Vier Fragen, die Du dir stellen solltest, wenn Du unbedingt in Uniform auf die re:publica gehen willst

Ich glaube, das ist mein erstes Listicle. Der Anlass ist die Diskussion darüber, warum die Bundeswehr nicht in bestimmter Form auf der Konferenz re:publica präsent sein darf. Möge es nutzen:

  1. Was ist der Sinn von Uniformen, insbesondere des Kampfanzugs, den die Soldaten vor der Station, dem Ort, an dem die re:publica stattfindet tragen?
  2. Wodurch zeichnet sich eine zivilgesellschaftliche Veranstaltung wie die re:publica aus?
  3. Auf welcher Konferenz in Deutschland treten regelmäßig Menschen aus Kriegsgebieten auf, teilweise traumatisiert?
  4. Welche Kleidung wäre für Soldaten auf einer solchen Konferenz angemessen, um Menschen möglichst wenig zu ängstigen?

9 Gedanken zu „Vier Fragen, die Du dir stellen solltest, wenn Du unbedingt in Uniform auf die re:publica gehen willst

  1. 1. Zweckmäßigkeit
    2. Dass dort Gesellschaftliche Themen von einem mehrheitlich linken Publikum besprochen werden die Waffen, gesicherte Staatsgrenzen und Militär ablehnen.
    3. k. A.
    4. Wenn überhaupt, zivil. Denn Ziel ist ein Safe Space in dem sich alle wohl fühlen.

    • Ich muss meinen Kommentar dahin gehend ergänzend, dass Punkt 4 vollkommen Sarkastisch gemeint ist. Wenn die Bw auftritt, dann doch bitte in Feldanzug oder Dienstanzug. Wer Safe Spaces nötig hat, soll sich bitte untersuchen lassen.

  2. Ich denke, dass ein „Einsatz“ der Nachwuchswerbung nicht unbedingt der richtige Weg war, um hier Präsenz zu zeigen. Ein Informationsstand der Öffentlichkeitsarbeit, z. B. der Jugendoffiziere, oder der zentralen Redaktion der Bundeswehr wäre bestimmt die bessere Wahl gewesen. Dort wäre dann auch der Dienstanzug der richtige Anzug gewesen.
    So sieht es irgendwie nach Provokation und verletzter Eitelkeit aus.
    Nichtsdestotrotz gehören die Soldaten der Bundeswehr in die Öffentlichkeit und somit auch auf solche Veranstaltungen.

  3. Vielleicht ein Gegen-Listicle:

    1. Warum diskutiert unsere Gesellschaft seit Jahren über Ausgrenzung und Diskriminierung, aber bei Uniformen (und der Feldanzug ist eine) gelten plötzlich andere Regeln?
    2. Wieso gibt es eine Zivilgesellschaft, die anscheinend explizit ohne Staatsbürger in Uniform stattzufinden hat? Hatten wir nicht in den 50igern vereinbart, dass es diese Trennung nicht mehr geben soll?
    3. Wieso die Häme und Verachtung für die Bundeswehr und nur ein paar magere Zeilen an die re:publica Macher? Weil man auch stakeholder ist? Weil man auch in der Filterblase steckt?
    4. Wieso beklagt man sich, dass Angehörige in den Streitkräften nicht ’sittlich reifer‘ sind und sich ‚besser‘ im Netz engagieren – stimmt aber kräftig ins Horn ein, wenn es darum geht den Streitkräften eines überzuziehen?

    PS: Ich weiß, Namen sind schall und rauch. Aber das Ding ist kein Kampfanzug – es nennt sich Feldanzug.

    • dein geschwurbel sollste ja meinetwegen hier breittreten. jeder blamiert sich halt so gut erkann.
      deinen fakenews muss aber widersprochen werden:

      „Als Feldanzug wird in der Bundeswehr die Grundform des Kampfanzugs bezeichnet, …“
      https://de.wikipedia.org/wiki/Feldanzug

      und selbst „feld“anzug sagt doch bereits alles, nur euphemistischer ausgedrückt.
      welches „feld“ wird wohl gemeint sein? rapsfeld? spielfeld?
      wer soll dir diesen mist eigentlich glauben?

    • 1. Weil Ausgrenzung und Diskriminierung Mechanismen sind, die mit struktureller Macht zu tun haben: Machtvolle Gruppen wenden sie auf weniger privilegierte Gruppen an. Es ist andersherum z.B. schwer vorstellbar, dass Reinigungskraefte anfangen, Bankenvorstaende zu diskriminieren – mit welchen Mechanismen sollte das funktionieren?
      2. Wieso sollte sich die re:publica nicht frei dazu entscheiden duerfen, kein Militaer bei sich haben zu wollen? Fuer wen gilt die Aufloesung der Trennung? Ist das ein Gebot, das sich die Armee fuer sich selber gegeben hat? Oder ist das ein Anspruch, der ggf. gewaltsam gegenueber der Gesamtbevoelkerung durchzusetzen waere?
      3. Warum nicht? Warum die beleidigte Leberwurst fuer die Streitkraefte? Warum sollten sie eingeladen werden muessen? Was, wenn dein Buergermeister zu deinem Geburtstag kommen moechte, du ihn aber nicht magst und deswegen auslaedst? Wie erwachsen kaeme er dir vor, wenn er stattdessen vor dem Eingang deiner Party stuende und mit deinen Gaesten darueber reden will, dass es voll unfair ist, als demokratisch gewaehlter Buergermeister nicht auf deine Party zu duerfen?
      4. Verstehe ich nicht.

  4. Wenn der Soldat, als Teil der Gesellschaft und im Einklang mit ihren Werten, die Gesellschaft verteidigen will und soll, dann geht das nur, wenn die Gesellschaft sich auch selbst verteidigen will. Im Idealfall ist jeder Staatsbürger aus Einsicht Verteidiger der (verteidigungswerten) Gesellschaft.
    Durch die Wehrpflicht wirkte die Werteerziehung der Inneren Führung auch zurück in die Gesellschaft („Schule der Nation“). Die Innere Führung hielt im Idealfall die Bundeswehr in der Mitte der Gesellschaft und gleichzeitig die Gesellschaft konzentrisch zur Bundeswehr. Die Konzentrizität von Bundeswehr und Gesellschaft scheint vermehrt gestört?

    Zitat aus dem Reader SiPo 12/2016:
    „Wolf Graf von Baudissin beschrieb das ursprüngliche Kriegsbild der Inneren Führung mit eindringlichen Worten: „Die Bedrohung der Menschheit durch ein Lebensprinzip, das alle personalen Werte leugnet und vom einzelnen bedingungslose Unterwerfung fordert, ist zu einer Auseinandersetzung ohne Grenzen in Raum und Zeit geworden, die den einzelnen zur Entscheidung fordert und in der geistige Neutralität bereits zur Unterstützung der Gegenseite wird. Der Feind richtet seinen Angriff auf den einzelnen. Mit meisterhafter Beherrschung der Propaganda, im Spiel aller Register von der frechen Drohung bis zu einschläfernder Beruhigung, von der sozialen Zersetzung bis zum Appell an das Nationalgefühl, durch Verkehrung aller Begriffe versucht er den einzelnen in die Unterwerfung zu zwingen, lange bevor er daran denkt, Gewalt anzuwenden. …““

    Der Artikel beschreibt weiter mögliche Formen und Anzeichen hybrider Kriegsführung, die nahelegen, dass Europa und Deutschland Angriffsziele in einem hybriden Krieg sind, auch wenn der oder die Angreifer nicht genannt werden.
    Dass sich die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland gesamt oder in größeren Teilen diesem möglicherweise stattfindenden hybriden Angriff stellt, ist nicht erkennbar. Sie ist sich eines Angriffs offenbar nicht bewusst.
    Auch unsere Verwendung des Grundgesetzes und seiner Werte im Kalten Krieg war eigentlich ein hybrider Angriff. Wenn das Grundgesetz bisher unser scharfes Schwert war und der Gegner es nunmehr gegen uns verwendet, welche Waffen haben wir auf dieser Ebene noch? Sind wir schutzlos, weil das Grundgesetz, unser „Immunsystem“ gegen undemokratische, kollektivistische Tendenzen inzwischen zur „Autoimmunerkrankung“ geworden ist?

    • Danke für den Impuls. Bleibt die Frage, inwiefern die Aktion der Bundeswehr geholfen hat, diese anspruchsvolle inhaltliche Programmatik insbesondere den Besucherinnen und Besucher der re:publica sowie dem (Online)Publikum zu vermitteln.

      • Ich freue mich, dass der Impüls hier aufgenommen wurde. Die Bundeswehr scheint allerdings die InFü im Wesentlichen für „Gutes Führen“ zu halten, hat sie also vermutlich nicht verstanden. Selbst das Gute Führen -gut geführt wurde z.T. auch in der Wehrmacht- fällt ihr schwer, wenn man z.B. den Bericht des Wehrbeauftragten zu Beurteilungen liest.
        Nein, die Aktion hat nicht geholfen und konnte nicht helfen. Sie war so kindisch wie das Werbevideo zum Girls Day (Soldatin mit BPz walzt falsch auf Frauenparkplatz parkendes Auto platt. Botschaft? Spaßgesellschaft?)

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