichtung kann man sehr gut auch auf die Ausbildung der Offiziere übertragen, wie ich finde.
    und das waere dann so (diesmal ueberpointiere ich)

    Wollen wir humanistisch und akademisch gebildete Hochschulabsolventen (Staatsbuerger) mit dem alten deutschen Selbstverständnis des Offiziers (in Uniform) oder wollen wir akademiequalifizierte Soldaten, die einen Grundstock an Wissen haben, der dann im Dienst praktisch eingesetzt wird und die dann in der Folge auch Offizier werden koennen?

  31. Pfff, bin gerade erst auf das Thema gestossen – man gönnt sich ja auch einmal eine Auszeit. Welch‘ eine Welle! So eine lässliche Sünde der Präsidentin hinsichtlich ihrer Bewertung der Bedeutung des Studiums für den Offizierberuf (sehr wichtig ja, aber sicher nicht die wichtigste Phase der Ausbildung). Aber für mich genauso lässlich wie die nicht selten zu hörende Formulierung an der FüAkBw, die +höchste+ Bildungsstätte der Bundeswehr zu sein. (Richtig wäre die +höchste militärische+ Bildungsstätte der Bundeswehr).

  32. Sehr geehrter Herr Marahrens,

    wir sind uns da viel einiger, als Sie vielleicht denken. Ich sage gar nicht, dass man die BW-Unis abschaffen muss, aber man muss sich mal die Frage stellen, welchen besonderen Vorteil sie bieten. Gerade durch die B/M Studiengänge stelle ich mal folgende zwei Varianten aufs Feld, wie ich mir eine Ausbildung des Offiziers als Akademiker in Uniform vorstellen könnte:

    Grundsätzlich sei zuvor angemerkt, dass meine Modelle davon ausgehen, dass die Gesamtkosten für den Zeitsoldaten gleich bleiben und die Verpflichtungsdauer entsprechend angepasst wird.

    Ausgangslage ist ein männlicher, tauglicher 19jähriger nach seinem Abitur der sich für 12 Jahre verpflichtet.

    Variante 1)

    Zwei Jahre militärischer Dienst (ca.! Je nachdem was gem Ausbildung und Verwendung nützlich ist), dann beurlaubt mit Sold ohne Zulagen und Gedöns an eine deutsche Universität geschickt, in den Semesterferien militärische Lehrgänge, ein obligatorisches Auslandssemester, Semester über der Regelstudienzeit werden hinten an den die 12 Jahre angehängt. Nach dem Bachelor (also idR nach 5 Jahren) Dienst in der Truppe bis zwei Jahre vor Ende der Dienstzeit. Dann Masterstudium bei Soldbezug bis Dienstzeitende.

    Alternativ, je nach Studiengang und Verwendung auch
    2 Jahre milit. Dienst,
    3 Jahre Bachelor,
    3 Jahre milit. Dienst
    2 Jahre Master
    2 Jahre milit. Dienst.

    Variante 2)

    Bachelorstudium an einer beliebigen deutschen Universität bei geringem Sold („BW-Stipendium“, Bundeswehr kümmert sich um Krankenversicherung + z.B. 800 Euro p.M.), in den Semesterferien militärische Lehrgänge, Praktika werden bei der BW absolviert, ansonsten Möglichkeiten wie oben.

    Ich will gar nicht sagen, dass meine Idee hier der Stein der Weisen wären, ich versuche nur spannende Möglichkeiten und Konzepte aufzuzeigen. Das ginge (König Konjunktiv) sicher alles und es gibt sicher auch aus militärischer Sicht Gründe die für solche Konzepte sprechen.

    Und bei dieser ganzen Debatte bleibt unsere Frage nach der Blickrichtung natürlich vor allem Anderen stehen.

  33. @ David Ermes

    Die Aufsplittung von Bachelor und Master (Bachelor im 1/3 der Dienstzeit und Master ganz am Ende der Regelverpflichtungszeit) würde ich auch für sinnvoll halten. Dann könnte der SaZ, der die Bw verlässt einen „aktuellen“ Master haben und der junge BS in die Stabsoffizierlaufbahn auch mit „frischen Batterien“ starten.

    Aber doch bitte nicht an einer zivilen Uni.

    Viel besser wäre doch die Bw-Unis vernünftig umzubauen, damit sie einerseits zivilen Maßstäben genügen und andererseits gute Offiziere ausbildet.

    Ich habe NIE verstanden warum die Bw-Unis krampfhafte Angst vor Militär-„akademien“ haben.

    Andere Länder machen es uns ja vor, dass man höchsten wissenschaftlichen und akademischen Ansprüchen genügen kann UND GLEICHZEITIG militärische vernünftig ausbilden kann.

    Das was wir jetzt haben ist einfach eine Schande für die deutsche Armee!

    Deswegen bin ich zwischenzeitlich fast schon so weit Ihrem Ansatz zu folgen: Besser ein Beurlaubung an eine zivile Uni als der unsolidarische Krampf der an den sogenannten „Bundeswehr“-Universitäten erfolgt…

  34. @ Koffer

    Ich zitiere Sie: „Das was wir jetzt haben ist einfach eine Schande für die deutsche Armee!“ und „unsolidarische(r) Krampf(,) der an den sogenannten “Bundeswehr”-Universitäten erfolgt…“

    Würde mich interessieren, woher Sie die Grundlagen Ihrer Bewertung hernehmen, ach nein, es interessiert mich nicht wirklich.

  35. Postscriptum @Soenke Marahrens:

    Um Sie mal im Sinne der crossdiscussion bei Augengeradeaus zu zitieren: „Wenn Uffz mP oder Offz Angst haben, Entscheidungen zu treffen, dann haben diese vielleicht den falschen Beruf ergriffen….. bei den ganzen “Sui Generis” Diskussionen um das Alleinstellungsmerkmal des Soldatenberufs wird dies m.E. immer vernachlaessigt: “Trifft Entscheidungen unter unklaren Verhaeltnissen und …. steht dazu, mit allen Konsequenzen, auch wenn es daneben geht”

    Das ist übrigens eine schöne WEITERE Baustelle, an der man mal arbeiten könnte. Auch wiederum etwas Gesamtgesellschaftliches. Die Gesellschaft liefert heute anderes „Material“; egal wie man dazu steht, muss man es zur Kenntnis nehmen. Ich kenne das Thema aus einem anderen Milieu, wo aber auch Haltung und Anstand gefordert werden. Da gibt es den geflügelten Spruch „Früher durften wir aus Männern Herren und bürgelriche Akademiker mit Anstand und Haltung machen, heute hoffen wir aus Jungen erwachsene Männer zu machen.“

    Ich bin grundsätzlich kein Freund von zur Schau gestelltem Kulturpessimismus (tempora mutantor et nos mutamor in illis) sondern sehe hier wiederum die Aufgabe der Bundeswehr selektive Charakterauswahl zu betreiben und die Ziele so zu definieren, dass alle Beteiligten damit arbeiten können.
    Das heißt keineswegs die Ansprüche zu nivellieren (dieser Hinweis wäre bestimmt gekommen 😉 sondern im Gegenteil die Auswahl zu sensibilisieren.
    (Im Extremfall heißt das: Ich trainiere leichter einem übergewichtigen Bewerber den Bauch ab oder bringe einem rechtschreibschwachen Bewerber die nötigen Fähigkeiten bei, als dass ich aus einem charakterlosen, opportunistischen Sadisten einen Mann mit Haltung mache.)

  36. @ noch ein Offizier
    „Würde mich interessieren, woher Sie die Grundlagen Ihrer Bewertung hernehmen“

    Aus den häufig militärkritischen Beförderungsreden der beiden Präsidenten, den regelmäßigen disziplinaren Problemen wegen Nebentatigkeiten bei Finanzdienstleistern von studierenden OA/Offz, wegen häufigen KDV Anträgen am Tag des erfolgreichen Studienabschlusses, wegen der Weigerung einzelner Profs den OvWA mit Waffe in den Höhrsaal zu lassen, wegen der Kritik einzelner Dozenten an studOffz/OA die in Uniform zu Vorlesungen kommen, wegen der bewussten Entscheidung der meisten Fakultäten keine militärisch unmittelbar relevanten Lehrstühle einzurichten, etc etc

    Wenn gewünscht kann ich gerne noch ein oder zwei Dutzend weitere Beispiele bringen…

  37. 1. Anmerkung fuer den Bendlerblogger (eine Textfeldspeicherfunktion bei vergessenem Mathetest waere ein Gewinn ;-()

    Zu Koffer

    1. Ich habe im Rahmen CD&E mit 7 Professoren an militaerischen Themen gearbeitet. Und mit 13 Studenten verschiedener Fakultaeten 2008 ein Praktikumsprogramm durch gefuehrt, fuer die ich sogar infrastrukturell Praktikantenarbeitsplaetze bekommen habe…. es geht alles

    2. Finanzdienstleister – seien Sie doch froh, dass solche charakterlichen Maengel ausserhalb der Truppe herauskommen..

    3. KDV entbindet nicht von der Rueckzahlungspflicht, und die ist happig

    (Fuer mich beides im uebrigen ein Beleg der These, dass das Studium wichtigster Bestandteil der Offz Ausb ist, es lehrt Demut und sortiert…..ohne Folgen fuer andere…)

    4. OvWA Warum muss ein OvWA waehrend der normalen Dienstzeit mit Waffe im Hoersaal sitzen, dass kann der Stamm machen! Geht woanders auch!

    5. Militaerisch relevante Lehrstuehle (was immer das sein mag…) a. Art 5 laesst den Unis die Freiheit nein zu sagen, und b. Sie werden erstaunt sein, wie wenig es die Truppe interessiert und c. die inhaltliche Substanz einer BA/MA Arbeit fuer den normalen Dienstbetrieb wenig nutzbar ist…. immer dran denken es geht um Forschung nicht das Zusammenstellen einer Mappe fuer PolBil, Schiessausbildung etc(selbst ausprobiert)

    Wo wir besser werden muessen, ist die Wertschaetzung der OA/Stud Offz durch die Truppe…. da hakt es m.E.!

    @ David Ermes

    1. Ja und Nein

    Ich waere auch fuer eine Aufsplittung (so auch schon bei Augengeradeaus geschrieben), sehe aber Laufbahnrechtliche Vergleichsprobleme, der Gehobene Dienst verlangt FH der hoehere sogae ein 2. Staatsexamen (Soldaten ohne Studium haben im oeffentlichen Dienst die besten Aufstiegschance im Vergleich zu allen anderen)

    2. Wer soll das organisieren ? Beispielrechnung 420 LwOA in bis zu 6 Studienjahrgaengen – also 2520….. Immatrikulation, Betreuung usw usw,,, da sind 2 Bw Unis deutlich effizienter und im uebrigen auch weiterhin schneller

    3. Was das „Material“ anbelangt…..fuer mich sind es a. Menschen, und b. ich glaube, die sind genauso gut oder schlecht wie frueher , die haben heute nur mehr Alternativen….., und damit genau die Aufgabe, die einen guten Vorgesetzten ausmacht: „Fordern und Foerdern“

  38. @Soehnke: Sorry, ist die 1&1-Standardinstallation. An der bin ich auch schon gescheitert. Manchmal hat mich der Browsercache gerettet. Ich werde das mal professionalisieren.

  39. @ koffer

    Sie benennen interessante Tatsachen aus der Vergangenheit und der Gegenwart an den UniBw, die mir auch wohl bekannt sind, aber das begründet weder den Begriff der „Schande“ noch des „unsolidarische(n) Krampf(es)“. Klingt eher nach frustriertem Abbrecher, der das Studium an der UniBw nicht geschafft hat. Lassen Sie es gut sein.

  40. @ soenke

    Längere Text sollten Sie einfach mit einem Texteditor schreiben und dann in das kommentarfenster „guttenbergen“.

    Übrigens, ich hoffe, es gefällt Ihnen noch in Virginia.

  41. @ noch ein Offizier
    Eine Schande nenne ich es, wenn eine Präsidentin sich vor der Truppenfahne nicht verneigt, eine Schande nenne ich es wenn Professoren Geld vom Dienstherren nehmen und dann versuchen Offiziere in Uniform aus dem
    Höhrsaal zu werfen, eine Schande nenne ich es, wenn ein Präsident es verbietet, das auf Bildern für die Aussendartellung Uniformen zu sehen sind.

    Einen unsoldatischen (hatte mich verschrieben) Krampf nenne ich es, wenn Offiziere sich häufig an der Uni zu Zivilsten in (seltener) Uniform entwickeln, einen Krampf nenne ich es, wenn soldatische Ausbildung um militärische Prägung auf 2-3 Nachmittage im Monat reduziert wird , als unsoldatischen Krampf bezeichne ich es, wenn OA/Offz keine Lehrgänge und TrKdo machen müssen, obwohl die Zeit besteht und es ihnen teilweise sogar verboten wird, wenn sie es wollen.

    Darüber hienaus, halte ich auch das wissenschaftliche Profil der Unis für mangelhaft. Man vergleiche hierzu bitte VMI, The Citadel und Norwich. Ja selbst St.Cyr und WestPoint haben in vielen akademischen Punkten
    die Bw-Unis zwischenzeitlich abgehängt!

    „Klingt eher nach frustriertem Abbrecher, der das Studium an der UniBw nicht geschafft hat. Lassen Sie es gut sein.“

    1. Spekulativ, 2. beleidigend, 3. falsch
    –> netter Versuch zu provozieren, aber nicht unbedingt herrenmäßig, oder?

  42. @Ein Offizier

    Ich schreibe mich immer in Begeisterung….es wuerde ja auch ein einfaches Ctrl C zur Sicherheit reichen!
    VA ist weiterhin fein, ich kann mich nicht beklagen, …. mehr ggf auf FB oder Xing!

    @Koffer
    Das Verneigen vor der Truppenfahne ist mir neu! Ich gruesse diese militaerisch, aber die Erwartungshaltung, dass sich ein Zivilist / eine Zivilistin davor vorbeugen muss/soll, dass uebersteigt mein Demokratieverstaendnis!

    Ich kann ja Ihren Frust nachvollziehen, aber warum haben Sie es nicht veraendert als Sie dort waren? Ich denke, wenn Sie emotionslos Ross und Reiter an der Uni beim Namen nennen, fliegen Sie kein 2. Mal raus!

    Was die Entwicklung der Offiziere anbelangt, herzlich willkommen in der Realitaet,ich sage ja, das Studium ist der wesentliche Teil der Offz Ausbildung, er trennt die Spreu vom Weizen….., anderseits erleben Sie es als Vorgesetzter mit diesen Offizieren nicht, dass jeder Ihrer Saetze mit „Yes Sir‘ kommentiert wird…. und dann nichts mehr kommt.

    Der Auftrag an der Uni lautet „Studieren, nach Moeglichkeit auch mit Erfolg,“, das kostet naemlich den Steuerzahler eine ganze Menge Geld……. und wenn ich dort Vorgesetzter waere, wuerde ich Truppenkommandos auch nur nach Einzelfallpruefung in Abhaengigkeit des Studienfortschritts zu lassen!

    Was das akademische Profil anbelangt, koennen Sie mir bitte genauer erklaeren, was Sie darunter verstehen oder erwarten!

    Und nochmal, wie oben bereits geschrieben, die „Truppe“ wartet „derzeit“ zumindestens nicht auf irgendwelche BA/MA arbeiten.

  43. Also Frau Merkel verneigt sich vor der Truppenfahne, wenn sie z.B. die Front abschreitet. Wenn die Präsidentin einer Bw-Uni das bei einem offiziellen Anlass unterlässt, dann kann man schon mal fragen, ob das richtig ist.

  44. Ergänzend zu meinem Beitrag von 20:26: Die Truppenfahnen wurden 1965 vom Bundespräsidenten gestiftet als „äußeres Zeichen gemeinsamer Pflichterfüllung im Dienst für Volk und Staat.“

    Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Präsidentin einer Bundeswehreinrichtung darüber hinweggeht.

  45. @Politikverdruss

    Man lernt nie aus! Danke

    Es gibt zwar anscheinend keine Regel, zumindestens konnte ich keine finden, aber anscheinend einen internationalen Usus fuer Staatsoberhaeupter.

    Wobei mir dabei auch folgendes Zitat von Helmut Kohl ueber den Weg lief:
    „“Ich verneige mich dreimal vor der Trikolore, bevor ich mich vor Schwarz-Rot-Gold verbeuge“

    Vielleicht hat es ihr ja auch nur bisher niemand gesagt, ist ja nun nicht gerade ueblicher Bestandteil einer Professorenausbildung (In dubio pro reo)

  46. @Soenke Marahrens
    „Das Verneigen vor der Truppenfahne ist mir neu! Ich gruesse diese militaerisch, aber die Erwartungshaltung, dass sich ein Zivilist / eine Zivilistin davor vorbeugen muss/soll, dass uebersteigt mein Demokratieverständnis!“

    Dann haben Sie wohl ein anderes Demokratieverständnis als alle Bundeskanzler (und bei den Ministerpräsidenten, die ich bisher erlebt habe war es auch so) seit 1965!

    Es ist üblich, dass der die Front abschreitende Zivilist zusammen mit dem Kdr vor der Truppenfahne anhält und ihr den Respekt zollt, der ihr als Zeichen als „hohes“ Zeichen des Vaterlandes zukommt. Der Kdr tut das durch den militärischen Gruß, der Zivilist in dem er sich verneigt. Sofern er eine Kopfbedeckung aufhat und diese nicht bereits vor Abschreiten der Front abgenommen hat (wie es sich gehört) tut er dies spätestens an dieser Stelle.

    „Ich kann ja Ihren Frust nachvollziehen, aber warum haben Sie es nicht veraendert als Sie dort waren? Ich denke, wenn Sie emotionslos Ross und Reiter an der Uni beim Namen nennen, fliegen Sie kein 2. Mal raus!“

    Natürlich habe ich als Lt/OLt gemeinsam mit Kameraden dazu beigetragen es etwas besser zu machen. Und auch jetzt bin ich wieder an der Uni und trage nun auf höherer Ebene dazu bei es besser zu machen. Aber manchmal ist es wie ein Kampf gegen Windmühlen…

    „Was die Entwicklung der Offiziere anbelangt, herzlich willkommen in der Realitaet,ich sage ja, das Studium ist der wesentliche Teil der Offz Ausbildung, er trennt die Spreu vom Weizen….., anderseits erleben Sie es als Vorgesetzter mit diesen Offizieren nicht, dass jeder Ihrer Saetze mit “Yes Sir’ kommentiert wird…. und dann nichts mehr kommt.“

    Ja und? Warum geht nicht beides? Natürlich möchte ich keinen dumpfen und dummen „Nur-Sir-Yes-Sir-Sager“, aber das heißt doch bestimmt nicht, dass es militärisch ist junge 20jährige Offiziersanwärter sich selbst zu überlassen (und neben bei widerspricht dies auch allem was ich je über Menschenführung und Innere Führung gelernt habe!).

    „Der Auftrag an der Uni lautet “Studieren, nach Moeglichkeit auch mit Erfolg,”, das kostet naemlich den Steuerzahler eine ganze Menge Geld……. und wenn ich dort Vorgesetzter waere, wuerde ich Truppenkommandos auch nur nach Einzelfallpruefung in Abhaengigkeit des Studienfortschritts zu lassen!“

    Das ist nicht richtig!!! Das ist zwar eine weitverbreitete, aber dennoch falsche These!

    Der Auftrag der Unis lautet den Bedarf des Bedarfsträgers (der Streitkräfte) an akademisch gebildeten Offizieren zu erfüllen.

    Wenn die Streitkräfte verlangen, dass neben dem „akademisch gebildet“ auch das „Offizier“ seinen Anteil hat, dann spricht da gar nichts gegen.

    Es ist BISHER Auftrag an die studOffz/OA schnellstmöglich zu studieren, aber das ist ja lediglich der Tatsache geschuldet, dass die Streitkräfte seit den 70ern die Unis als „Black-Box“ betrachten aus denen die Offiziere möglichst nach 3 1/3 Jahren (oder heute 4) pünktlich rauskommen sollen.

    WENN die Streitkräfte die Unis vielmehr als ganzheitliche Bildungs- UND Ausbildungsstätte begreifen würden, dann wären wir nach meiner Meinung schon wesentlich weiter.

    Außerdem ist es schon seit 1998 Befehlsgrundlage, dass jeder studOffz min. einmal einen Lehrgang in seinem Studium besucht haben sollte UND sofern möglich auch Truppenkommandos absolvieren sollte (natürlich nur wenn das Studium dies zulässt, d.h. bei Päd in Muc ist es natürlich einfacher diese Forderung zu erfüllen als bei manchen FH Studiengängen).

    Nun wird dieser Befehl traditionell ignoriert, denn diejenigen studOffz die dies wollen organisieren sich das ja eigenständig und die „faulen“ haben ja kein Interesse daran, dass es anders wird.

    „Was das akademische Profil anbelangt, koennen Sie mir bitte genauer erklaeren, was Sie darunter verstehen oder erwarten!

    Und nochmal, wie oben bereits geschrieben, die “Truppe” wartet “derzeit” zumindestens nicht auf irgendwelche BA/MA arbeiten.“

    BA/MA Arbeiten? Das ist bestimmt nicht das was ich meine (ein paar kleine Ausnahmen bei den Technikern mag es geben).

    Für mich gibt es hinsichtlich des akademischen Profils zwei Aspekte, zum einen die Binnenwirkung in Frage der Lehre und zum anderen die Außenwirkung in Fragen der Forschung.

    Wo sitzen die besten Völkerrechtler? In Heidelberg!
    Wo sitzen die besten Politologen mit dem Schwerpunkt SiPo? In Harvard, NewYork und Washington.
    Wo sitzen die besten Militärsoziologen? In Princeton!
    Wo sitzen die besten Militärhistoriker? In London!
    (Nur ein willkürliche und sicherlich nicht abschließende Aufzählung).

    Worin ist die UniBwH gut? u.a. in Fernlernen!
    Worin ist die UniBwM gut? u.a. in Rundfunkrecht!

    Also mal ehrlich! Das ist sowohl für die Binnenwirkung, als auch für die Außenwirkung nicht besonders effizient, oder?

    Und hinsichtlich der These der „Unvereinbarkeit“ von akademischer Bildungseinrichtung und „Militärakademie“ sei nochmals auf die hohe Qualität der akademischen Ausbildung an den privaten „Militärakademien“ The Citadel, Norwich und VMI (nicht staatlich, aber zivil) erinnert und an die in den letzten Jahren im Vergleich zu den BwUni herausragende (akademische) Entwicklung von St.Cyr und West Point.

    Die einzige verbliebene „klassische“ (westliche) Militärakademie ist Sandhurst.

    Das heißt die BwUni haben sich in den Kämpfen der 70er festgebissen und haben nicht bemerkt, dass ihr angebliches „Alleinstellungsmerkmal“ im internationalen Vergleich (wenn es überhaupt jemals existierte) heutzutage kaum noch vorhanden ist (und wenn überhaupt, dann höchstens als Negativmerkmaltrend)!

  47. Nachtrag, hatte mich verschrieben und auch noch unklar ausgedrückt:
    Norwich ist eine private Militärakademien und The Citadel und VMI sind staatliche, aber zivile Militärakademien.

    Alle drei haben einen hervorragenden akademischen UND militärischen Ruf.

  48. @Koffer
    Ich gelobe ja Besserung, siehe oben! Und ich gehoere ja zu den Guten, denn ich gruesse ja;-) (Vermute mal unsere postings haben sich ueberschnitten).

    Was die Qualitataet anbelangt: die Bundeswehr Unis waren mal in der Lage, weltweit am schnellsten Dipl Ing made in Germany etc auszubilden …. , was aber auch niemand von aussen bewundert hat.

    Hier hoffe ich, dass wenigstens das mal wieder kommt, witzigerweise ist ja durch die Einfuehrung eines niedrigeren Abschlusses BA/MA
    a. die Pruefungsrate/belastung hoeher und
    b. die Studienzeit verlaengert worden.

    Und das gilt verstaerkt fuer die Profs und WiMis! Ein Lehrstuhl an einer normalen Uni ist da deutlich weniger belastet. Und die stoehnen auch alle!

    Da waere ja die Rueckkehr zum alten System ein echter Transformationsgewinn. (Vielleicht ein KVP Vorschlag wert….)

    Ein wahres Highlight des Bologna Prozesses, der m.E. langfristig eher eine Nivellierung von Bildungsabschluessen auf niedrigerem Niveau bewirken wird (deutlich sichtbar an den neuen Dualen Studiengaengen, bei denen sich Firmen ihre BAler aussuchen und durch Bezahlung gleichzeitig impraegnieren….).

    Und die hier regelnmaessig gescholtene Praesidentin der UniBw hat sich persoenlich fuer die Teilnahme der UniBwM an der Excellenzinitiative der Bundesregierung im Bereich Security eingesetzt.

    Die Akademische Welt und die Militaerische Welt sind 2 verschiedene Welten, ich habe aber den daraus entstehenden Spannungsbogen persoenlich aber immer geschaetzt.

    Und wenn Sie ganzheitliche Bildungseinrichtung werden wollen…. kommen Sie massiv in Konkurrenz mit der FueAk oder den Offzschulen…. welches streitkraeftegemeinsame Offiziersbild wollen Sie denn in der Altersgruppe, die gerade in ihrer Truppengattung laufen lernt, pflegen. Ich denke, das fuehrt eher zur Ueberforderung.

    Da kann dann Herr Boecker wieder dazu philosphieren!

    Das Problem der „faulen“ Studenten ist aus meiner Sicht ein reines Problem der Dienstaufsicht des naechsthoeren Vorgesetzten.

    Wenn gute Worte allein nicht mehr helfen… muss halt auch mal der Hammer kreisen. Und machen wir uns nichts vor, die jungen Damen und Herren wuerden in der Truppe dasselbe mit ihren Untergebenen machen, wenn man ihre Befehle missachtet.

    Und die immer so hochgelobte Truppe wartet natuerlich nur darauf, im Sommerquartal (Jul-Sep), studierende Offiziere zu betreuen, die alle irgendwas fuehren wollen/sollen/muessen…., da muessen wir uns als Bundeswehr auch an die eigene Nase fassen!

    Die Vergleiche mit den Akademien im Ausland sehe ich als schwierig an, da spielen m.E. zu viele andere Faktoren als nur die Wissenschaft eine Rolle. In den USA gehoert z.B. zur persoenlichen Beurteilung auch ihr persoenliches Weiterbildungsverhalten und ihr soziales Communityengagement.

    Und darueber hinaus verwischt m.E. die unter Bush begonnene Verdoppelung der US Armed Foces Gov Civilian (von 750.000 auf 1.500000) plus der Kontraktoren, die Messbarkeit der tatsaechlichen Anwendbarkeit /bzw der Relvanz des an diesen Instituten Gelehrten, weil die Absolventen nicht auf dem echten Arbeitsmarkt ankommen.

  49. @Soenke Marahrens
    Natürlich müßte man sich Gedanken machen wie die Lehrgänge und TrKdo im Sommer organisiert werden, aber wenn es das der Truppe nicht „wert“ ist, dann bekommt sie halt schlechtere Offiziere… das kann doch auch nicht die Lösung sein.

    Ob die UniBw in Konkurrenz zur FüAk und zur OSH kommt ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal, solange es nur besser wird als bisher.

    In Hamburg gibt es da derzeit einen sehr engagierten Leiter StudBer der einiges verbessert hat, aber da die STAN nicht angepasst wurde läuft das auf dem Rücken der GrpLtr und ist vermutlich wohl nicht nachhaltig.

    Den Spannungsbogen Militär-Universität könnte man auch inhaltlich besser Nutzen als durch ignorieren des jeweils anderen, oder?

    Das das mit dem Exzellenz-Cluster security nicht geklappt hat, mag auch daran liegen, dass man in den letzten 10 Jahren alle „security“ Lehrstühle in MUC platt gemacht hat…

    und in Bezug auf die „Militär-Akademien“ irren Sie!

    Gerade die von mir erwähnten drei (Citadel, VMI und Norwich) haben einen hohen Anteil an Studenten die unmittelbar im Anschluß NICHT in die Streitkräfte gegen (ich glaube teilweise bis zu 70%). Deswegen sind die Ergebnisse unmittelbar auf dem Arbeitsmarkt zu kontrollieren.

    Für West Point ist das etwas anders, weil hier die Ergebnisse nur um einige Jahre zeitversetzt betrachtet werden und in der Tat auch die militärische Karriere hier „wettbewerbsverzerrend“ (zugunsten) der Allumni, aber auch hier kann man über das Hilfsmittel der in USA recht professionellen Rankings zumindestens erkennen, das auch West Point im vorderen Drittel liegt.

    Kann man das für die beiden BwUni in DEU auch?

  50. @Koffer

    Nach Studium der von Ihnen angesprochenen Akademien, dazu muestte Deutschland (nicht die Bundeswehr) das Wir.dienen.Deutschland verinnerlicht haben! Ansonsten laesst sich das nicht vergleichen!

    Fuer alle ihre Beispiele gilt, die haben den Status, weil man ihnen diesen gesellschaftlich zu gesteht.

    Die von Ihnen angesprochenen (angedachten) Modelle funktionieren nur fuer die Kampftruppen des Heeres, aufgrund deren Auslegung auf „Masse im Sinne von Personal‘ (bitte nicht falsch verstehen, ich spreche keinem Heeresoffizier fachliche Kompetenz ab), fuer die Lw (payloadzentriert) und Marine (Plattformzentriert) laesst sich das so nicht umsetzen:
    Einen Luftwaffenoffizier zum Piloten auszubilden, damit danach im Studium sein Schein verfaellt….unwirtschaftlich,
    einen ATC Controller oder LV Offizier mit den entsprechend notwendigen Lifeflugstunden auszubilden, unwirtschaftlich,
    Seefahrendes Personal ohne Folgepraxis ausbilden, unwirtschaftlich
    Eloka / technisches Personal – Verfall des Fachwissens – unwirtschaftlich usw…, aber alles Offiziere!

    Was die US Rankings anbelangt, kann ich nur sagen, trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefaelscht hast…… und OccupyWallstreet waren im wesentlichen gerade fertige Akademiker ohne Arbeitsplatz mit horrenden Schulden!

    Und in einem Feature des NPR (public radio) kamen erst vor kurzen ehemalige Offiziere zum Wort, die zwar konstatierten, dass
    a. alle spaetestens nach einem Jahr alle einen Job hatten, der aber nicht so bezahlt war, wie man es erwartet hatte,
    b. dass alle Arbeitgeber das Wort Thank you for your Service auf den Lippen hatten, aber keiner etwas mit den militaerischen Kompetenzen (KpChef – Chef fuer 300 Leute) anfangen konnte.

    Ein mir gut bekannter Arbeitgeber in VB drueckte es mal so aus:
    „Soenke, I dont need someone from the US Government/ US Military, who is able to spend a budget, I need someone who is able to earn a budget before he spends it….“

    Frankreich hat quasi eine Mil/Pol/Universitaetskaste….
    fragen Sie mal bei der EADS nach, wie die Anspruchshaltung eines entsprechenen Absolventen bei der Industrie ist….., da macht sich von denen keiner mehr die Finger krumm…. da muss es schon eine Projektleiterstelle als Einstieg sein, wenn nicht mehr!

    Ansehen der Unis in der Truppe

    Als ich mich 1986 bei der Bw beworben habe, hat man mir dringend abgeraten, an der OPZ zu sagen, ich gehe wegen des Studiums zur Bundeswehr. Hat mich aber nicht davon abgehalten die entsprechende Frage, ob ich ohne Studium zur Bw gehen wuerde mit „Nein, dann werde ich ROA und studiere draussen, dafuer bin ich schliesslich 13 Jahre zur Schule gegangen…“ zu beantworten – und es hat geklappt!

    Bevor Sie an der Wertschaetzung von Aussen drehen wuerde ich erstmal an der Wertschaetzung von Innen schrauben:

    Kennen Sie die Abkuerzung : „Udo“ – Unser dummer Oberleutnant usw…..“
    und das obwohl (oder vielleicht gerade deswegen ) 1/3 aller Studienanfaenger an den UniBw’s durchfallen….

    Grundsaetzlich funktioniert derzeit geplanter sozialer Aufstieg/Einstieg durch’s Militaer in Deutschland nicht.

    Ob das gut oder schlecht ist, will ich nicht beurteilen, ich teile aber nicht die im Campus vertretenen Thesen der Notwendigkeit einer Offizierselite sui generis. Die muesste m.E. sich diese mal durch Kompetenz, kluge (nicht holzschnittartige) Befassung mit relevanten Themen usw erstmal gesellschaftlich zeigen, um dann spaeter als solche anerkannt zu werden!

    Das werden Sie mit dem derzeit vorherrschenden System der wen leserbriefschreibenden dann pensionierten Offiziere (und vice versa ) nicht hin bekommen.

    Schauen Sie sich doch mal an, wieviel beim Bendler Blog oder bei Augengeradeaus unter dem eigenen Namen ihre Meinung kundtun…..

    Und wenn Sie die Alumni der UniBw nehmen…. deren Veranstaltungen dienen nur marginal dem Zweck Alumni der Uni der BUNDESWEHR zu sein…., die verfolgen in den Veranstaltungen in der Regel rein wirtschaftliche Interessen.

    Was den Dialog mit der akademischen Seite Professoren / WiMis anbelangt, muss ich Ihren Aussagen aus persoenlichen Erfahrungen fuer Muenchen zumindestens widersprechen. Anrufen, erklaeren, was man will und schon konnte ich mit den jeweiligen Professoren/WiMis sprechen….

    Praktikanten: Vollmitgliedschaft bei XING (auf eigene Kosten, aber das war es wert) und dann Praktikum und UniBw suchen, Vortrag an der Uni halten usw…. gehen tut alles!

    Warum ein 2 monatiges Truppenkommando (Erholungsurlaub steht dem StudOA/Offz auch zu, und ist auch wichtig) bessere Offiziere machen soll, erschliesst sich mir nicht! Das kann auch kein wie auch immer gearteter Verband aufnehmen, soviele „Indianer“ hat die Bundeswehr nicht, um sovielen „Haeuptlingen“ parallel reale Fuehrungsbedingungen in deren spaeterer Verwendung zu ermoeglichen. Und gegenseitige „Bespassung“ in der Peergroup ist kein Ersatz!

    P.S Warum brauchen Sie bei 2100 studierenden Offizieren eine StAN Aenderung, um ihre Ideen zu verwirklichen? Rein rechnerisch stehen Ihnen alleine durch die militaerischen Nachmittage 250 Mannjahre (2100 Offz * 26 Tage / 220 Arbeitstage) jaehrlich zur Verfuegung……

  51. @ Soenke Marahrens

    In Bezug auf die drei (von mir beispielhaft) erwähnten Militärcolleges, gilt nur zum einen Teil, dass gesellschaftliche Renommee eine Rolle spielt.

    Natürlich haben die drei Colleges auch aufgrund des „militärischen Hintergrunds“ einen guten Ruf.

    Aber der springende Punkt ist, dass die drei auch ein ausgezeichnetes AKADEMISCHES Niveau haben!

    Unabhängig davon, wollte ich auch auf einen leicht anderen Punkt hinaus: Die drei Colleges (insbesondere The Citadel und VMI) sind für ihren rigiden Ton und teilweise sogar für üble Schleifersitten bekannt.

    So schlimm, wie es selbst nach meiner in dieser Frage recht „stumpfen“ (Fallschirmjäger-)Meinung in Deutschland nicht angemessen wären. Eine solche Menschenführung wünsche ich mir in Deutschland nicht in meinen übelsten Träumen.

    Dennoch bekommen alle drei Colleges auch hervorragende AKADEMISCHE Leistungen hin.

    Mit dieser Darstellung will ich der alten Mär von der Inkompatibilität von AKADEMISCHEM Niveau und straffer militärischer Disziplin entgegenwirken!

    Natürlich müßte man die Bw-Uni nicht in eine AGA-Kp umwandeln oder in eine Schleiferschule, aber zu behaupten ETWAS mehr Militär und Disziplin würde nicht dem akademischen Gedanken entsprechen ist einfach Unfug!

    Von den angeblichen Unterschiede zwischen Lw/Marine und Heeresoffizieranforderungen an den Charakter und das Selbstverständnis und darauf aufbauend auf die unterschiedliche Reihenfolge in der militärischen/akademischen Ausbildung habe ich noch nie viel gehalten.

    Die Marine hatte lange Jahre auch „Spätstudierer“ und ist damit genauso gut gefahren wie das Heer. Und das Heer hat seit einigen Jahren auch FAC hat das trotzdem nach Heeresgrundsätzen (mehr oder weniger) hinbekommen.

    Natürlich müßte man einen zukünftigen FAC der Lw im Sommer nicht in eine Lw-Versorgungseinheit zum Praktikum schicken, aber militärisch sinnvolle Dinge könnte man auch für den finden.

    Hier ginge es um 6 Wochen im Jahr! (denn vier Wochen Urlaub und zwei Wochen Prüfungsphase müssen abgezogen werden).

    Mit Alumni meine ich nicht die Pseudo-Organisation die wir jetzt haben, sondern einen ECHTE Alumni Gedanken, den wir in der Bw bisher leider nicht haben.

    Das mit dem sozialen Aufstieg durch den Offizierberuf sehe ich anders, aber das ist glaube ich etwas off-topic 😉

    Und warum die Unis eine neue STAN bräuchten?

    Ganz einfach: Bisher wurden viele Aufgaben (Schießen, Ausbildungen, Projekte etc.) durch die OLt des Heeres durchgeführt. Das entfällt in Zukunft.

    Natürlich kann man auch die OA/Offz neuer Art qualifizieren, aber das bedarf entsprechender Ausbilder.

    Darüber hinaus gibt es in HH seit einiger Zeit zusätzliche militärische Ausbildung in erheblichem Umfang (obligatorischen Nahkampf, Ethik-Modul, militärisches Handlngstraining etc.). All das ist gut und ein Schritt in die richtige Richtung.

    Aber da sich die Quote GrpLtr/studOffz nicht geändert hat, ist diese Quote auf die bisherige reine „Verwaltung“ von studOffz/OA ausgerichtet und spiegelt in keiner Weise die neue Qualität der militärischen Ausbildung wieder. Ergebnis ist dass die GrpLtr nicht MEHR Zeit für ihre Soldaten haben, sondern WENIGER.

    Und das vor dem Hintergrund, dass ihre Gruppen wesentlich mehr jüngere OA/Offz haben als früher (weil das Heer ja jetzt auch schon mit 19/20 an die Uni kommt). Alleine dadurch ist der „Betreuungs“/Ausbildungsaufwand eigentlich schon gestiegen und würde nach einer anderen Struktur fordern…

  52. Ich möchte doch noch einmal auf die durch Herrn Stoltenow in seinem Eingangsartikel skizzierten Fragen eingehen. Der Chefredakteur des Campus 02/11, Studentenzeitschrift der BwUni München, Martin Böcker schreibt zum Thema „Staatsbürger in Uniform“:

    „Die Bundeswehr kann keine gute Armee sein, wenn die militärische Führung sie als uniformierte und bewaffnete Zivilisten darstellt, „Staatsbürger in Uniform“ ist ein fragwürdiger Begriff. Es ist die Aufgabe des deutschen Offizierkorps, selbstbewusst auf die Selbstverständlichkeit hinzuweisen, dass der Kampf und die Vorbereitung des Kampfes nicht innerhalb ziviler Logiken erfolgen können, sondern dass eine militärische Berufsethik mitunter ganz andere Paradigmen aufweist, als der zivilgesellschaftliche Konsens (der als solcher für sich hier nicht in Frage gestellt wird).“

    Mit dieser Auffassung steht der Autor ja nicht alleine. Selbst die „liberale“ ZEIT sieht Veränderungen im Berufsbild des Soldaten: „Auch der „Staatsbürger in Uniform“, das mit der Gründung der Bundeswehr vorgegebene Idealbild eines modernen Soldaten, ändert sich im Krieg.“( http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-09/11-september-bundeswehr-folgen/seite-2)

    Nur die Streitkräfte selbst scheinen davon überzeugt, dass der „uniformierte Staatsbürger“ auch im „weltweiten Einsatz“ weiter als Leitbild ausreichend Identifikationspotential besitzt. Wo liegt die Ursache dieser verengten Sichtweise. Ist man davon tatsächlich überzeugt oder scheut man nur die Debatten darüber?

    Ende November übereichten Dr. Bayer und Dr. Gillner dem Kommandeur der FüAk, GenMaj Lidsba ein Buch mit dem Titel: „Soldaten im Einsatz“. In diesem Aufsatzband hat auch Prof. Wiesendahl einen Aufsatz veröffentlicht. Der vielsagende Titel lautet: Von Athen nach Sparta – Die Wiederkehr des Kriegers?

    Es tut sich also doch was. Auffällig ist, dass die kritischen Themen von Zivilisten behandelt werden.

  53. @Politikverdruss
    „Nur die Streitkräfte selbst scheinen davon überzeugt, dass der „uniformierte Staatsbürger“ auch im „weltweiten Einsatz“ weiter als Leitbild ausreichend Identifikationspotential besitzt. Wo liegt die Ursache dieser verengten Sichtweise. Ist man davon tatsächlich überzeugt oder scheut man nur die Debatten darüber?“

    Man scheut die Debatte, weil der Minister sie verboten hat.

    Nachdem es vor einigen Jahren (3-4) erste Anzeichen gegeben hatte, das man auf der politischen Ebene bereit war über eine zeitgemäße „Anpassung“ und „Neuinterpretation“ des Begriffs „Staatsbürger in Uniform“ zu diskutieren, hat der Minister letztes Jahr kurz und eindeutig entschieden: Der Staatsbürger in Uniform hat sich bewährt und bedarf keiner Anpassung.

    Damit war die Diskussion dann auch erledigt bevor sie begonnen hatte 🙁

    Zu Wiesendahl muß man allerdings wissen, dass er ein „Orthodoxer“ ist. Zwar fordert er auch eine Diskussion darüber in wieweit und wiefern der Staatsbürger in Uniform als Leitbild angepasst werden muss. Inhaltlich sträubt er sich allerdings vollumfänglich gegen eine „Militärisierung“ des Militärs…

    Nicht das ich persönlich in irgendeinerweise den geistlosen (!) Kriegertypus befürworte, aber man sollte sich schon überlegen ob ein Soldat von heute, bei allem überzeugten „Bürgertum“ nicht auch (anteilig) Krieger sein muß…

  54. @Koffer

    es existieren ziemliche extreme Unterschiede zwischen einem FAC und einem ATC / LV Controller. Ich habe beide Ausbildungen! Oder warum glauben Sie, ist Fluglotse einer der bestbezahltesten zivilen Jobs in Deutschland?

    Wirtschaftlich geht es mir aber allein um die Anzahl der Flugstunden, die Sie brauchen, um einen ATC/LV Controller „current“ zu halten, damit er arbeiten darf, die Lizenzen verfallen, wenn Sie eine bestimmte Zeit nicht „controllt“ haben, und dann fangen Sie wieder von vorne bei richtig „Null“ an…gleiches gilt auch fuer Piloten…..da macht eine Ausbildung vor dem Studium keinen Sinn, das ist wirklich zu teuer!

    Den Hinweis auf das Schleifertum habe ich mir verkniffen…… aber wenn Sie noch andere Aspekte der so grossartigen US Militaerakademien lesen wollen, dass googeln Sie mal „Missionierung von Lehrgangsteilnehmer durch Vorgesetzte“ und „Sexual Harassment inkl Vergewaltigung durch Lehrgangskameraden“ …..

    Da kann ich bei aller Liebe keine militaerische Disziplin erkennen, da ist mir dann eher noch das von Ihnenn beschriebene deutsches Laissez Faire lieber als aufgesetztes militaerisches Gehabe mit einem Ehrenkult, der nicht traegt, wenn der Vorgesetzte nicht hinguckt.

    Ich habe nie behauptet, dass Akademisches Arbeiten und Militaer nicht zusammenpassen….., aber wie gesagt, „Alleinverantwortlich sein“ schult und sortiert die Spreu vom Weizen!

    Einen Unterschied im Selbstverstaendnis der verschiedenen TSK sehe ich
    schon, aber nicht im grundsaetzlichen Offiziersverstaendnis! Da sind wir einer Meinung!

    Warum koennen Fhj/Fhr/Lt an der Uni kein Schiessen etc organisieren, ausgebildet dafuer werden sie an den OffzSchulen (hoffe ich doch, bei uns war das so, Mist, ich fange jetzt auch schon mit „damals“ an) jeder waechst (und faellt ab und zu ) mit seinen Aufgaben…. man koennte das doch bspw Jahrgsuebergreifend organisieren Lt fuehrt Fhr fuehrt Fhj…. und der Studentische Konvent muss sich ja, als reines Gremiun der Uni, nicht unbedingt am Mi Nachmittage treffen ;-). Und dann gibt es da noch dieses Heer (tschuldigung, Wortspiel) an Studienabbrechern….. dann bildet man die eben weiter zum Militaerischen Experten und nutzt die als Ausbilder an der Uni (die Lw hat diese frueher immer zum ObjSchtzZgFhr in Hammelburg ausgebildet, damit man die danach als Reservisten einplanen konnte, nur so eine Idee, da haetten dann aber alle etwas davon!)

    Das mit dem hoeheren Betreuungsaufwand fuer 19/20 Jaehrige muessen Sie mir mal bei einem Bier erklaeren…

    @Politikverdruss

    Die von Ihnen zitierte Stelle, ist genau diejenige, bei der Herr Boecker m.E dann endgueltig den Faden verloren hatte:

    Es gibt in Deutschland keine Offiziere ausserhalb des Staatsbuergers in Uniform, der Staat (vertreten durch….) ernennt Offiziere aus den Reihen seiner Buerger…… es gibt keinen versteckten deutschen Warriorclan , der dem Staat seine Krieger zur Verfuegung stellt und sich deshalb ausserhalb der buergerlichen Gemeinordnung stellen kann.

    Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln….. (um mal den Altmeister Clausewitz zu zitieren) nicht der Ersatz derselben (durch den Soldaten). Bewaehrung im Kampf ist fuer einen Offizier eine notwendige aber keine hinreichende Bedingung, da bedarf es dann doch noch etwas mehr!

    Warum sehen Sie ein Problem, wenn sich Zivilisten mit dem Thema auseinandersetzen? Dr Gillner ist Theologe und ich denke mal dadurch viel tiefer zu einer intellektuellen Auseinandersetzung mit den Thema faehig, als es ein erlebender „Anwender“ sein kann…. ….wenn ich es auf die Spitze treibe, loest sich der vermeintliche Widerspruch Zivilist – Soldat sogar im Staatsbuerger in Uniform auf….

    Und die These Athen nach Sparta (ohne den Aufsatz jetzt gelesen zu haben, ich werde mir das Buch aber bestellen) wird m.E erst dann interessant, wenn dort auch der Weg von Sparta nach Athen beschrieben wird….

    P.S. Vielen Dank fuer die interessante Diskussion!

  55. P.S. II Assa von Cram hatte ja auch Luther und nicht seinen Chef gefragt 😉

    Ich hatte das Vergnuegen, dies beim damaligen Kollegen von Dr Gillner, Dr Stuemke an der FueAk lesen und bearbeiten zu duerfen ….

    http://www.alles-fuer-den-offizier.de/index.php?option=com_jdownloads&Itemid=194&task=view.download&cid=9

    Und General Schneiderhan erwartete hierzu ja auch Antworten von Frau (damals noch Bischoefin) Kaesmann und nicht von der Generalstagung der Bundeswehr!

  56. @Koffer,
    ich greife mal Ihre Aufforderung zu weiteren „Überlegungen auf.

    Zunächst einmal beantworten Sie dankenswerter Weise meine Frage, warum Zivilisten diese Fragen aufwerfen und nicht Soldaten. Es ist das übliche „Sprechverbot“ der politischen „Führung“, die aber immer wieder vergisst, dass Denkverbote nicht möglich sind. Ein Verbot, dem von Seiten der militärpolitischen Führung nicht widersprochen wird! Dass das alles so widerspruchslos hingenommen wird, ist schon verwunderlich. Da war früher mehr los (Leutnante 70/Hauptleute von Unna etc.). Aber ich will mich jetzt nicht in dieses Thema verbeißen.

    Wo liegt eigentlich das Problem? Es liegt meiner Auffassung nach an dem übergangslosen Wechsel von der Landesverteidigung zum „weltweiten Einsatz“. Ich will an dieser Stelle auch gar nicht auf die Ursachen eingehen. Es klang schon an anderer Stelle an, es hängt u.a. mit dem Aufkommen der völkerrechtlichen „Schutzverantwortung“ zusammen. Wir wollen aber nicht vom Thema abgleiten.

    Es gilt die soldatischen Binnenfaktoren zu stärken als Ersatz für die fehlende Unterstützung der Gesellschaft. Denn fragen man muss doch, was geben unsere Volksvertreter „ihrer Parlamentsarmee“ eigentlich mit auf dem Weg in die schweren Einsätze? Ein jahrelanges Durchwinken der Mandate, immer darauf bedacht, dass dabei bloß keine mehrheitsgefährdende Diskussion aufkommt. Einfach beschämend. Daraus lässt sich doch kein „Geistiger Überbau“ ableiten, der den Soldaten Halt und Motivation vermittelt in den schwierigen Zeiten der Einsätze.

    Einen solchen „Geistigen Überbau“ fordert Prof. Dr. Wiesendahl. Ganz scheint man sich nicht an das ministerielle „Sprechverbot“ zu halten. Das Thema ist am 15.Nov. 2011 in der „Häschengrube“ der Hauptbibliothek der Helmut-Schmidt-Universität diskutiert worden( http://www.hsu-hh.de/studbereich/index_NGO0GYhbZTtoUf5w.html)

    „Die Innere Führung“ leide „gerade bei jüngeren Offizieren unter enormen Glaubwürdigkeitsverlust.“ „Strukturwandel“ so Prof. Wiesendahl „ müsse mit Kulturwandel verbunden sein!“ Den vermisse man und deshalb „machten sich gerade jüngere Offiziere auf der Suche nach einem Selbstbild, mit dem sie das Sinnvakuum füllen könnten.“

    Ob diese neuen Denkansätze Richtung „Sparta“ oder „Athen“ zeigen würden, „dass sei nun die Frage.“ Athen steht dabei für eine Sicherheitspolitik, bei der der Soldat als ein miles protector, „ein militärischer Ordnungshüter“, auftrete. Der Richtung Sparta weisende Ansatz ginge davon aus, dass der „Krieg zurückgekehrt sei“ und der „Kampf damit im Vordergrund stünde.“ Dies spräche mehr für den miles bellicus. Ein Soldat, der das Primat der Politik akzeptiere und dort kämpft, wo die Politik ihn einsetzt.

    Also, der alte „uniformierte Staatsbürger“ steht gar nicht mehr zur Diskussion. Wohin nun führt uns dieser Weg? Und kaum ist diese Frage gestellt, da man hat schon wieder die Argumente derer im Ohr, die das Aufleben einer „kriegerischen Tradition“ befürchten oder ein „Staat im Staate“ und die es lieber sehen, wenn tapferere Krieger mit einem „Bambi“ ausgezeichnet werden. In einer Zeit, in der der Staat sich längst in den Fängen der Banken- und Finanzwelt verfangen hat. Also Sparta oder Athen, das ist hier die Frage.

  57. @Politikverdruss

    Mal ein paar Ketzerfragen

    1. Glauben Sie wirklich, dass die ‚Spartaner“ zufrieden gewesen waeren, wenn die Bundesrepublik Deutschland (Regierung und Parlament) aufgrund der in der Oeffentlichkeit nachweislich vorherschenden Meinung ihre Soldaten aus Afghanistan zurueck gezogen haette, wie es andere gemacht haben?

    Hat nicht gerade Berlin gezeigt (Athen) gezeigt, dass es trotz anderer Meinung der Oeffentlichkeit bereit ist, fuer seine grundsaetzlichen Ueberzeugungen einzutreten?

    2. Haben es nicht die „Spartaner aller Dienstgrade“ zu vertreten, dass trotz erkennbarer Luecken zwischen Auftrag und Mittel, der Auftrag trotzdem angenommen wurde ….. (Armee im Einsatz klingt besser als Friedensarmee)

    3. Was heisst „Juengere Offiziere“ in diesem Zusammenhang?

    Spartaner, Athener?????

    4. Wie steht es bei diesen um die soldatischen Grundtugenden?

    Gradlinigkeit, Ehrlichkeit? Nur das versprechen, was man auch wirklich einhalten kann….letzteres ist schwieriger als ersteres, Befehle nicht nur durchzureichen, sondern diese fuer die eigene Umgebung umzusetzen und deren Durchfuehrung einzufordern?
    Wann man dann noch den Artikel 1 GG mit umsetzt, sind wir beim Leitbild der Inneren Fuehrung.

    Es bedurfte eines zivilen Ministers, um nur das DIENEN wieder in den Vordergrund zu stellen.

  58. Ich probiere mich mal daran diese spannenden 60 Kommentare etwas einzudampfen und die Thesen herauszustellen. Ich denke die Diskussion hier hat großes Potential einmal unterschiedliche Zugänge zum Selbstverständnis des Offiziers darzustellen, die sicher noch weitergehender Erörterung bedürfen.

    Ausgegangen waren wir von einem Artikel aus München, in dem die Unipräsidentin sagte, mit dem Studium stünden den Offizieren nun die wichtigsten Monate ihrer Ausbildung bevor.

    Daran knüpfte sich die Frage an, ob dem so sei.

    Komplex a) Relative Bedeutung zwischen Studium (zivilen Inhalts) und militärischer Ausbildung.
    Thesen dazu:

    a)1) Das Studium ist der wichtigste Teil der Offiziersausbildung, weil es für viele Offiziere überhaupt erst der Grund ist, Zeitsoldaten zu werden.

    a)2) Das Studium ist der wichtigste Teil der Offiziersausbildung, weil das akademische Denken heute wesentlicher Bestandteil der charakterlichen Eigenschaften von Führungspersonen im Einsatz sein sollte.

    a)3) Studium und militärische Ausbildung stehen beide gleichrangig nebeneinander.

    a)4) Die militärische Ausbildung muss Vorrang vor dem Studium haben. Sie macht den Soldaten und Offizier aus. Akademische Bildung ist nice-to-have.

    Als weiteren Komplex steht die Frage im Raum, wozu es bundeswehreigener Universitäten bedürfe.

    b)5) Die UniBWs müssen eigenständig sein, weil auch die akademische Bildung im Rahmen des soldatischen Dienstes abzulaufen hat.

    b)6) Die UniBWs werden benötigt, da das Trimesterstudium schneller und somit effizienter ist.

    b)7) Die UniBWs sind unnötig, erlauben sie dem Offizier doch keine richtige akademische Universitätsausbildung, sondern nur eine eingeschränkte Version, weil er nicht aus dem ‚Mikrokosmos‘ Bundeswehr herausgenommen studiert.

    Dritter Fragenkomplex ist, wie man grdsl. einen Wehrdienst strukturieren sollte.

    c)8) Das bisherige Verfahren militärische Ausbildunge -> Studium B/M -> Dienst ist sinnvoll und sollte beibehalten werden.

    c)9) Der Master sollte getrennt vom Bachelor ans Ende de Studiums gestellt werden.

    c)10) Das Studium sollte komplett vor dem eigentlichen Dienst in den Streitkräften erfolgen.

    Vierter und letzter Fragenkomplex ist das Selbstverständnis des deutschen Offizierskorps und der UniBWs

    d)11) Offiziere sind etwas besonderes in der Gesellschaft. Die jungen Offiziere müssen stärker darauf getrimmt/ausgebildet/ausgesucht werden ihre besondere Stellung in der Gesellschaft zu verinnerlichen und sich entsprechend zu verhalten.

    d)12) Offiziere sollten primär Kämpfer sein.

    d)13) Offiziere sollten primär Akademiker und Administratoren sein.

    d)14 Die Bundeswehruniversitäten sollten sich primär als freie Hochschulen sehen.

    d)15 Die Bundeswehruniversitäten sollten sich primär als Militärische Ausbildungsstätten und als Teil der Streitkräfte sehen.

    Weitere Thesen zu ergänzen, oben genannte Thesen zu ändern?

  59. Zu 11

    Ich bin kein Fan des sui generis…..

    Offiziere koennen etwas besonderes werden..aber als Selbstlaeufer? Da sind mir 3 Tage Auswahl in der Mudra Kaserne etwas zu wenig!

    Zu 13 Was ist ein Administrator???? Und wo kommt die These her? Von mir nicht?

  60. @ Soenke Marahrens

    Der Soldatenberuf (nicht der Offizierberuf!) ist deswegen ein Beruf sui generis, weil er als einziger in letzter Konsequenz das „fremdes Leben nehmen“ und das „eigene Leben opfern“ beinhaltet.

    (Natürlich gibt es noch weitere Aspekte wie die weitgehende Einschränkung von Grundrechten, die in diesem Umfang nur noch bei Strafgefangen anzutreffen ist, die besondere, gesetzliche geforderte Kameradschaftspflicht, eine strafrechtlich bewehrte, einzigartige Gehorsamspflicht etc. etc.. Aber im wesentlichen sind dies alles Ausflüsse des Leben Nehmens/Opfer gebens).

    Das hat nichts mit dem Dienstgrad (und erst recht nicht mit der OPZ) zu tun.

  61. Es geht gar nicht um Verurteilung oder Schuldzuweisung. Diese rückwärts gewandte Betrachtung führt nicht weiter, sondern verstellt nur den Blick auf den Erneuerungsbedarf.

    Es geht doch zunächst darum anzuerkennen, dass sich wesentliche Bestimmungsgrößen der Inneren Führung gewandelt haben. Dazu gehört die ausgesetzte Wehrpflicht, deren Ausübung bisher „besonderer Ausdruck“ dafür war, dass der Staatsbürger soldatischen Pflichten für das Gemeinwesen übernahm. Auch die Landesverteidigung steht nicht mehr im Vordergrund.“ Eine unmittelbare territoriale Bedrohung Deutschlands mit konventionellen militärischen
    Mitteln ist unverändert unwahrscheinlich.“ (VPR 2011) Und schließlich drittens sind anstelle der Landesverteidigung nun „weltweite Einsätze“ getreten.

    Es sollte doch einleuchten, dass man in puncto Leitbild nicht einfach mit einem „Weiter so“ („IF hat sich bewährt“) auf die grundlegenden Veränderungen reagieren kann.

    Insgesamt ist doch die sicherheitspolitische Ausrichtung Deutschlands ist sehr diffus. Bestes Beispiel Libyen. Welche Grundlagendokumente haben wir denn?? Das fünf Jahre alte Weißbuch und die VPR vom letzten Jahr. Beides sind Ressortgrundlagen. Nichts trägt den Kopf der Bundesregierung. Und wenn Sie schon nach „Überzeugungen“ fragen, Herr Marahrens, dann scheint eins doch klar, man weiß nicht so genau, zu welchen Überzeugungen die Bundesregierung steht. Selbst staatliche Interessen bleiben auf unterschiedlichsten politischen Feldern häufig im Vagen. Eine nationale Sicherheitsstrategie, das wäre doch mal was. Aber darüber müsste dann ja öffentlich debattiert werden. Will man das? Ich glaube, eher nicht. Na ja, und ihr an die „Spartaner“ gerichteter Vorwurf, sie, die Spartaner, hätten Aufträge trotz „ erkennbarer Lücken zwischen Auftrag und Mittel angenommen“, ist schon ein wenig merkwürdig. Hatten die denn eine Wahlfreiheit? Auch der „Spartaner“ akzeptiert die Vorrangstellung der Politik und steht loyal zu seiner Regierung.

    Mit den Tugenden sprechen sie ein interessantes Thema an, das uns vielleicht weiterführt. In der Öffentlichkeit wird hier ein Wandel wahrgenommen. „Tapferkeit im Gefecht wird zur soldatischen Tugend“, titelt die ZEIT (http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-11/bundeswehr-orden-gefecht) „Tapferkeit ist die menschliche Fähigkeit,… einer schwierigen Situation furchtlos entgegenzutreten, meist mit der Überzeugung, für etwas Übergeordnetes zu kämpfen.“ Das tun unsere Soldaten in Afghanistan zweifelsfrei. Sie tun dies, auch wenn die überwiegende Mehrheit ihrer Mitbürger diesen Krieg ablehnt. Eine wirklich schwierige Lage. Aus welchem Leitbild heraus schöpfen sie nun Kraft für ihr Tun. Aus dem Leitbild des Staatsbürgers in Uniform, der aber gar keine Uniform mehr tragen will und den Krieg ablehnt. Mich überzeugt das nicht. Es muss die Kluft überbrückt werden zwischen einer pazifistischen Gesellschaft und den Soldaten, die im Auftrag der Politik auch dann Krieg führen, wenn der Krieg von der Gesellschaft abgelehnt wird. Die Bundeswehr soll „Spiegelbild der Gesellschaft“ sein. Ja, wenn das so wäre, dann, Herr Marahrens, hätten die „Spartaner“ den Auftrag wohl gar nicht angenommen. Damit ist doch offenkundig, dass eine Leitbildfunktion aus der Mitte der Gesellschaft heraus kaum möglich ist. Es wäre doch verlogen, wenn man so etwas konstruieren wollte, nur um bei einem „Weiter so“ bleiben zu können. Ich sehe da, ebenso wie die ZEIT, nur eine Rückbesinnung auf soldatische Tugenden. Damit verliert die Konzeption der „Inneren Führung“ nicht ihre Bedeutung. Und für die Soldaten wird ein unerträgliches Spannungsfeld abgemildert, dass sie für eine Sache kämpfen müssen, die von der Gesellschaft, aus der sie kommen, abgelehnt wird.

  62. @Koffer

    Was den Soldatenberuf anbelangt, bin ich ja mit Ihnen einer Meinung. Mir geht es um dem daraus u.a. fuer Herrn Boecker erwachsenden Anspruch, dass damit alle Offiziere auch automatisch Elite sind. Hier fordert es meines Erachtens dann doch mehr.

    @Politikverdruss
    Ich folge Ihrer Kritik zu den Grundzuegen der IF so nicht, ich sehe mich, und habe mich immer, obwohl ich von vorneherein SaZ gewesen bin, auch als Staatsbuerger in Uniform gesehen. (Und damit stehe ich zumindest im Gegensatz zu General Schnez..).

    Und wie Sie richtigerweise schreiben, ist die Wehrpflicht ja nur ausgesetzt, damit besteht die Pflicht als solche weiterhin fuer alle Staatsbuerger. Damit fehlt diese Grundlage nicht.

    Ich wuerde die deutsche Gesellschaft auch nicht als pazifistisch bezeichnen, ich sehe sie – im Gegensatz zur deutschen Politik, der Bundestag diskutiert das Thema ja regelmaessig -, nur als derzeit uninteressiert an diesen Themen, da sie (die Gesellschaft) sich anscheinend derzeit davon persoenlich unbetroffen fuehlt und somit an dieser damit anscheinend „generischen“Diskussion“ zu SiPo kein Interesse hat.

    Das reicht m.E. noch nicht fuer eine Aussage „Sie sei pazifistisch“, da dies m.E. bedeutet, dass jemand trotz ihm persoenlich entgegengebrachter Gewalt, weiterhin willentlich selbst auf die Ausuebung derselben verzichtet.
    Und dafuer bereit ist die daraus entstehenden Konsequenzen fuer sich selbst zu tragen. Und dieses Individualverhalten ist schwierig auf Gruppen zu uebertragen.

    Demgegenueber kommt der Staat kommt weiterhin seiner Aufgabe der Sicherheitsvorsorge fuer seine Buerger nach.

  63. Herr Marahrens,die ZEIT erklärte Mitte letzten Jahres zum Thema Pazifismus in Deutschland:

    „Dann ergeben sich zwei unerquickliche Einsichten. Erstens: der radikale Pazifismus. Er charakterisiert noch immer die deutsche Mehrheit, aber auch die Intellektuellen dieses Landes, und dieser Pazifismus ist nichts anderes als das Pendant des ehemaligen Militarismus.“ http://blog.zeit.de/joerglau/2011/08/09/was-am-deutsche-pazifismus-faul-ist_4998

    Und der Pionier der deutschen Friedensforschung, Prof Ekkehart Krippendorff stellt in diesem Zusammenhang für Deutschland fest: „Denn die Konstante einer mehrheitlichen Militär- und Kriegsverweigerung seit 1945 war und ist noch immer weitgehend ungebrochen.“

    Der Historiker Wolfram Wette formulierte, das „Fundament einer gesellschaftlich breit verankerten Mentalität der Friedfertigkeit, die es so in Deutschland früher nicht gegeben hat.“

    Und schließlich klagte der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, es sei „auf Dauer nicht tragbar, dass ständig Umfragen veröffentlicht würden, in denen sich die Mehrheit gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr ausspreche: Nur noch 13 Prozent hielten diesen für sinnvoll.“

    Belege für eine breit angelegt pazifizierte Gesellschaft gibt es zu Hauf. Darüber sollte Einvernehmen bestehen.

  64. @Politikverdruss
    Und welche Form praktiziert die breit pazifizierte Gesellschaft denn nun?
    Entschuldigung, aber Die ZEIT ist bei weitem nicht der Weisheit letzter Schluss.
    Für mich ist der in Deutschland am liebsten gewählte Pazifismus die Form des „scheinheiliger Pazifismus“ (gibt es nicht, weiss ich, ist aber die für mich am besten passende Formulierung). Viel zu oft wird es sich in diesem Land zu leicht gemacht, damit sich entsprechenden Debatten über Strategie usw nicht gestellt werden muss. Verstecken vor unangenehmen Themen und Diskursen die mitunter das gemachte Nest etwas durcheinander bringen würden.

  65. Bei der Analyse der Umfrage hier im IF-Magazin http://goo.gl/jx2Nv liest sich aus dem Bereich „Generelle Bewertung“ heraus, das Akademiker grdsl. eher gegen die Bundeswehr eingestellt seien. Ich habe noch keine Antwort von dem Magazin erhalten, ob ich die Studie die Grundlage für den Artikel war bekommen kann, daher bin ich vorsichtig ob nicht auch nur der Redakteur sich dünn ausgedrückt hat…

    Ich werfe aber mal den Punkt Hochschulwerbung in die Runde. Mit „Werbung“ meine ich dabei nicht PersonalANwerbung, sondern MissionPR. Wieso schafft es die BW nicht, an den Unis Leute für Diskussionen und Vorträge zur Verfügung zu stellen. Es muss ja nicht gleich die rhetorische Granate wie v. Uhm sein. ( http://youtu.be/gHX5lAslnTc ) An den meisten (nicht allen!) Unis dürfte es möglich sein, solche Diskussionen anzuleiern um gerade bei Politik- und Staatswissenschaftlichen Fakultäten Input zu liefern. Peacekeeping steht bei allen IBlern und Völkerrechtlern auf der Agenda. Häufig, so zumindest meine Erfahrung, ist das Problem der Dienstvorgesetzte bei der BW, der einen „offiziellen“ Vortrag nicht genehmigt. Auch hier wären Konzepte nötig.

  66. @ Soenke Marahrens

    Sie meinen, ich hätte den Anspruch, ALLE Offiziere seien automatisch „Elite“. Woher nehmen sie diese Erkenntnis?

  67. @NMWC,
    für die Beantwortung unserer Frage, ob das „Leitbild vom Staatsbürger in Uniform“ in einer Zeit „weltweiter Einsätze“ noch Tragkraft besitzt, ist es unerheblich, welche Form des Pazifismus in unserer Gesellschaft bevorzugt wird. Entscheidend ist die Frage, ob aus einer pazifistischen Gesellschaft heraus ein Leitbild für Soldaten entstehen kann.

    Ich bin gerne bereit, mit Ihnen auch über den Pazifismus zu diskutieren, bitte Sie aber, sich zunächst einmal der von mir aufgeworfenen Frage zuzuwenden. Ihre Meinung würde mich interessieren.

  68. @Martin Boecker

    weil Sie das in Ihrem Artikel im Campus so schreiben. Sie reden vom Offizierkorps in Gaenze.

    @David Ermes
    Die Frage ist doch, was Sie dort diskutieren wollen? Die Inhalte des Peacekeepings, die Auswirkung oder die Mandatierung???? Oder oder? Fuer die sicherheitspolitische Dimension koennen Sie sicher einen Jugendoffizier bekommen, fuer eine Diskussion um Vernetzte Sicherheit wird es dann schon schwieriger einen „offiziellen“ Vortrag zu halten, wenn soll denn der (arme) Soldat da vertreten? Das AA, das BMI, das Entiwcklungshilfeministerium…..,

    @Politikverdruss

    Ich sehe es so wie NWMC….. ich glaube nicht an einen institutionalisierten Pazifismus in der deutschen Gesellschaft. Und was das Leitbild des Staatsbuergers in Uniform anbelangt, wenn man Ihrer Logik (und damit der Frage danach folgt folgt, haette das Leitbild des Staatsbuergers in Uniform aufgrund echter pazifistischer Tendenzen in Deutschland in den 1950/60 Jahren (Meinem Vater hat die Kriegsgeneration in seinem kleinen Dorf in Norddeutschland Schlaege angeboten, als es heraus kam, dass er sich 1955 bei der Bundeswehr beworben hatte) nie zum tragfaehigen Leitbild aufwachsen koennen. Ist es aber!

    Und der Staatsbuerger, obwohl er sich mehrheitlich gegen Afghanistan ausspricht . laesst dies nicht an den Soldaten aus.

    Ich sehe derzeit auch die Notwendigkeit einer nationalen Sicherheitsstrategien nicht so zwingend wie Sie das sehen…
    Deutschland hat keine den USA, UK und Frankreich vergleichbaren sehr konkreten Sicherheitsinteressen (u.a. das die USA as the biggest kid on the block sind, oder UK und Frankreich, die ausserterritoriale Gebiete besitzen), damit ist im Moment ein fallweise Befassung des Parlaments ohne irgendwelche „verdrahteten“ Automatismen aus meiner Sicht ausreichend und bisher auch jeweils zielfuehrend gewesen. Die in der Oeffentlichkeit strittig diskutierten Entscheidungen koennen Sie an Personen festmachen, da haette Ihnen eine Strategie auch nicht geholfen.

  69. @Politikverdruss
    Natürlich kann dieses Leitbild in einer solchen Gesellschaft entstehen. Ausser ich habe eine restriktiv pazifistische Gesellschaft, in der es keine! Soldaten gibt und in der jegliche! Gewalt abgelehnt wird. Die Frage nach der gewählten und gelebten Form des Pazifismus innerhalb einer Gesellschaft lässt sich m.E. hier nicht in Gänze ausblenden.

    Soldaten brauchen ein starkes Leitbild (nicht aus der Sendereihe: „Well, the Code is more like guidelines“), aber dieses Leitbild muss ebenfalls genug Flexibilität besitzen, dass der Einzelne sich dort wiederfinden kann. Für mich! besitzt das Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“ genug Potential und Anpassungsfähigkeit, um den Herausforderungen weltweiter Einsätze begegnen zu können.
    Ich teile, die Kritik, dass mitunter sehr steif und unflexibel damit umgegangen wird bzw. ein Diskurs in gewisser Weise verhindert wird. Dies ist m.E. aber ein Generationenproblem, welches sich allein schon „biologisch“(nicht so krass gemeint wie es sich anhört) lösen wird.
    Der „Staatsbürger in Uniform“ ist doch nun nicht unveränderbar in Stein gemeisselt und die Möglichkeit Neuerungen einzubringen ist doch nicht unter Androhung von Strafe verboten? Ich erwarte viel mehr von den einsatzerfahrenen Generationen, sich diesem Diskurs zu stellen und die neuen Herausforderungen in das Leitbild einfliessen zu lassen.
    Das Thema Elite, als Ersatz für diesen Diskurs und die Anpassung, sehe ich äußerst kritisch. Zu sehr schwingt mir! da der Wunsch nach Beachtung wie damals zu Kaisers Zeiten mit.
    Aber da treffen viele Dinge aufeinander. Selbstverständnis, Leitbild, mitunter häufig Rechtfertigung und die Suche nach dem Sinn. Wenn ich aber den Weg der Überprüfung und Anpassung/Stärkung (Veränderung ist für mich auch die Chance der Stärkung) des Leitbildes beschritten habe, kann jeder Soldat sich sein Selbstverständnis ableiten und dies dann auch offen kommunizieren.

    Ich für meinen Teil habe das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform für mein Selbstverständnis zum Beispiel wie folgt umgesetzt (in Anlehnung an „Once a Marine, always a Marine“):
    Ich bin Marineoffizier! Auch wenn ich nicht mehr aktiv bin, maximal als Reservist. Diese Sozialisation werde ich niemals ablegen.
    Dies mal nur als kleine Anekdote bzw. Einordnung meiner Meinung/Sicht der Dinge.

  70. @NMWC, vielen Dank für Ihre Ausführungen. Wenn Sie davon sprechen, dass das Leitbild vom Staatsbürger in Uniform „nicht in Stein gemeißelt ist“, dann kann ich Ihnen nur zustimmen. In diesem Sinne ein paar weiterführende Gedanken.

    „Anders als bisher wird diesmal mit der Aussetzung der Wehrpflicht ein historischer und gesellschaftlicher Bruch vollzogen.“ Zu diesem Ergebnis kommt General a.D. Kujat (APuZ 48/2011). Weiter sagt er, „…die Bundeswehr wird eine andere werden. Sie wird nicht mehr das ganze Spektrum der Gesellschaft repräsentieren, sondern nur einen Ausschnitt davon.“(FAZ 10.01.12)

    Dies alles zeigt doch,die sicherheitspolitischen Veränderungen gehen eben nicht spurlos an der Inneren Führung(IF) vorbei. „Die Innere Führung (erfordert) fortwährend einen Abgleich mit der sicherheitspolitischen Realität, und die wirft Fragen auf.“ So die FAZ vom 10.01.12. Schaut man sich im Lexikon der IF die Ausführungen zum Begriff des „Staatsbürgers in Uniform an, heißt es dort u.a.:“ Der Gedanke, dass jeder Soldat ein Bürger, jeder Bürger ein Soldat sein sollte geht auf Ideen der Französischen Revolution zurück. Der Staatsbürger in Uniform ist seit der Veröffentlichung des Handbuchs Innere Führung (1957) das Leitbild zur Umsetzung der Inneren Führung.“ Ist dieser Gedanke aufgrund des oben beschriebenen „historischen und gesellschaftlichen Bruchs“ noch aufrechtzuerhalten? Wohl kaum!

    Wie weit die Entfremdung zwischen Gesellschaft und Truppe schon reicht, ist inzwischen recht gut an dem neuen Konzept des militärgeschichtlichen Museums in Dresden abzulesen. Im Sommer 2011 titelte die FAZ dazu: „Antikriegsmuseum der Bundeswehr in Dresden“. Ich habe Soldaten dazu befragt, was sie denn davon halten, dass sie aufgrund eines Parlamentsbeschlusses an einem (Bürger)-Krieg teilnehmen, während die „eigenen Kameraden“ an der Heimatfront ein Antikriegsmuseum eröffnen.Mit ungläubigem Staunen und Abwendung reagierte man darauf.Glaubt man wirklich, dass das auf jene, die im Kampf stehen, nicht ein „wenig irritierend“ wirkt. Glaubt man wirklich, dass Oberst Klein auf dem Höhepunkt der medial-gesellschaftlichen Hetzjagd gegen ihn, Kraft aus diesem Leitbild geschöpft hat. Glaubt man wirklich, dass sich die Truppe in Afghanistan, die der Politik eine kampfkräftige Ausstattung erst mühsam abringen musste, in schwieriger Lage auf dieses Leitbild abstützt. Begreift man nicht, wie breit die Kluft zwischen der „bunten Spaßgesellschaft“ und der kämpfenden Truppe bereits ist? Oder will man nur nicht darüber sprechen?

  71. @NMWC
    „Das Thema Elite, als Ersatz für diesen Diskurs und die Anpassung, sehe ich äußerst kritisch. Zu sehr schwingt mir! da der Wunsch nach Beachtung wie damals zu Kaisers Zeiten mit.
    Aber da treffen viele Dinge aufeinander. Selbstverständnis, Leitbild, mitunter häufig Rechtfertigung und die Suche nach dem Sinn.“

    Ich erkenne viel Kluges in dem was Sie schreiben, aber hier muss ich HEFTIG widersprechen!

    Wer sich einem sich einer konstruktiven und positiven Diskussion über eine Elitebild verschliesst, der fördert die Herrschaft des Mittelmaßes und der Gleichgültigkeit.

    Und ich glaube DAVON haben wir in DEU und in der Bw genug, oder?!

  72. Herr Marahrens, nein, ich habe nicht behauptet, der „Offizierkorps in Gänze“ sei „automatisch“ Elite. Das wäre genau so hanebüchen, als wenn ich behauptete, jeder Fluglotse sei automatisch Teil der gesellschaftlichen Elite.

    Ich zitiere mich selbst:

    „Das [die Beteiligung des Offizierkorps am öffentlichen Diskurs] beinhaltet gleichzeitig den Appell für den Anspruch, als Offizierkorps die Anwärter für eine gesamtgesellschaftliche Elite zu stellen – so wie auch Journalisten, Gewerkschafter, Politiker und Unternehmer das tun.“ (CAMPUS 02/11, S.3)

    „Dazu müssen deutsche Offiziere aus dem Schatten der reinen Funktions-Elite heraustreten und die Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs beanspruchen, in Teilen also selbst Elite werden.“ (ebd., S.7)

  73. @Politikverdruss
    Danke für das Zitat von Wolfram Wette, in dem dieser mit der Behauptung einer „gesellschaftlich breit verankerten Mentalität der Friedfertigkeit, die es so in Deutschland früher nicht gegeben hat” eine seine Arbeit grundsätzlich in Frage stellt. Schließlich hat er erst kürzlich ein Buch über „Militarismus“ in Deutschland veröffentlicht, in dem er noch glatt das Gegenteil behauptet hatte. Sein Militarismus-Begriff war dabei aber so flexibel bzw. so grenzenlos definiert, das schon die Frage, ob die Bundeswehr angemessen für den Einsatz ausgebildet sei, bei ihm als „militaristisch“ galt. Wette entlarvt seine Arbeit somit erneut als plumpen Aktivismus, mit dem er die von ihm mitgeschaffenen Verhältnisse durch beständig aufrechterhaltenenen Druck gegen vermeintlichen „Militarismus“ zementieren will.

    Was den akademischen Bereich angeht, unterscheide ich zwischen publizierter Meinung (fast 100% von dem, was z.B. Studentenvertretungen veröffentlichen, ist direkt bundeswehr- und soldatenfeindlich), wissenschaftlicher Arbeit (dort kann man m.E. tatsächlich von einem institutionellen Pazifismus sprechen/die Frage, wie man z.B. einen Krieg gewinnen kann, wird in Deutschland erst gar nicht untersucht bzw. gilt als grundsätzlich illegitim) und individueller Meinung von Studenten. Hier wird dem individuellen Soldaten nach meiner Erfahrung durchaus verbreitete Sympathie entgegengebracht, solange er als Opfer wahrgenommen wird. Ich habe zudem viel Neugier und die Erwartungshaltung angetroffen, aus erster Hand und im kleinen Kreis zu hören, „wie es wirklich ist“. Offenbar vertrauen viele Studenten weder amtlichen Darstellungen noch den abgedroschenen Sprüchen der Aktivisten.

  74. Lieber Herr Boecker

    um das jetzt nicht eskalieren zu lassen, ss mag sein, dass Sie es anders gemeint haben, es steht dort so aber nicht, lasssen Sie mich dazu ein bisschen ausholen.

    Den von Ihnen oben zitierten letzten Satz ihres Artikel hatte ich persoenlich schon nicht verstanden, als ich ihren Artikel gelesen habe.

    Wieso nehmen nur Eliten in Deutschland am gesellschaftlichen Diskurs teil? Stuttgart 21, die Antiatomkraftbewegung, aber auch der Bundeswehrverband zeigen ja gerade das Gegenteil. Hier agieren demokratische Kraefte (im Sinne der Volksherrschaft, des demos kratein ) und eben nicht Eliten.

    Und selbst dann bedeutet ihr Satz, – das dort beschriebene Heraustreten deutsche Offiziere (nicht einzelner ) Offiziere in eine Elite – ja nur die Bildung einer Meta Elite…. und aendert nichts an dem von Ihnen formulierten Elite Status aller Offiziere.

    Und hier beziehe mich auf S.8,

    Und da steht „Das Offizierkorps nimmt unter den Funktionseliten eine herausragende Stellung ein, denn der soldatische Eid [usw] “

    Logisch formal inkorrekt halte ich hier schon ihre Funktions Eliten Ableitung aus dem soldatischen Eid – dies ist kein Alleinstellungsmerkmal fuer Offiziere…. den schwoeren u.a. auch die Unteroffiziere.

    Im folgenden schreiben Sie von einer militaerischen Elite, die sich selbst an den Rand der Gesellschaft gestellt hat. Ein Gedanke, der MIR persoenlich als Staatsbuerger in Uniform und Offizier ueberhaupt nicht kommt. Aber das ist meine persoenliche MEinung

    Spaeter adressieren Sie das das deutsche Offizierkorps eine zivile Ethik uebernommen haette, die [ihres Erachtens nach] einer militaerischen Pragmatik widerspricht.

    Eine starke Behauptung gegenueber Ihrer eigenen Peergroup, wobei mir darueber hinaus auch rein wissenschaftlich nicht klar ist, wie man Ethik (als die Lehre bzw. Theorie vom Handeln gemäß der Unterscheidung von gut und böse. Gegenstand der Ethik ist die Moral) und Pragmatik (bezeichnet ganz allgemein die Orientierung auf das Nützliche, aus der gelebten Erfahrung ) auf der gleichen Ebene betrachten kann.

    Pragmatik ohne Ethik ist eine leere Huelse.

  75. Herr Marahrens,

    ich glaube Sie missverstehen den Satz von Herrn Böcker wirklich.

    Er schreibt nicht, dass nur die Eliten diskutieren oder gar das ganze Offizierscorps Teil der oder gar die gesellschaftliche Elite sei. Vielmehr sagt er müsse das Offizierscorps den Anspruch haben sich an gesellschaftlichen Debatten zu beteiligen und durch diese Beteiligung auch einen Teil der gesellschaftlichen Elite zu stellen. Wenn man Elite (als Funktions- oder Leistungselite) nicht grade wie Prof. Butterwegge aus Köln definiert, meint der Begriff eben jene Gruppe von Menschen, die überdurchschnittlich an der Gestaltung der Gesellschaft teilnehmen, sich in der Pflicht sehen und „Spuren hinterlassen wollen um dem Großen und Ganzen zu dienen“. Dazu Bedarf es einer geeigneten (wie auch immer, siehe Debatte weiter oben) Ausbildung und eines entsprechenden Selbstverständnisses der Akteure. Der Offizier als solcher muss sich seiner Verantwortung und seiner Stellung bewusst sein. Er hat einen der wenigen Jobs, bei dem er in weitem Maße über Menschenleben entscheidet. „Offizier“ meint somit nicht nur „Soldat mit Personalverantwortung“, sondern ein recht abstraktes ‚Mehr‘ an Pflichten, Bürde und Aufgabe. Er muss zur Umsetzung der Politik des Volkes im Ausland beitragen und sollte folglich auch besonders an der Entwicklung der Gesellschaft interessiert sein.

    Natürlich ist es in hohem Maße idealistisch zu erwarten, oder gar nur zu hoffen, das Selbstverständnis des Offiziers sehe sich in erster Linie als Pflicht und Auszeichnung, aber theoretisch ist dieser Anspruch schon ganz klug. Es nivelliert sich sowie immer alles nach unten…

  76. @Koffer
    Möglicherweise war ich nicht deutlich genug. Sowas, normalerweise ist es genau das, womit ich anecke. ZU deutlich und ZU direkt. Also nochmal:

    Verschliessen? Nein, sicherlich nicht.
    Mittelmaß? Nein, wird von mir nicht befürwortet
    Gleichgültigkeit? Würde ich dann mich an den Diskussionen hier, bei Augengeradeaus und woanders beteiligen, wenn dies so wäre?

    Ich habe nur etwas gegen einen blossen Ersatz der Diskussion nach dem Leitbild mit der Festellung: Soldat gleich Elite. „Verneigt euch vor meiner gottgleichen Erscheinung, denn ich bin Elite…“. Etwas klarer wohin ich in meiner Kritik tendiere? Ich verteufel den Diskurs über Elite in keiner Weise. Ich habe etwas gegen dabei viel zu häufig mitschwingende Erwartungshaltungen von „Eliten“. Denn genau das sehe ich persönlich immer wieder mit aufkeimen. Und das stört mich am meisten an diesem Diskurs. Daher der Hinweis auf Kaisers Zeiten ohne weiter zu differenzieren.
    @David Ermes hat gerade eine guten Ansatz zum Selbstverständnis des Offiziers genannt. Und ich finde das überhaupt nicht zu idealistisch. Ich erweitere wie folgt: Mein Selbstverständnis ist zunächst einmal Pflicht. Die Auszeichnung und den Respekt muss ich mir verdienen. Einen Anspruch auf Respekt habe ich zunächst nicht. Wohlwollen, ja, dies gebührt mir allein schon für die Pflicht die ich mir auferlege. Den Rest muss ich mir aber verdammt nochmal erarbeiten und vor allem verdienen!

  77. @Delta 0219
    Ja, der ehemalige Hauptmann der Fernmeldetruppe Wette, der sich dann zum Beamten im MGFA „umwidmen“ ließ, wäre schon ein Thema für sich.

    Aber wir wollen uns weiter beharrlich dem Leitbild der IF widmen.
    Selbst für Winfrid Nachtweih, sonst ein leidenschaftlicher Verfechter der IF, „steht (es) nicht gut um die Innere Führung…“(in: Blätter für die deutsche und internationale Politik, Feb 2011). „Immer mehr Soldaten und auch höhere Offiziere zweifeln, ob ein Einsatzerfolg in Afghanistan unter den gegebenen Voraussetzungen überhaupt erreichbar ist. Immer weniger können noch aus Überzeugung gehorchen. Viele sind zurückgeworfen auf ihre professionelle Berufseinstellung, ja auf die Kameradschaft als letzte Motivation und allerletzten Halt.“

    Zurückgeworfen auf die „professionelle Berufseinstellung“ und „Kameradschaft“ als „letzte Motivation und allerletzten Halt“.

    Nicht etwa zurückgeworfen auf das Leitbild vom mittlerweile unwilligen Staatsbürger in Uniform, sondern auf Eckpfeiler des Soldatenberufes. Herr Nachtweih neigt nicht zu Übertreibungen. Deshalb sollt man aufhorchen. Die Tragkraft des alten Leitbilds reicht längst nicht mehr aus. Das ist der Befund. Worauf auch soll sich der heute im Kampf stehende Soldat stützen? Auf die gesellschaftlichen Kräfte, die den Soldaten als „Mörder“ diffamieren und dem Deserteur ein Denkmal errichten? Ein wenig viel verlangt, finde ich.

  78. @David Ermes

    Wie ich oben schreibe, ich verstehe es seine Saetze so, wie ich es erlaeutert habe…. und rein formal hat seine Argumentation logische Brueche.

    Ich denke, was mich von Herr Boecker und von Politikverdruss unterscheidet ist, und was ggf mit NWMC auf der gleichen Linie liegt.

    Offiziere koennen etwas zum gesellschaftlichen Diskurs beitragen, wie es bspw General a.D. Naumann gegenueber der damaligen Bischoefin Frau Kaesmann getan hat….. und dabei Luther und Assa v. Cram zu zitieren, zeugt fuer mich von Bildung und Brillanz.

    Im Gegensatz zu einigen anderen, zolle ich auch Herrn Major Pfaff und OTL a.d. Rose meinen Respekt, das bedeutet aber nicht, dass ich gleicher Meinung mit den beiden bin.

    Beide sind als Offiziere fuer ihre persoenlichen Ueberzeugungen und ihr Gewissen im Bewusstsein ALLER persoenlichen Konsequenzen eingetreten – das ist doch genau das, was z.B. Herr Boecker fordert.

    Ich sehe den „Staatsbuerger in Uniform“ als Ausgangsposition meines Handels , und nicht als Endpunkt, der dann auch noch vermeintlich im falschen Sektor liege und deswegen geaendert werden muesse.

    @Politikverdruss

    Da ist es uns in den Streitkraeften doch schon viel schlechter gegangen….
    Das vom ehemaligen Bundespraesidenten attestierte „Freundliche Desinteresse“ war eine Fortschrittsbeschreibung (wenn man das Glas als halb voll annimmit) und kein Rueckschritt.

    Sind wir doch mal ehrlich, wenn die Gruenen anstatt trotz Gegenstimme das Mandat auch noch gegen die Linken (Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin attackierte die Linke: Wer einen Nato-Einsatz gleichsetze mit Terroristen und Verbrechern, „der hat den Schuss nun wirklich nicht gehört“. aus der Welt v. 28.1.2011) verteidigen, ihre Waehlerschaft dagegen mobilisieren wuerden, dann haetten wir nicht ein 60% Desinteresse an Afghanistan (so werte ich grosse Teile diese Umfragen aufgrund meiner o.a. Gruende, das ist nicht gut, aber das ist nun mal so in einer Demokratie), sondern 15-25% Friedensbewegung mit Kasernenbelagerung und Lichterketten auf der Autobahn von Muenchen nach Hamburg.

    Das Parlament steht mit grosser Mehrheit geschlossen hinter uns als Staatsbuerger in Uniform in den Einsaetzen…., und die sind alle gewaehlt und muessen dass gegenueber ihren Waehlern vertreten…. die Soldaten sind da nicht schutzlos.

    Die Frage der Deserteure ist m.E. im Anbetracht der auch vorhandenen Faelle menschlichen Unrechts immer Frage der Einzelfallentscheidungen.

    „Soldaten sind Moerder“, dass muessen wir weiterhin aushalten,
    weil sowohl der BGH als auch der Bundestag so entschieden haben
    „„Nach Ansicht der Mehrheit des Hauses ist ein besonderer strafrechtlicher Ehrenschutz für die Bundeswehr weder gerechtfertigt oder erforderlich, noch werde dieser von den Streitkräften selbst gewünscht.“

    Ich halte es hier anders, ich sehe mich hier grundsaetzlich nicht als Moerder, damit ist das Zitat fuer mich hinfaellig…

  79. @Soenke Mararhens
    „Im Gegensatz zu einigen anderen, zolle ich auch Herrn Major Pfaff und OTL a.d. Rose meinen Respekt, das bedeutet aber nicht, dass ich gleicher Meinung mit den beiden bin.

    Beide sind als Offiziere fuer ihre persoenlichen Ueberzeugungen und ihr Gewissen im Bewusstsein ALLER persoenlichen Konsequenzen eingetreten – das ist doch genau das, was z.B. Herr Boecker fordert.“

    Tut mir leid, dass kann ich noch nicht einmal ansatzweise nachvollziehen!

    Diese beiden „Offiziere“ bekämpfen die Bw seit Jahren (im Falle von Rose glaube ich sogar seit Jahrzehnten) und sind nicht nur kritisch (was für einen Staatsbürger und Offizier ja gut ist), sondern regelrecht wehrkraftzersetzend und das soll tollerierbar sein?

    Jetzt könnte man ja sagen: das ist Meinungsfreiheit. Mag sein, aber dann brav jeden Monat den Sold eines Stabsoffiziers einstreichen. Das spricht für mich nicht für Überzeugung (was ich selbst bei Bw-Gegnern wie zB Ströbele anerkenne), sondern schlicht für Opportunismus!

  80. @David Ermes
    Ich finde den Artikel sehr oberflächlich. Er spricht zwar an, dass es irgendwelche Probleme mit der InFü gibt, benennt aber kaum eines davon mit Namen. Dieser NZZ-Artikel ist da weit deutlicher: http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/der_multifunktionale_bundeswehrsoldat_1.3307062.html

    @Soenke Marahrens
    „Im Gegensatz zu einigen anderen, zolle ich auch Herrn Major Pfaff und OTL a.d. Rose meinen Respekt, das bedeutet aber nicht, dass ich gleicher Meinung mit den beiden bin. Beide sind als Offiziere fuer ihre persoenlichen Ueberzeugungen und ihr Gewissen im Bewusstsein ALLER persoenlichen Konsequenzen eingetreten…“

    Vor allem Herr Rose ist zwar publizistisch rege aktiv, zeichnet dabei aber ein in wesentlichen Punkten falsches Bild der Lage in den Einsätzen (von denen er bei keinem persönlich mitmachen wollte) und bezeichnete u.a. die Kameraden des KSK als „Kommando Spezialkiller“ und „Todesschwadron“: http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Afghanistan/ksk4.html
    Ich kann an derartigem Verhalten nichts respektables erkennen. Wenn Rose das Idealbild des „Staatsbürgers in Uniform“ darstellen soll, dann waren selbst die polemischsten Kritiker der InFü noch zu milde. Dass Rose dennoch von den Medien hofiert wird und als „kritischer Soldat“ vorgestellt wird, unterstreicht einige der kulturellen Defekte, mit denen reale Soldaten in Deutschland zu kämpfen haben.

  81. Zitat eines Kommentars aus „Augen Geradeaus“ zum aktuellen Video aus Afghanistan und dessen InFü-Relevanz:

    „Meines Erachtens unterstreicht der Vorfall, wie gefährlich und unzeitgemäß die Vorstellung ist, dass der Dienst als Soldat ein “Job wie jeder andere” und der Soldat letztlich als “Staatsbürger in Uniform” nur ein verkleideter Zivilist sei. Wie die Realität zeigt, ist der Soldat im Kampfeinsatz größeren Belastungen ausgesetzt als 99% der Bevölkerung es in ihren Berufen sind, und Fehler selbst von Einzelpersonen können strategische Konsequenzen haben. Das Handeln [des Soldaten] muss sich daher an besonderen Maßstäben, u.a. einem absolut gültigen Ehrenkodex, orientieren, und vom Soldat muss wesentlich höhere Belastbarkeit und isziplin erwartet werden können als vom Durchschnittszivilisten.“

    Schon von daher ist es erforderlich, dass Soldaten eine Elite bilden, d.h. eine Auslese darstellen oder zu einer solchen herangebildet werden, die in der Lage ist, solche Ausnahmesituationen zu bewältigen. Die Personen im Video sind eben nicht soldatische Elite geworden, sondern mangelhaft geführter ziviler „White Trash“ geblieben, mit allen verheerenden Folgen.

  82. @Delta und Koffer

    bitte genau lesen, ich habe gesagt, ich zolle den beiden meinen Respekt zu deren persoenlichen Entscheidungen. Und wenn Sie mal nachlesen, was die beiden direkt im Anschluss bzw vorher dabei durchgemacht haben, dann stellen Sie sich mal selbst die Frage, ob Sie das auch gemacht haetten, wenn Sie an deren Stelle gewesen waeren.

    Das bedeutet aber nicht, dass ich mich mit deren Aussagen auf ihren spaeteren Lebenswegen in irgendeiner Form identifiziere. Mir fiele hier zwar ein Erklaerungschema des „begonnenen Weges“ ein, aber darum ging es in der Debatte ja nicht.
    Ich wuerde aber gerne mal mit beiden persoenlich diskutieren.

  83. @Soenke Mararhens
    „bitte genau lesen, ich habe gesagt, ich zolle den beiden meinen Respekt zu deren persoenlichen Entscheidungen. “

    Ich habe genau gelesen und ich habe es immer noch nicht verstanden!

    Wie kann man denn einer persönlichen Entscheidung Respekt zollen, die darin besteht GEGEN die Bw zu arbeiten (aus „Gewissensgründe“), aber gleichzeitig so opportunistisch zu ENTSCHEIDEN weiterhin jeden Monat den Sold eines Stabsoffiziers von eben dieser Organisation zu beziehen?

  84. @koffer

    Bei Major Pfaff handelte es sich um EINE Entscheidung! Dafuer hat man ihn dann auch eine Woche in die FU 6 verfrachtet, obwohl es um eine Gewissensentscheidung ging, und es bedurfte eines Gerichtsurteils um die Freiheit des (seines) Gewissens bescheinigt zu bekommen. Nur weil man nicht mit ALLEM (im Sinne des Wortes) einverstanden ist, kann man doch mit 99.99% einverstanden sein.

    Sie sind doch auch nicht mit allem einverstanden, Herr M Pfaff hat das aber für sich offiziell durchgezogen und dafür gebührt ihm nach wie vor mein Respekt.

    Und bei OTL a.D Rose müssen Sie auf die Zeitlinien achten!

    Aber ich würde das dann gerne hier beenden, wir können das gerne Mal bei einem Bier diskutieren.

  85. @Sönke Marahrens
    „und es bedurfte eines Gerichtsurteils um die Freiheit des (seines) Gewissens bescheinigt zu bekommen.“

    Ich habe auch kein Problem mit der Gewissensfreiheit, dafür gibt es den Art. 12a GG (KDV) um vom Gehorsam aus (ernsten) Gewissensgründen befreit zu werden und § 46 (2) SG (Entlassung eines BS auf eigenen Wunsch).

    Aber der „Maj“ Pfaff bezieht ja noch heute Sold. Seltsame Geschichte das mit dem Gewissen, oder?

  86. @koffer

    Das Urteil ist im Netz, es ging um einen Befehl, nicht um seinen Lebensentwurf!

    Zitat
    Die Richter sprachen den Soldaten nun frei, da ihm kein Dienstvergehen nachgewiesen werden könne und er auch nicht gegen die Gehorsamspflicht (§ 11 Abs. 1 Soldatengesetz) verstoßen habe. Das Gericht betrachtet die Befehlsverweigerung als Gewissensentscheidung, die er glaubhaft habe darlegen können.

    Er hat kein Dienstvergehen begangen…., warum soll er nun verweigern?

  87. @Sönke Marahrens
    Schauen Sie in die Begründung für seine Gehorsamsverweigerung!

    Er hat das Handeln der Bw, als Beteiligung an einem völkerrechtswidrigen Krieg betrachtet, DESWEGEN war er ungehorsam!

    Wenn man jetzt seine Einlassungen ernst nimmt – und davon war das BVerwG ja überzeugt, dann stellt sich die Frage:

    Warum nimmt er Geld von einer Organisation der er Kriegsverbrechen, zumindest aber kriegsvölkerrechtswidriges Handeln unterstellt?!?

  88. Das müssen Sie M Pfaff fragen (googeln sie mal warum er noch nicht OTL ist)

    Aber wenn Sie so fragen, lesen Sie auch mal was die Richter schreiben….

    Ich bin nicht sein Anwalt und auch nicht sein Gewissen, ich habe nur gesagt, und dazu stehe ich weiterhin, ich habe Respekt vor Ihm und seiner persönlichen Entscheidung! Wenn Sie das nicht haben, respektiere ich das als ihre Meinung auch, teile sie aber nicht!

  89. @ Sönke Marahrens

    Ich habe Sie immer noch nicht verstanden!

    Wie kann jemand sich auf sein Gewissen berufen wenn die gleiche Person den „Judaslohn“ annimmt?

  90. @Koffer

    Koennen wir uns darauf einigen, dass Sie mich nicht verstehen wollen? BTW Der Mann ist tiefgläubiger Christ, nach allen was ich gelesen habe….
    Ich möchte an dieser Diskussion nicht mehr teilnehmen, weil wir nicht mehr diskutieren!

  91. @Sönke Marahrens

    Mal im Ernst, ich habe in dieser Diskussion nicht vor Sie zu überzeugen, da mir klar ist, dass ich das nicht kann.

    Dennoch würde ich gerne aus dieser Diskussion etwas mitnehmen (kein Witz!).

    In meinem Freundes- und Kameradenkreis gibt es niemand der die „Herren“ Pfaff und Rose in irgendeiner Weise verteidigen würde und die undifferenzierte „Hardcore“-Unterstüzter-Variante findet man ja im Internet.

    So komme ich zu dem Ergebnis, dass ich bisher mit niemandem diskutiert habe, der IHRE Position vertrat.

    Deswegen noch mal ganz ernsthaft nachgefasst: Ich verstehe (auch wenn ich es bezogen auf die beiden konkreten Fälle ablehne) die Position, dass Sie den beiden wegen einer getroffenen und dann konsequent durchgehaltenen „Gewissensentscheidung“ Respekt zollen.

    Ich verstehe auch, dass es Ihnen nur um diese konkrete Entscheidung geht, Sie also die Frage der bundeswehrschädlichen Veröffentlichungen und Vorträge und Tätigkeiten im Nachgang zu den Entscheidungen ausblenden.

    Aber was ich (wirklich) nicht verstehe ist, wie Sie ausblenden können, dass sich jemand auf sein Gewissen beruft und im gleichen Monat (und den folgenden) Geld von eben demjenigen annimmt, den er als Kriegsverbrecher bezeichnet…

  92. Koffer

    Lesen Sie mal Joh 8, 6-8.

    Ich blende nicht aus, es ist aber nicht an mir dies zu richten!

    Und ich nehme ihm seine persoenliche Entscheidung (und die damit fuer ihn verbundenen Probleme ab, ohne sie mir zu eigen zu machen) und würde daher auch weiterhin mit ihm Seite an Seite kämpfen….. Wie das so ist, mit einem Kameraden, so einfach ist es (für mich)

    PS Danke für ihre ehrliche und lange Antwort, damit konnte ich deutlich besser umgehen!

  93. @Sönke Marahrens

    „…der werfe den ersten Stein“ und „Kameradschaftspflicht“?

    GROOSSE Geschütze, die Sie da gerade auffahren 😉

    Dennoch:
    Ich kann beide Argumente gut nachvollziehen, besonders die angeführte „Christenpflicht“.

    Aber hier gibt es ja doch zwei Haken, oder?

    Zur Kameradschaftspflicht: Die Kameradschaft verpflichtet uns die Meinung und Weltanschauung zu tolerieren.

    Ihre Formulierung in der Ausgangsaussage war aber doch „Respekt zollen“ und dies geht ja deutlich über tolerieren hinaus, hat nämlich über die schlicht akzeptierende auch noch eine positiv würdigende Konnotation.

    Und Sie werden doch sicherlich nicht verlangen, dass wir unter dem Mantel der Kameradschaft Dienstvergehen und/oder mangelndes Berufsverständnis von Soldaten nicht nur hinnehmen und weiterhin unserer Kameradenpflicht gegenüber den „fehlenden“ Kameraden ausüben, sondern sie dafür sogar noch loben?!

    Hinsichtlich des „Steine Werfens“. Dieses Argument hat mich durchaus getroffen und mich dazu veranlasst eine Weile über meine Position gegenüber Rose/Pfaff zu überdenken.

    Aber schlussendlich muß ich Ihnen hierauf (leider) mit Joh 8,11 antworten.

    Jesus hat uns dazu aufgefordert nicht den ersten Stein zu werfen. Und deswegen hat sicherlich auch Rose/Pfaff ein Anrecht auf eine solche „Vergebung“. Aber Jesus verlang von der Sünderin ausdrücklich: „…gehe hin und sündige hinfort nicht mehr!“

    Sind Sie denn dann nicht auch der Meinung, dass durch die „Fortsetzungshandlung“ der beiden (beharrliches „Beschmutzen“ der Bundeswehr, negative und herabwürdigende Aussagen über Kameraden, fortgesetzte intensive publizistische Tätigkeit gegen die Interessen des Dienstherren) genau diese Voraussetzung für die „Vergebung“ ins Wanken gerät?

  94. Im zurückliegenden Jahr wurden die Verteidigungspolitischen Richtlinien(VPR) der Bundeswehr erlassen. Im Zusammenhang mit den hier diskutierten Fragen stoßen wir in diesem Grundlagendokument auf folgende Vorgaben:

    Unter Aufgaben und Auftrag der Bundeswehr heißt es in den VPR von 2011 u.a.:
    “Streitkräfte folgen in ihrem Selbstverständnis, ihrer Struktur und Organisation, ihrem Umfang, ihren Fähigkeiten und ihrer Ausrüstung den sich wandelnden Zielen und Interessen der Sicherheitspolitik.“

    Weiter heißt es: „Die Befähigung zum Kampf als höchster Anspruch an Personal, Material und Ausbildung ist der Maßstab für die Einsatzbereitschaft.“

    In puncto Staatsbürger in Uniform erfährt man unter dem Abschnitt Personal: „Als Mittler zwischenBundeswehr und Gesellschaft, als Staatsbürger mit Uniform, erfüllen sie zudem eine
    unverzichtbare Bindegliedfunktion, die sowohl der Nachwuchsgewinnung als auch der
    gesellschaftlichen Einbindung der Streitkräfte zugute kommt.“

    Unter der Überschrift „Selbstverständnis“ wird festgelegt: „Die Bundeswehr wird mit der Aussetzung der Verpflichtung zum Grundwehrdienst ganz zu einer Armee von Freiwilligen. Die Prinzipien der Inneren Führung mit dem Leitbild des Staatsbürgers in Uniform bestehen unverändert fort. Sie haben sich seit Gründung der Bundeswehr bewährt und sind Garant dafür, dass die Bundeswehr in der Gesellschaftverankert bleibt. In einer Freiwilligenarmee bleiben die Auseinandersetzung mit dem Primat der Politik, mit dem soldatischen Selbstverständnis und Kenntnisse in Ethik, Geschichte und Politik genauso wie die Pflege erhaltenswerter Traditionen selbstverständlich.“

    Zur Tugend der Tapferkeit heißt es: „Zu den Besonderheiten des soldatischen Dienens zählt, dass der Einsatz mit der Gefährdung von Leib und Leben verbunden sein kann. Vom Soldaten wird verlangt, den übertragenen Auftrag tapfer und unter Einsatz seines Lebens im Kampf durchzusetzen.“

    Der Gesellschaft gegenüber wird gefordert: „Die Soldaten der Bundeswehr werden ihr berufliches Selbstverständnis im Einsatz für unsere Sicherheit und den Schutz unserer Bürger umso besser annehmen und erfüllen, je aufgeschlossener und verständnisvoller die deutsche Gesellschaft die Besonderheiten des soldatischen Dienens und den Beitrag der Streitkräfte insgesamt für Deutschland anerkennt und würdigt.“

    Bei genauerer Betrachtung dieser sicherheitspolitischen Vorgaben fallen doch einige Besonderheiten auf. So z.B. die Betonung des „Selbstverständnisses“ der Streitkräfte.
    „Dienen“, so Minister de Maiziere, sei der „Kern unseres Selbstverständnisses. Ziel unserer Dienst-Leistung sind Freiheit und Sicherheit.“ (http://www.hsu-hh.de/studbereich/index_AVh5CwqXfdwxfrUg.html) Darüber hinaus wird aber so getan, als habe man mit der „Überwindung der Verpflichtung zum Grundwehrdienst“ nun eine neue Qualität in Form „einer Armee von Freiwilligen“ erreicht. Ist das so? Oder ist es nicht vielmehr so, dass mit der Aussetzung der Wehrpflicht der „Bruch“ in der Verbindung zur Gesellschaft vollzogen wurde, von dem General Kujat sprach. Der Wehrpflichtige kam aus der Mitte der Gesellschaft und stellte damit eine reißfeste Verbindung zu den Streitkräften dar. Ob die Freiwilligen dies werden leisten können, wird man sehen. Als „Prekariatsarmee“ dürften sie kaum die Mitte der Gesellschaft repräsentieren.

    Erstaunlich klar wird die „Befähigung zum Kampf als höchster Anspruch“ herausgestellt. Dabei verdeutlicht die Betonung der Kardinaltugend Tapferkeit die besondere Stellung des Soldaten, die ihm abverlangt, den „übertragenen Auftrag tapfer unter Einsatz seines Lebens im Kampf durchzusetzen.“ Im Gegenzug, und zwar aus dem gegenseitigen Treueverhältnis heraus, sollte der Staat dann aber auch die Ausstattung verfügbar machen, die den „Kampf“ ermöglicht. In Afghanistan war dies über längere Strecken nicht so. Vielmehr gewann man zuweilen sogar den Eindruck, dass von unseren Soldaten erwartet wurde, dass sie sich doch eher ohne Gegenwehr „bekämpfen“ lassen sollten, weil Kollateralschäden auf diese Weise am besten zu vermeiden seien. Und erst die Generalbundesanwältin hat den Deutschen gezeigt, welche rechtlichen Grundlagen dort gelten.

    Nicht zu übersehen sind die Forderungen gegenüber der Gesellschaft. Das berufliche Selbstverständnis der Soldaten sei auch von der Anerkennung und Würdigung durch die Gesellschaft bestimmt. Allerdings müsse der „Freiwillige“ in der Rolle als Staatsbürger in Uniform zwischen Bundeswehr und Gesellschaft vermitteln. Nun fragt man sich, wo sind denn die „Vermittler“ in Uniform. Nach überzeugenden Kommunikationskonzepten hält man vergeblich Ausschau. Gerade in diesem Forum ist häufig genug darauf verwiesen worden.

    Alles in allem: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffen große Lücken.

  95. Koffer,

    Ich denke wir sind nicht weit auseinander…

    Mir ging es um jeweils den Ausgang, wie die Herren ihren Weg dann weitergegangen sind, das hatte ich irgendwann als fuer mich nChvollziebar konsequent (aus deren Sicht) bezeichnet.
    Aber extra nicht als meinen Weg bezeichnet, bei M Pfaff muss man immer sehen, in welchem Kontext er das weitere gesagt… Wenn es um den Irak geht bleibt er damit nur seiner Linie treu ( was er ja nun „muss“)…
    Bei OTL a.D Rose, natürlich argumentiert er anders als andere, aber ich habe es immer als 3. Meinung empfunden…. Nicht meine, nicht die des Dienstherrn, aber für mich bedenkenswert.
    Wenn er mich persönlich beschimpfen würde, würde ich es mir verbitten, hat er aber noch nicht, jedenfalls nicht dass ich es wüsste!
    Lesen Sie mal die Geschichte, die OTL a.D Rose mit dem Vertreter des KSK passiert ist….

    War das kameradschaftlich? War das wertschaetzend, tolerant etc….ist OTL Rose geschützt worden? Wenn wir nicht willig sind, dies zu tun, dürfen wir es dann von ihm erwarten? Werden wir unserem Eid damit gerecht? keine Antworten bitte, das sind für mich bedenkenswerte philosophischen Fragen, die mich umtreiben und verhindern, hoffentlich, das ich selbstgerecht, zynisch oder sarkastisch werde….

  96. Die bisher vorgebrachten Gegenargumente haben mich nicht überzeugt: Das Leitbild vom Staatsbürger in Uniform stammt aus dem Kalten Krieg und richtete sich in der Ost-West-Konfrontation an den „geborenen Vaterlandsverteidiger“. Wegen der atomaren Bedrohung stand die Kriegsverhinderung politisch im Vordergrund. Aus diesem Sinnzusammenhang ergaben sich Berufsleitbild und soldatisches Selbstverständnis.

    Die internationalen Auslandseinsätze seit Anfang der neunziger Jahre beruhen auf anderen „Ideengrundlagen“ als die des „geborenen Vaterlandsverteidigers“(Wiesendahl). Mit der „Rückkehr des Krieges“ haben sich neue Risikopotentiale entwickelt. Menschenrechtsverletzungen, die bis zum Völkermord reichen, kollabierende “failed states“ oder in ihrer Ursache unterschiedliche innerstaatliche Gewaltausbrüche bestimmen heute die sicherheitspolitische Weltlage und bedrohen dabei auch Regionen wie Europa. Daher haben sich die völkerrechtlichen Grundsätze der Schutzverantwortung der UNO herausgebildet.

    Auf diesem Hintergrund entwickeln sich die Leitbilder des „miles protector“ und des „miles bellicus“(Däniker/Wiesendahl). Wie es der ehemalige Heeresinspekteur Generalleutnant a.D. Budde 2005 ausdrückte, stellt die „Fähigkeit zum Kampf“ die Klammer dar, die “das Heer zusammenhält.“ Diese in Richtung „Kampf“ deutende Ausrichtung auf den „miles bellicus“ wird durch die VPR von 2011 bestätigt, wenn dort festgelegt ist, dass „Die Befähigung zum Kampf als höchster Anspruch an Personal“ zu gelten habe.

  97. @ Politikverdruss

    Und im wieweit widerspricht die Befähigung zum Kampf dem Leitbild des Staasburgers in Uniform?

    Ich sehe da keinen Widerspruch! Natürlich muss man dem Leitbild eine Frischzellenkur verpassen, aber dadurch ist doch die Basis nicht obsolet…

  98. @Koffer,

    wenn ich jetzt Ihre Frage beantworte, die ich in den bisherigen Beiträgen versucht habe, zu beantworten, dann würden wir beginnen, uns im Kreis zu drehen.

    Deshalb mein Vorschlag: Skizzieren Sie doch mal Ihre „Frischzellenkur“. Vielleicht kommt man sich dann näher.

  99. Naja, der unabänderliche KERN des Leitbilds vom Staatsbürger in Uniform besteht aus ZWEI (Haupt-)Aspekten

    1. Jeder Soldat ist Staatsbürger mit natürlichen Rechten. Diese Rechte dürfen nur insofern und in soweit eingeschränkt werden, wie es der verfassungsmäßige Auftrag der Streitkräfte zwingend erforderlich macht.

    2. Der Soldat ist Staatsbürger aus tiefer Überzeugung und wählt daher den Beruf des Soldaten nicht (oder zumindest nicht vorrangig) aus pekuniären oder aus martialisch-archaischen Gründen, sondern aus dem Willen dem Vaterland, dem Staat und der Gesellschaft zu dienen und daher gutes in dieser Welt zu bewirken und/oder zu verteidigen.

    Diese und nur diese Aspekte sind unveränderlich.

    Über alles andere kann man (und nach meiner Meinung muss man) immer wieder und wieder diskutieren!

    Vor dem Hintergrund der Einsätze sind daher heutzutage z.B. tiefgehendere Eingriffe in Persönlichkeits-, Bürger- und sogar Menschenrechte denkbar als vor 20 Jahren in eine Wehrpflichtarmee.

    Andererseits sind bestimmte Eingriffe die damals „normal“ waren heute bestimmt erneut in Frage zu stellen.

    Ich spreche mal die Fragen von Tapferkeits- und Gehorsamspflicht an.

    Ich spreche mal die Frage der „Zwangs-„PolBil an (also die Idee, dass jeder Soldat jeden Einsatz gut finden muß).

    Ich spreche mal die Frage der Entlassung wegen praktischer Dienstunfähigkeit und Dienstunwilligkeit an (z.B. jemand der immer und immer wieder auslandseinsatzuntauglich wird, aber nicht DU entlassen wird).

    Ich spreche mal die Frage der formalen Disziplin an.

    Ich spreche mal die Frage einer eigenen Militärgerichtsbarkeit an.

    etc. etc. etc.

  100. @ Sönke Marahrens

    Eigentlich wollte ich das Thema der „Offiziere“ Rose und Pfaff ja abschließen, denn wir hatten ja einen durchaus interessanten status quo erreicht.

    Aber durch Zufall bin ich gerade auf einige Passagen des „Herren“ Rose gestoßen die er jüngst veröffentlicht hat:

    „Weder mit den Politkriminellen im Berliner Regierungsviertel, die den eklatanten Völkerrechts- und Verfassungsbruch angeordnet haben, noch mit deren willfährigen Helfershelfern in der Flecktarnkleidung der Bundeswehr ist bislang abgerechnet. Keinen einzigen der Akteure zog die Strafjustiz für seine Untaten zur Rechenschaft.“

    „Hätte die deutsche Generalität auch nur einen Funken Ehrgefühl sowie Rechts- und Moralbewußtsein im Leibe, so hätte der Generalinspekteur im Verein mit seinen Teilstreitkraftinspekteuren sich geweigert, den völkerrechts- und verfassungswidrigen Ordres der rot-grünen Bundesregierung Folge zu leisten.“

    „Zu dumm nur, daß in den Reihen der Uniformierten kaum einer mit dem Namen Ossietzky etwas anzufangen weiß, geschweige denn Ossietzky liest und versteht.“

    Nun habe ich ja verstanden, dass Sie den Willen und die Fähigkeit eines Soldaten schätzen seine eigene Würde und Ehre (das sind jetzt meine Worte) zu waren und seinem Gewissen mehr als fremden Befehlen zu folgen.

    Aber wenn Sie o.a. Sätze berücksichtigen, dann können Sie so einem Menschen doch bitte keinen Respekt zollen, oder?

  101. @Koffer

    Mein Respekt gilt seinem Willen im Dienst konsequent fuer seine Ueberzeugungen einzutreten.

    Zu den von Ihnen zitierten Zitaten, und da gibt es noch mehr…

    das buche ich dann unter

    „da geht einer seinen von ihm gewaehlten Weg konsequent weiter…“

    und bewerte das wie folgt

    „I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it“), das sich im 7. Kapitel des Romans „The Friends of Voltaire“ von S.G. Tallentyre (Pseudonym von Evelyn Beatrice Hall) aus dem Jahr 1906 findet und dort Voltaire in den Mund gelegt wird.“

  102. @Koffer
    „…der unabänderliche KERN des Leitbilds vom Staatsbürger…Der Soldat ist Staatsbürger aus tiefer Überzeugung und wählt daher den Beruf des Soldaten nicht … aus martialisch-archaischen Gründen…“

    Der Kern der InFü beruht demnach auf Wunschdenken und einem m.E. fragwürdigen Menschenbild. Es dürfte durch Umfragen und einen Vergleich der Ergebnisse mit individuellen Leistungsdaten nämlich rasch nachweisbar sein, dass gerade die fähigsten und belastbarsten Soldaten nicht aus ideologischen Gründen bzw. glühendem Glauben an die Erlösung des Menschen und die Genesung der Welt durch das Grundgesetz dienen, sondern eben aus den abgelehnten „martialisch-archaischen Gründen“. Je geringer die Distanz zum Kampfeinsatz, desto größer die Distanz zur Ideologie ihren politischen Repräsentanten. Und was sollte daran auch falsch sein? Man verlangt doch auch nicht von Ärzten oder Piloten (auch Berufe mit besonderem Ethos und besonderer Verantwortung für Menschen), dass sie in erster Linie aus politischen Gründen tätig sein sollen, und stellt bei ihnen Gesinnung über Professionalität bzw. verachtet sogar den unpolitischen Profi.

  103. @Koffer,

    wenn ich Ihren Beitrag vom 17.01.12 23:14 richtig einordne, dann stellen Sie das alte Fundament des Leitbildes vom Staatsbürger in Uniform dar und zeigen darüber hinaus Einzelaspekte im Rechtsstatus des Soldaten auf, die im Laufe der Zeit „reparaturanfällig“ geworden sind.

    Nur wo bleibt die Frischzellenkur? E s steht mir natürlich nicht zu, Sie hier zu „bedrängen“. Es geht mir auch nur um die Fortsetzung der Diskussion. Das ministerielle Diktat, das „Leitbild habe sich bewährt“ und sei deshalb unantastbar, ist doch kaum akzeptabel und zeigt einmal mehr, dass die strategische Kommunikation nicht zu den Dingen gehört, die im BMVg „erfunden“ wurde.

    Nur noch einmal: Die alten Orientierungsrahmen aus dem „Kalten Krieg reichen nicht mehr. So schreibt der alte „Fahrensmann“ Martin Kutz: „Aber auch Soldaten müssen sich den neuen Verhältnissen stellen. Regelmäßig kann man von ihnen hören, dass sie sich von der Bevölkerung nicht verstanden und auch nicht hinreichend unterstützt fühlen. Hier spricht noch der Vaterlandsverteidiger des vergangenen Jahrhunderts. Soldaten müssen vielmehr lernen, dass eine Interventionsarmee nicht mehr damit rechnen kann, von der ganzen Gesellschaft bei allen Aktivitäten gestützt zu werden. Sie müssen sich damit zufrieden geben, dass sie generell für notwendig gehalten werden und ihnen vertraut wird. Sie sind jetzt Instrument der Regierungspolitik, auch wenn wir eine Parlamentsarmee haben und die Institutionen, die sie einsetzen, demokratische legitimiert sind. Aber diese Institutionen können – und müssen eventuell – die Streitkräfte auch gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung einsetzen, selbst wenn das in Demokratien hochproblematisch ist.“ (Soldaten im Einsatz, Seite 38)

    Soldaten „müssen sich auf neue Verhältnisse einstellen“! Das ist die Losung der Stunde. Und die Truppe ist doch längst dabei. Nur die Führungsspitze erklärt das alte Leitbild zum „festen Platz“.

  104. @Delta 0219
    „Es dürfte durch Umfragen und einen Vergleich der Ergebnisse mit individuellen Leistungsdaten nämlich rasch nachweisbar sein, dass gerade die fähigsten und belastbarsten Soldaten nicht aus ideologischen Gründen bzw. glühendem Glauben an die Erlösung des Menschen und die Genesung der Welt durch das Grundgesetz dienen, sondern eben aus den abgelehnten “martialisch-archaischen Gründen”.“

    Tut mir leid, aber Leute, die primär aus martialisch-archaischen Gründen Soldat werden, sind Mörder und Söldner.

    Von einem deutschen Soldaten erwarte ich deutlich mehr!

    Und über die Behauptung, dass die Rambo-Typen die nachweisbar besseren Soldaten sind kann ich nur lachen. Sie sind vielleicht die besseren Waffenbediener, aber Soldat sein bedeutet doch hoffentlich mehr als nur Gewehrschütze zu sein!

    „Je geringer die Distanz zum Kampfeinsatz, desto größer die Distanz zur Ideologie ihren politischen Repräsentanten.“

    Na, das will ich mal mit Zahlen und Fakten belegt haben! Ich glaube an den Staat, dem ich diene und dem ich einen Eid geleistet habe und dennoch glaube ich, dass ein Soldat in aller erster Linie Kämpfer sein sollte.

    Wo ist denn hier bitte der Widerspruch?!

    „Und was sollte daran auch falsch sein? Man verlangt doch auch nicht von Ärzten oder Piloten (auch Berufe mit besonderem Ethos und besonderer Verantwortung für Menschen), dass sie in erster Linie aus politischen Gründen tätig sein sollen, und stellt bei ihnen Gesinnung über Professionalität bzw. verachtet sogar den unpolitischen Profi.“

    Wieso aus politischen Gründen? Ich diene doch nicht einer Partei oder einer Gesinnung, sondern ist diene meinem Vaterland. Was hat diese Frage denn mit dem Leitbild des Staatsbürgers in Uniform zu tun?

    @Politikverdruss
    „wenn ich Ihren Beitrag vom 17.01.12 23:14 richtig einordne, dann stellen Sie das alte Fundament des Leitbildes vom Staatsbürger in Uniform dar und zeigen darüber hinaus Einzelaspekte im Rechtsstatus des Soldaten auf, die im Laufe der Zeit „reparaturanfällig“ geworden sind.“

    Richtig, denn das schöne am Staatsbürger in Uniform ist, dass eben nur der Kern unabänderlich ist und durch regelmäßige „Reparaturen“ in den Details es immer wieder den neuen Bedürfnissen angepasst werden kann!

    „Das ministerielle Diktat, das „Leitbild habe sich bewährt“ und sei deshalb unantastbar, ist doch kaum akzeptabel und zeigt einmal mehr, dass die strategische Kommunikation nicht zu den Dingen gehört, die im BMVg „erfunden“ wurde.“

    Da bin ich ganz bei Ihnen!

    Ich finde es unerträglich, dass die politische und militärische Führung sich einer Aktualisierung des Leitbildes schlichtweg verweigert!

    Denn das der Kern unantastbar ist und sich bewährt hat, dass ändert ja nichts daran, dass dennoch dringend einige „Reparaturen“ in den Details anstehen.

    Zu behaupten, man können mit den gleichen Mechanismen und Argumenten wie vor 25 Jahren eine Armee betreiben, ist ja schlichtweg ein Fall für die FU VI!

    „Soldaten müssen vielmehr lernen, dass eine Interventionsarmee nicht mehr damit rechnen kann, von der ganzen Gesellschaft bei allen Aktivitäten gestützt zu werden. Sie müssen sich damit zufrieden geben, dass sie generell für notwendig gehalten werden und ihnen vertraut wird. Sie sind jetzt Instrument der Regierungspolitik, auch wenn wir eine Parlamentsarmee haben und die Institutionen, die sie einsetzen, demokratische legitimiert sind. “

    Genau so etwas meine ich z.B.!

    Diese Frage gehört nun ja nicht zum Kern des Staatsbürgers in Uniform, muß aber dennoch DRINGEND angepackt werden.

    Ich hatte vor einiger Zeit am ZInFü eine heftige Diskussion mit einem dortigen LehrStOffz, der PolBil heute immer noch mit den gleichen Instrumenten durchführen wollte wie zu Zeiten des Kalten Krieges.

    Der wollte einfach nicht begreifen, dass heutzutage ein Soldat von Einsätzen nicht zwingend inhaltlich überzeugt sein muß und dennoch treu dienen kann.

    Als ich ihm versuchte klarzumachen, dass man durchaus als Staatsbürger inhaltlich gegen den AFG Einsatz sein könne, aber als Soldat („Uniform“) dennoch voller Motivation nach AFG gehen kann.

    Kam er wieder nur mit der alten Leier, dass man alle Soldaten seiner Einheit inhaltlich überzeugen solle etc. etc.

  105. @Koffer, Politikverdruss

    Ich habe „Soldaten im Einsatz“ gelesen und kann es fuer diese Diskussion nur empfehlen…

  106. @Koffer
    „Tut mir leid, aber Leute, die primär aus martialisch-archaischen Gründen Soldat werden, sind Mörder und Söldner.“

    Meinen wir dasselbe mit „martialischen-archaischen Gründen“? Ich kann Ihnen aber versichern, dass ich weder „Mörder“ bin noch während meines Dienstes in der Bundeswehr „Söldner“ war. Allerdings war ich nach meinem Dienst auch als Zivilist in militärischen Dienstleistungsbereich im Ausland tätig (absolut im Einklang mit deutschem Recht), was für meine Arbeit zunächst keinen Unterschied machte. So wie es für Piloten oder Ärzte keinen Unterschied machen sollte, wenn sie von der Bundeswehr zur Lufthansa oder in ein ziviles Krankenhaus wechseln. Sind das schlechtere Menschen, weil sie ganz „archaisch“ primär durch Freude an der professionellen Ausübung ihres Berufs motiviert sind und dabei einer professionellen Ethik und den Gesetzen ihrer Heimat folgen?

    Es gibt aber m.E. noch eine andere „archaische“ Motivation zum Dienst, nämlich die, dem eigenen Volk (das nicht immer deckungsgleich mit seinen staatlichen Repräsentanten sein muss) zu dienen. Dazu unten mehr.

    „Und über die Behauptung, dass die Rambo-Typen die nachweisbar besseren Soldaten sind kann ich nur lachen.“

    Ihre bisherigen Beiträge zeigen mir, dass simple Klischees über „Rambo-Typen“ unter Ihrem Niveau sind.

    @“Ich glaube an den Staat, dem ich diene…Ich diene doch nicht einer Partei oder einer Gesinnung, sondern ist diene meinem Vaterland.“

    Ich habe erlebt, dass zwischen Handeln des Staates und dem besten Interesse des Volkes ein fundamentaler Unterschied bestehen kann. Es geht um konkrete Situationen, in denen die politische Führung Entscheidungen getroffen hat, die absolut nicht im Sinne des Ganzen waren. Ich kann nicht an einen Staat glauben, der solche Entscheidungen nicht nur in einem Fall getroffen hat, sondern in dem offensichtlich inkompetente Personen weitgehend unwidersprochen wieder und wieder gravierende Fehler machen durften, ohne dass die Korrekturmechanismen, derer sich die Demokratie rühmt, gegriffen haben. Zudem kenne ich sehr viele Soldaten, denen es ähnlich geht. Eben weil ich und diese Soldaten nicht durch „Glauben an den Staat“ motiviert waren, sondern Profis sein wollten, haben wir auch unter diesen Bedingungen weiter funktioniert und sind dabei stets loyal geblieben.

    Eine InFü, die „Glauben an den Staat“ voraussetzt, wäre m.E. eine sehr gefährliche Sache. Und ich bleibe dabei: „Glauben an den Staat“ verordnen zu wollen ist Ausdruck eines fragwürdigen Menschenbilds. Man kann absolute Loyalität befehlen und sollte diese auch verlangen, aber nicht „Glauben“. Ich kenne eine „Pflicht zum treuen Dienen“, aber keine „Pflicht zum Glauben“.

    Das Grundgesetz enthält in allen hier diskutierten Punkten mehr politisch-philosophische Weisheit als die Praxis es manchmal vermuten lässt: Es erkennt an, dass man Glauben nicht sinnvoll verordnen kann, und unterscheidet auch zwischen Loyalität zum Staat einerseits und zum Volk andererseits. Es erkennt sogar die Interessenkonflikte an, die entstehen können, wenn sich Kräfte des Staates bemächtigen, die dessen ursprüngliche Grundordnung schleichend aushöhlen, etwa wenn sie Freiheitsrechte durch Verordnung von Weltanschauung außer Kraft setzen würden. Als ehemaliger Soldat, der ganz „archaisch“ auch durch die Wahrnehmung von Pflicht gegenüber dem eigenen Volk motiviert ist, trete ich in diesem Sinne für Skepsis gegenüber dem Staat ein.

  107. Zwischen Gesellschaft, Staat und dem „Staatsbürger in Uniform“ entwickeln sich besonders dann Spannungsfelder, wenn „weltweite Einsätze“ nicht von allen getragen werden. Das ist aktuell am Afghanistan-Einsatz sehr gut zu beobachten.

    Bereits für Baudissin lautete die Grundfrage an den Soldaten:“ Wie steht dieser zu Gesellschaft und Staat, für die er kämpfen soll?“ Ja, wie steht denn ein Soldat zu einer Gesellschaft, für die er kämpfen soll, die seinen Kampf aber selbst ablehnt? Und wie steht die Gesellschaft ihm gegenüber? Wie steht denn ein Soldat seinem Staat gegenüber, der ihn zum Kampf auffordert für Ziele, die er nicht teilt? Wie will man denn die Zentrale Dienstvorschrift umsetzen, wenn dort gefordert ist: “Sie ( die Soldaten) sollen überzeugt sein, dass ihr Auftrag politisch gewollt, militärisch leistbar sowie rechtlich und moralisch begründet ist.“(ZDv 12/1 Nr.303)

    In der Landesverteidigung des „Kalten Krieges“ traten diese Spannungsfelder für den “geborenen Vaterlandsverteidiger“ nicht auf. Heute dagegen gewinnen sie zunehmend an Bedeutung und werden zu Recht als „hochproblematisch“ angesehen. Staat und Gesellschaft sollten ihre Soldaten mit diesen Fragen nicht alleine lassen. Betrachtet man dazu aber die sprunghaft gestiegenen Veröffentlichungen, vielfach auch aus dem Kreis der Soldaten, dann wird deutlich, dass sich der heutige Soldat doch weitgehend alleine gelassen fühlt.

    Da greift Vieles nicht mehr ineinander. Und die Diskussion, die Minister de Maziere mit der Frage angestoßen hat, ob es sich in Afghanistan nun doch nicht um einen „Krieg“ handelt, wird sicherlich kaum weiterführen.

    In der Zeitschrift Innere Führung haben Dr. Andreas Herberg-Rothe und Oberst i.G. Thiele den Themenkomplex mit folgender Forderung auf den Punkt gebracht: „Eine Justierung des Leitbildes der Bundeswehrsoldaten ist fällig, gerade auch wenn man die Grundsätze der Inneren Führung schätzt. Das Konzept des demokratischen Kriegers beugt deren Erosion vor und überbrückt das Spannungsfeld zwischen ziviler Gesellschaft und Einsatzrealität…“ (if Nr.1/2010 S.26-30)

  108. „Allerdings war ich nach meinem Dienst auch als Zivilist in militärischen Dienstleistungsbereich im Ausland tätig (absolut im Einklang mit deutschem Recht), was für meine Arbeit zunächst keinen Unterschied machte. So wie es für Piloten oder Ärzte keinen Unterschied machen sollte, wenn sie von der Bundeswehr zur Lufthansa oder in ein ziviles Krankenhaus wechseln. Sind das schlechtere Menschen, weil sie ganz “archaisch” primär durch Freude an der professionellen Ausübung ihres Berufs motiviert sind und dabei einer professionellen Ethik und den Gesetzen ihrer Heimat folgen“

    Ich habe lange überlegt, ob ich hierauf wirklich antworten soll, denn Ihre bisherigen Beiträge haben eigentlich bei mir einen Respekt für Ihre Person wachsen lassen.

    Trotz dieser Zweifel kann ich den Absatz so einfach nicht stehen lassen. Am Beispiel privater Militärdienstleister wird vielleicht genau das deutlich was ich meine.

    Geht es nur um Beratung im eigentlichen Sinne, dann sehe ich das persönlich als unproblematisch an sofern die Tätigkeit nicht gegen die Interessen der Bundesrepublik verstoßen.

    Allerdings ist hier auch kaum eine \“archaisch-martialische\“ Motivation gegeben. Archaisch-martialische Motivation bedingt im Regelfall eigenen Gefechtstätigkeit oder Ausbildung hierzu, eine kameradschaftlich organisierte Gruppenstruktur etc.

    Wenn es also bei Ihrer o.a. Tätigkeit um praktische soldatische Tätigkeiten mit der tatsächlichen oder zumindest in Kauf genommenen Gewaltanwendung zugunsten eines fremden Staates ging, dann bezeichne ich Sie als Söldner.

    Und da ich zutiefst daran glaube, dass Soldatentum einem höheren Zweck dienen muß (nämlich dem eigenen Vaterland) sind für mich Söldner nur Abschaum.

    Schwieriger einzuordnen sind Tätigkeiten für Großkonzerne, da hier häufig die Grenzen zwischen berechtigtem Schutz eigener Interessen und Einmischung in fremde, staatliche Angelegenheiten verwischen. Aber vom Prinzip her wende ich auch bei solchen Tätigkeiten die beschriebene Differenzierung an.

    Jetzt werden Sie fragen, warum ist für mich eine Person die im Auftrag des Staates tötet ein (potentieller) Held und eine Person die dies für eine ausländische Macht oder eine Firma tut ein Verbrecher? Weil ich der Meinung bin, dass Krieg und Gewalt ein Verstoß gegen Gottes Gebote sind und nur und einzig und allein der Dienst am eigenen Vaterland diese Handlung rechtfertigt.

    BTW Ich habe übrigens nichts dagegen wenn besonders bei jungen Soldaten zu einer inhaltlich-idealistischen Grundmotivation als Nebenmotivation auch archaisch-martialische oder sogar bis zu einem gewissen Grade pekuniäre Aspekte hinzutreten. Sofern und solange diese nicht das Übergewicht bekommen.

    Und ich weiß auch, dass nicht bei jedem jungen Landser diese hehren Forderungen erfüllt werden. Aber wir sprechen hier doch über Leitbilder, richtig? Und da muß eine abstrakte Forderung formuliert werden, die dann in der Praxis durchaus etwas pragmatischer angewandt werden muß 😉

    „”Ich glaube an den Staat, dem ich diene…Ich diene doch nicht einer Partei oder einer Gesinnung, sondern ist diene meinem Vaterland.” Ich habe erlebt, dass zwischen Handeln des Staates und dem besten Interesse des Volkes ein fundamentaler Unterschied bestehen kann.“

    Zwar haben Sie grundsätzlich recht, dass dies so sein kann. Aber wenn dies in ein absolutes Missverhältnis zu einander tritt, dann kann man meines Erachtens nach nicht mehr Soldat sein.

    Der Soldat dient zwar in letzter Konsequenz dem Vaterland ansich. Aber rein handwerklich wird er zum Mittel des Staates. Wenn also nach Ihrer Meinung Staat und Vaterland zu sehr differieren, dann können Sie doch nicht Soldat sein, oder?

    Da ich aber sowohl ein Deutschland, als auch an den deutschen Staat glaube (bei aller Kritik die ich äußere), ist dies für mich kein Problem (noch nicht…).

  109. @Politikverdruss
    „Zwischen Gesellschaft, Staat und dem „Staatsbürger in Uniform“ entwickeln sich besonders dann Spannungsfelder, wenn „weltweite Einsätze“ nicht von allen getragen werden. Das ist aktuell am Afghanistan-Einsatz sehr gut zu beobachten.“

    Da stimmt ich Ihnen mal zu!

    Aber nicht weil das Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“ an sich hier ein Problem macht, sondern vielmehr weil viele kalte Krieger in Politik und Armee nicht bereit eine zeitgemäße Aktualisierung des Leitbildes vorzunehmen.

    Natürlich muß die Öffentlichkeit langsam lernen die Bw nicht für die Entscheidungen der BReg verantwortlich zu machen, also ihre Ablehnung z.B. des ISAF-Einsatzes der BReg aufzubürden und nicht uns Soldaten.

    Die Amerikaner bekommen das ja sehr gut hin, wie man angesichts der sehr genauen Differenzierung der Öffentlichkeit und der veröffentlichten Meinung zwischen dem mehrheitlich abgelehnten IRAK-Einsatz und den dennoch weiterhin hoch anerkannten Soldaten deutlich machte.

    Meiner Meinung nach machen Politik und vor allem militärische Führung eine fast schon fatalen Fehler, wenn sie versuchen weiterhin die Rechtfertigungsmuster des kalten Krieges auf heutige Einsätze anzuwenden.

    Das kann nur zu einem Mißverhältniss zumischen propagierter und tatsächlicher Wahrnehmung führen und schließlich zu einer großen Berufsunzufriedenheit bei den Soldaten.

    Aber dieser Aspekt hat NICHTS mit dem Staatsbürger in Uniform ansich zu tun.

    Denn der Kern des Staatsbürgers in Uniform bei einer zeitgemäßen Anpassung der Details gar nicht zur Debatte!

    Warum sollte denn der ISAF-Einsatz irgendetwas mit einem der beiden Grundpfeiler des Leitbildes zu tun haben?

    Weder die staatsbürgerlichen Rechte der Soldaten unterliegen einer im wesentlichen andere Betrachtung als zu Zeiten des kalten Krieges noch (also der Anteil Staatsbürger) noch die Aufgabe eines Soldaten Deutschland treu zu dienen (also der Anteil Uniform).

    Es ist doch nicht gesagt, dass Staatsbürger in Uniform nur im Rahmen der Landesverteidigung eingesetzt werden können.

    Der Wegfall der Wehrpflicht ist hier schon ein größeres Problem. Aber das Leitbild galt früher ja auch schon für SaZ und BS, also warum sollte es jetzt zusammenbrechen nur weil wir (leider) keine Wehrpflicht mehr haben?!

  110. In der bisherigen Diskussion wird deutlich, dass man die Erneuerung des Leitbildes für nicht erforderlich hält, weil der Kern nicht berührt sei und ansonsten ein paar Korrekturen ausreichend seien. Schauen wir uns einmal an, wie die Zentrale Dienstvorschrift der Bundeswehr das Leitbild definiert. Dort heißt es (ZDv10/1 Nr.402):

    „Ein zentrales Element der Inneren Führung ist das Leitbild vom »Staatsbürger in Uniform«. In diesem Leitbild
    werden idealtypisch die Forderungen an den Soldaten und die Soldatin der Bundeswehr verdeutlicht:
    – eine freie Persönlichkeit zu sein,
    – als verantwortungsbewusster Staatsbürger bzw. als verantwortungsbewusste Staatsbürgerin zu handeln und
    – sich für den Auftrag einsatzbereit zu halten.“

    Forscht man weiter in der Vorschrift, dann fällt auf, dass zum „Selbstverständnis“ und Berufsbild des Soldaten kaum etwas enthalten ist. Beim Selbstverständnis ist dies nicht verwunderlich, da es sich doch eher individuell fortentwickelt. Beim Berufsbild des Soldaten hingegen hätte man erwarten können, dass die Vorschrift über „Selbstverständnis und Führungskultur“, so der Untertitel der Vorschrift, doch in diesen Punkten große Aussagekraft besitzt. Weit gefehlt! So schrieb der damalige Direktor Lehre an der Führungsakademie, Brigadegeneral Dr. Wittmann: „Bemühungen in der Bundeswehr, ein Berufsbild oder Bild des Offiziers zu formulieren oder einvernehmlich zu verabschieden, sind in der Vergangenheit gescheitert, weil die Diskussionen immer ideologisch aufgeladen waren, weil historische Brüche und Belastungen rasch virulent wurden oder weil fast zwangsläufig sehr konträre Positionen aufeinanderprallten.“

    Auf diesem Hintergrund wird natürlich klar, dass die oben genannte Vorgabe der Vorschrift, „ sich für den Auftrag einsatzbereit zu halten“, vermutlich der Kompromiss war, der sich gerade noch so durchsetzen ließ. Man stelle sich vor, in dieser „ideologisch aufgeladenen“ Lage hätte jemand die „Fähigkeit und den Willen zum Kampf als Grundvoraussetzungen soldatischen Handelns“ gefordert. Das wäre mindestens ein weiterer Bundeswehrskandal geworden. Und man hat förmlich vor Augen, was die Medien daraus gemacht hätten.

    Und nun soll sich die heutige Generation von Soldaten weiter für den „Auftrag einsatzbereit halten“. Als „idealtypische Forderung“ an den „Staatsbürger in Uniform“. Das ist eine Zumutung! Die heutigen Soldaten stehen im Kampf. Sie bezeichnen sich selbst als die „Generation Einsatz“ und führen ihren Auftrag schon seit Jahren mit der Waffe in der Hand durch.

    Nein, hier fehlen nicht nur ein paar Korrekturen. Hier fehlt es an der Courage, den immer so vollmundig betonten „Transformationsprozess“ endlich auch auf die „Innere Führung“ auszudehnen.

  111. „Hier fehlt es an der Courage, den immer so vollmundig betonten „Transformationsprozess“ endlich auch auf die „Innere Führung“ auszudehnen.“

    Volle Zustimmung!

    Wer den Staatsbürger in Uniform erhalten will, der muss in zeitgemäß anpassen…

  112. Sehr geehrter @Koffer,

    danke für Ihre volle Zustimmung. Ich denke, wir nähern uns dem „Kernproblem“. Der verteidigungs- und sicherheitspolitische Paradigmenwechsel seit 1990 ist an der „Inneren Führung“ vorbeigegangen.

    „Eine der Streitkräfte findet weder auf der politischen noch auf der militärischen Ebene statt. In den genannten Papieren(zur Streitkräftereform)ist kaum etwas über die Weiterentwicklung des Leitbildes vom Staatsbürger in Uniform und die Konzeption der Inneren Führung zu finden. Das grundsätzlich veränderte Berufsbild und das aktuelle Selbstverständnis der Soldaten würden dies aber zwingend notwendig machen.“( GenMaj a.D. Beck, Christian Singer, Entscheiden, Führen, Verantworten, 2011,S.188ff)

    Die Innere Führung muss aber auf diese grundlegenden Veränderungen Antworten geben und kann es nicht dabei belassen, den Soldaten aufzufordern, „sich für den Auftrag einsatzbereit zu halten.“

    Die “Vorschrift ZDV 10/1 Innere Führung – Selbstverständnis und Führungskultur – ohnehin kaum gelesen“, ist in der „derzeitigen Form in vielen Bereichen bereits überholt…“ (Beck/Singer S.197) Auf diese oder ähnliche Feststellungen stößt man immer wieder. Deshalb stellt sich die Frage, warum man um dieses „Gestaltungsfeld“ einen so großen Bogen macht? Liegt es vielleicht daran, dass man die öffentliche Kontroverse scheut? Denn ohne Öffentlichkeit wird sich dieses „Gestaltungsfeld“ der Inneren Führung kaum beackern lassen. Die Aussage in den VPR2011, die „Innere Führung habe sich bewährt“, ist deshalb nur der untaugliche Versuch, ein unliebsames Thema zu deckeln.

  113. Ergänzung zu meinem Beitrag von 14:02: In der sechsten Zeile muss es zu Beginn heißen: „Eine „geistige Transformation“ der Streitkräfte…

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