Interessante Kommunikationspolitik

Im Zusammenhang mit der Nachwuchswerbung der Bundeswehr fiel mir bei meinen Netzwanderungen auf, dass es neben einer offiziellen Jugendseite der Bundeswehr https://treff.bundeswehr.de auch noch eine Depandance derselben im sozialen Netzwerk Facebook gibt. Erreichbar unter: http://www.facebook.com/group.php?gid=107338285968345&v=wall

Beim Blick auf die Administratoren fiel mir auf, dass dort neben Redakteuren der offiziellen Seite auch ein PR-Berater, also ein Mensch, der der gleichen Profession nachgeht wie ich, als Administrator eingetragen ist. Und weil das so ist, habe ich am vergangenen Mittwoch beim Presse- und Informationsstab des Verteidigungsministeriums nachgefragt, wie das denn so kommt:

Sehr geehrter Herr B.,

neben der offiziellen Seite https://treff.bundeswehr.de existiert im sozialen Netzwerk Facebook die Seite http://www.facebook.com/group.php?gid=107338285968345&v=wall

Als Administrator ist dort neben Redakteuren der offiziellen Seite auch der PR-Berater N.N. eingetragen. Mit Blick auf die Absenderklarheit (vgl. u.a. eine entsprechende Richtlinie des Deutschen Rates für Public Relations, http://drpr-online.de/upload/downloads_112upl_file/DRPR_Richtlinie%20Online-PR_100827.pdf) habe ich dazu folgende Fragen:

– Ist die Facebook-Seite ein offizielles Angebot der Bundeswehr?

– Ist die Verwendung offizieller Logos und des Bildmaterials der Bundeswehr genehmigt?

– Unter welchem Mandat agieren die Administratoren, konkret: Besteht auch hier ein Arbeitgeber-Arbeitnehmer bzw. im Falle von Herrn N. ein Auftraggeber-Auftragnehmer-Verhältnis?

Ich benötige Ihre Antwort für eine redaktionelle Aufarbeitung des Themas und freue mich auf eine rasche Antwort.

Mit Dank im Voraus und besten Grüßen

Eine Antwort habe ich von Seiten des BMVg bis heute nicht bekommen, dafür hat sich die Facebook-Seite auf interessante Weise verändert. Als Administratoren verschwunden sind der PR-Berater sowie zwei der offiziellen Bundeswehr-Redakteure. Der PR-Kollege wiederum hat mich darauf hingewiesen, dass er sich auf dieser Seite bisher nicht aktiv beteiligt habe, nicht klären konnte, warum er überhaupt als Administrator aufgeführt wurde, und dazu im Übrigen auch nicht gefragt wurde.

So, und jetzt packe ich mal kurz das feine Florett der Kommunikationspolitik weg und sage es an die Adresse der Bundeswehr-Kommunikatoren mit Gernot Hassknecht:

WAS GLAUBT IHR EIGENTLICH WEN IHR MIT EURER DILETTANTISCHEN KOMMUNIKATIONSPOLITIK VERARSCHEN KÖNNT?

Nachtrag, 29. März 2011 – Mittlerweile hat sich die treff.bundeswehr-Seite bei Facebook weiter verändert. Unter anderem wurde das offizielle Bundeswehr-Logo durch ein unspezifisches Gruppenfoto ersetzt und an prominenter Stelle erscheint der Hinweis, dass dies keine offizielle Seite der Bundeswehr sei. Außerdem ist ein zweiter Schüler eines Gymnasiums als Administrator eingetragen. Eine Antwort auf meine Anfrage an das Verteidigungsministerium habe ich nicht erhalten. Kausalität oder Korrelation?

Noch ein Hinweis an diejenigen, die jetzt vielleicht glauben, es sei mir ein persönliches Anliegen, die Aktivitäten der Bundeswehr im Social Web zu torpedieren: Das ist es nicht. Im Gegenteil: Die Bundeswehr ist sehr gut beraten, sich in sozialen Netzwerken zu engagieren. Das aber mindestens ebenso professionell, wie sie ihre Kernaufgaben wahrnimmt.

11 Gedanken zu “Interessante Kommunikationspolitik

  1. tja, wenn man sich die seite jetzt anschaut, dann sieht man „Dies ist keine offizielle Seite der Bundeswehr, sondern eine privat gegründete Seite für Mitglieder der Community treff.bundeswehr.

    Sinn aller Inhalte ist die Kontaktfindung der Jugendlichen untereinander.“

    wenn die bw mal einen pr/facebook-berater gefragt hätte, diese plattform bietet soviele möglichkeiten.
    aber es ist wie mim youtube-channel, das hat auch ewig gedauert. anscheinend überwiegt die angst vor dem neuen in den köpfen der alten.

  2. Sehr geehrter Herr Stoltenow!

    You made my day 🙂 – Klasse gemacht.

    … auf der anderen Seite: Gäb’s diese Trauerspiele nicht, hätten wir doch alle weniger zu posten und gemeinsam zu lachen …

  3. Wie so oft haben sich hier einige Interessierte, unter denen sicherlich auch ein paar Soldaten sind mit einer Internetpräsenz versucht. Mir ist nicht nachvollziehbar, wo da der Stein des Anstoßes liegen soll. Sie als ehemaliger Soldat (aber auch jeder der die Bundeswehr kennt) sollten wissen, dass neue Sachen da etwas länger brauchen und daher Soldaten oder andere bundeswehraffine Menschen dies schon mal auf eigene Faust ausprobieren….

  4. @MB: Der Stein des Anstoßes ist die Kommunikationspolitik des BMVg, die
    – Anfragen nicht beantwortet
    – zulässt, dass eine „private“ Initiative maßgeblich von Soldaten betrieben wird
    – die wiederum einem PR-Berater ohne dessen Wissen eine maßgebliche Rolle zuweist
    – nach meiner Anfrage unkommentiert Änderungen an der FB-Seite vornimmt

    und damit in der Gesamtsicht die Reputation der Bundeswehr gefährdet.

    Das ist in alle Dimensionen, die ich denken kann, unprofessionell und des Anstoßes mehr als genug.

  5. @Sascha Stoltenow

    „- zulässt, dass eine “private” Initiative maßgeblich von Soldaten betrieben wird“

    So ist das nunmal, wenn eine nicht offizielle Seite betrieben wird. Dann fragt auch keiner die Damen und Herren im Presse/Infostab. Darüber hinaus beschäftigt sich die Seite ja auch eher mit Aktionen des Personalmarketings (Adventure Games etc.) zu dem dort ja auch nicht immer ein freundschaftliches Verhältnis bestand.

    Das Anfragen nicht beantwortet werden ist auch aus meiner Sicht kein guter Stil. Vielleicht gibt es aber derzeit auch dringendere Themen im BMVg.

    Ich würde mal die Betreiber der FB-Seite nach den Gründen fragen, statt gleich eine Reputationsgefährdung der Bundeswehr zu konstruieren.

  6. @MB: Sie machen es sich zu einfach.

    Wenn man es zulässt, dass seine Marke – in diesem Fall „treff.bundeswehr“ – von anderen benutzt wird und es darüber hinaus zulässt, dass seine Mitarbeiter, die in ihrer professionellen Rolle die offizielle Seite betreiben, dort in einer Admin-Funktion agieren, hat ein grundsätzliches Managementproblem und wird seiner Fürsorgepflicht als Dienstherr nicht gerecht.

    Welche Themen sollten im BMVg denn derzeit dringender sein als Nachwuchsgewinnung bzw. so dringend, dass es noch nichteinmal für nötig befunden wird, zu antworten, bspw. dass es dringendere Themen gibt?

    Und welchen Betreiber der Seite soll ich denn fragen, wenn es doch augenscheinlich BW-Angehörige sind, die die Seite (mit-)betreiben, die wiederum nach meiner Frage dort nicht mehr zu finden sind. Scheint, als hätte ich doch den richtigen befragt, oder?

  7. Die Bundeswehr hat riesige Probleme, nach Wegfall der Wehrpflicht ausreichend Nachwuchs zu generieren. Die Probleme sind hausgemacht – eine Reform wurde angestossen, die Wehrpflicht abgeschafft (ausgesetzt), nur die Regelungen, die im Sinne vernünftigen Denkens und Handeln VORHER zu erlassen waren, fehlen bis heute. Wie Haus bauen ohne Bodenplatte und hinterher das große „Ach!“.

    Also kann man doch von allen, die in der Armee mit Öffentlichkeitsarbeit (z. B. Presse-/InfoStab) und Nachwuchswerbung betraut sind, erwarten, wenn sie denn schon Hinweise oder Ideen auf suboptimales Wirken erhalten, darauf hurtig irgendwie zu reagieren. Zumindest möglichst nicht durch Schweigen …

    In diesem Sinne habe ich den Anstoss hier verstanden. Herr Stoltenow hat Recht in seiner Beurteilung, die Bundeswehr gefährdet so ihre Reputation.
    Die Morgenappell- und Zapfenstreich-Spots sind schon schlimm genug. Das Schreckliche sollte doch nun vielleicht reichen und alles versucht werden, ENDLICH gute und zielführende Werbung und ÖA zu betreiben …

  8. @SchreckStarr: Ja, genau so möchte ich das verstanden wissen, und selbst, wenn die Bundeswehr-Kommunikation uns regelmäßig Anlass zum Lachen gibt, so wäre ich froh, es gäbe ihn nicht. Wenn man aber auf Seiten der Bundeswehr Kommunikation offenkundig so wenig ernst nimmt, habe ich ein professionelles Bedürfnis, darauf hinzuweisen. Und das nicht nur aus Eitelkeit, sondern, um zu zeigen, was Kommunikation kann. In diesem Fall machen, dass eine Facebook-Seite verändert wird. Soweit zur Meta-Ebene meines Tuns.

  9. Der InfoService für Bürgeranfragen im Streitkräfteamt hat mit heute eine Antwort zu meinen Fragen geschickt, die ich hier dokumentiere:

    „haben Sie vielen Dank für Ihre freundliche Anfrage an Herrn B., die mir von dort mit der Bitte um eine Antwort zugeleitet wurde.

    In Verbindung mit einem Hinweis auf ein „BW-Profil“ auf Facebook bitten Sie um Beantwortung der folgenden Fragen. Ich erlaube mir die Antworten kurz und bündig jeweils in Kursiv unter Ihren Fragen zu geben.

    – Ist die Facebook-Seite ein offizielles Angebot der Bundeswehr?

    Es gibt derzeit keinen offiziellen Auftritt des BMVg oder der Bundeswehr bei Facebook.

    – Ist die Verwendung offizieller Logos und des Bildmaterials der Bundeswehr genehmigt?

    Nein.

    – Unter welchem Mandat agieren die Administratoren, konkret: Besteht auch hier ein Arbeitgeber-Arbeitnehmer bzw. im Falle von Herrn N. ein Auftrgageber-Auftragnehmer-Verhältnis?

    Ein Arbeitgeber-Arbeitnehmer- oder Auftraggeber-Auftragnehmer-Verhältnis zum BMVg besteht nicht.

    In der Hoffnung hinreichend geantwortet zu haben, stehe ich für weitere Fragen gerne zur Verfügung.“

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