Elefanten können tanzen

Wie es scheint, kommt Bewegung in das Verhältnis von Bundeswehr und den sozialen Medien. Und die Bewegung geht in die richtige Richtung. Nachdem ich gestern Nachmittag meine Recherchen zu den unklaren Hintergründen einer Bundeswehr-Fanseite auf Facebook veröffentlicht habe, hat sich der Gründer dieser Seite bei mir gemeldet. In einem langen und anstrengenden E-Mail-Verkehr hat er sich glaubhaft darum bemüht, darzustellen, dass er keine Kontakte zu den von mir zu Recht als dubios bezeichneten Personen pflegt.

Nun haben sich die Personalwerber der Bundeswehr auf der Seite gemeldet und angeboten, die Seite zu übernehmen. Gut so.

Screenshot Übernahmeangebot

Dennoch, oder besser gerade deshalb, bleiben noch einige Fragen zu klären. Warum beispielsweise hat der InfoService Bürgeranfragen im Streitkräfteamt versucht, mich zu täuschen? Aus Absicht oder aus Unkenntnis? Und warum hat man Personen, die die Bundeswehr auf die dubiosen Hintergründe der Facebook-Fanpage hingewiesen haben, abgewimmelt? Und warum hat man eine Kooperationsanfrage des Betreibers der Fanpage aus dem Februar zwar „an die zuständigen Ansprechpartner im Bundesministerium der Verteidigung“ weitergeleitet, Sie aber bis jetzt nicht beantwortet?

Was jetzt zu tun ist?

So sehr ich die Initiative der Personalwerber nun begrüße, die Arbeit hat erst begonnen. Die Bundeswehr sollte ernsthaft prüfen, ob sie der Person, die die Facebook-Fanpage aufgebaut hat, eine Perspektive bieten kann, daran weiter mitzuwirken. Voraussetzung dafür ist, dass diese sich von fragwürdigen Verbindungen aus der Vergangenheit glaubhaft distanziert.

Weiterhin sollte die Bundeswehr von Facebook klar und  deutlich einfordern, andere Seiten, die sich einen offiziellen Anstrich geben, insbesondere diese Seite https://www.facebook.com/pages/Bundeswehr/93628496650 auf die Bundeswehr zu übertragen, bzw. deren Administratoren darauf hinweisen, die Seiten umzubenennen und insbesondere in den Kontaktseiten keine Verbindung zu den offiziellen Seiten herzustellen

Außerdem sollte die Bundeswehr prüfen, inwiefern Domaingrabber ihre Namensrechte verletzen und auf Übertragung der entsprechenden Domains drängen. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist www.streitkraefteamt.de (Danke für den Hinweis an Leser J.)

Und schließlich sollte die Bundeswehr endlich allgemein verbindliche Richtlinien für Soldatinnen und Soldaten zum Verhalten in den neuen Medien erarbeiten und in Kraft setzen. Beispiele für diese Social Media Guidelines gibt es genug, und auch innerhalb der Bundeswehr zahlreiche kompetente Ansprechpartner, die sich darüber bereits Gedanken gemacht haben. Diese gilt es nun einzubinden.

Eine gute Vorlage bietet beispielsweise das „Social Media Handbook“ der US Army. Hier könnte das Ministerium mal wieder zum Kopierer greifen.

Army Social Media Handbook 2011

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3 Gedanken zu “Elefanten können tanzen

  1. Wenn man bedenkt das Priester schon Abschiedsmessen über Facebook posten und Einladungen verschicken.. Der Vatikan ist ja auch recht konservativ. Hoffe die packen die Kurve… Danke für die Kommentare auf den Blogs…

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