Wofür dienen Soldatinnen und Soldaten?

Das Bundesverteidigungsministerium ist ja derzeit auf der Suche nach einer Agentur für die Arbeitgeberkommunikation und die Personalwerbung der Bundeswehr. Laut Ausschreibung ist es das „zentrale Ziel (…), die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands zu machen.“ Das ist, so meine Einschätzung, erst in zweiter Linie eine kommunikative Aufgabe, aber eben auch das. Wie hier des öfteren betont – und von vielen Experten aus dem Umfeld der Bundeswehr immer wieder bestritten – bin ich überzeugt, dass jede Kommunikation der Bundeswehr, insbesondere gegenüber den Soldatinnen und Soldaten, zumindest mittelbar deutlich machen muss, warum ich bereit sein soll, zu töten beziehungsweise mein Leben einzusetzen. Das heißt nicht, übertrieben martialisch aufzutreten. Im Gegenteil, es heißt, diesen Wesenskern des soldatischen Dienens (der zumindest mittelbar auch für die zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundeswehr gilt), intelligent zu übersetzen.

Aber geht das? Ja. Unter anderem in Schweden.

8 Gedanken zu “Wofür dienen Soldatinnen und Soldaten?

  1. Interessante Aktion und wenn ich das recht sehe, sogar mit einem messbaren Ziel, das mehr als erreicht wurde.
    Meine nächste Frage:
    Entstand die Idee im Militär oder hat man sich professionelle Hilfe gesucht? Mal schauen, ob ich dazu etwas finden kann…

  2. Diese „sanfte“ Art, Menschen bei ihrem Wunsch, anderen Menschen zu helfen, und bei ihrem Vertrauen, dass ihnen geholfen wird, anzusprechen, macht mich nachdenklich. Als ich jung war, waren deutsche Soldaten für uns Männer, die Spaß daran haben, sich unterzuordnen, Befehlen blind zu gehorchen – und natürlich zu töten – zum Beispiel Kinder, Frauen, Alte – wie in Vietnam. Heute habe ich ein ganz anderes Bild und bin tatsächlich voller Hochachtung vor Frauen und Männern, die bereit sind, sich mit ihrem Leben und mit Leidenserfahrungen einzusetzen für Frieden und Krisenbewältigung. Es wäre wichtig, dass wir in den Medien offen und ehrlich darüber diskutieren. Ohne Wehrhaftigkeit hat kein Volk auf der Erde eine Chance auf Selbstbestimmung.

  3. Inhaltlich: Tolle Kampagne, aber das Problem ist doch: Viele Soldaten haben nicht den Eindruck, es würde irgend jemandem helfen, wenn sie in Afghanistan oder sonstwo durch den Schlamm robben. Oder beziehst du das auf „Stets seinem Kameraden helfen“? Das ist toll und wichtig, aber hoffentlich für niemand ein Grund zu Armee zu gehen. Denn klar, im Einsatz füreinander da zu sein ist klasse – aber gar nicht erst hinzugehen, scheint für die meisten Menschen das cleverere Verhalten zu sein. Solange die BW nicht glaubhaft vermitteln kann, dass ihre Existenz irgendwem nützt, außer Rüstungskonzernen und machtgeilen Politikern ( und das ist mE ne Mehrheitsmeinung), wird sich da nichts ändern. Stichwort Credibility.

    Sicherlich sind aber auch die in den HR bekannten weichen Faktoren nicht unerheblich: Dauerndes Umziehen, viel zu viele und lange Auslandseinsätze, oft depressives Arbeitsumfeld (bislang hab ich noch keine Kaserne gesehen, die mich als Arbeitsplatz von den Socken gehauen hätte), ständige Mangelverwaltung (auch nicht so derb motivierend), usw. Macht das Sozialw. Inst. d. BW – oder sonstwer – da Umfragen bei Bewerbern, Wehrdienstlern oder Abbrechern aller Art, warum sie gehen? Also tiefergehend als so ein oberflächlicher Fragebogen?

  4. Die Frage, die sich stellt, ist meines Erachtens: Wer ist bereit, sich für andere und für ein wohlverstandenes Gemeinwohl einzusetzen? Und wer ist es nicht? Viele sehen ein, daß das Gemeinwesen Polizei und Militär braucht, um nicht erpressbar zu sein. Doch je anonymer „der Staat“ wird, je undurchsichtiger Militäreinsätze „am Hindukusch“ werden, desto weniger Menschen sind freiwillig bereit, sich dafür einzusetzen und notfalls aufzuopfern. Andere sehen nur sich selbst und maximal noch ihre engere Familie, sind egoistisch bis egozentrisch, setzen sich nur für ihren eigenen direkten Nutzen ein. Da hilft dieser Test, die Spreu vom Weizen zu trennen, meine ich. Guter Ansatz!

  5. Ich erlaube mir, skeptisch zu sein. Vordergründig ein schöner Erfolg, aber wieviele „Hausbesetzer“ beteiligten sich nur, gerade weil die Aktion auf den einschlägigen Aktivierungsportalen verbreitet wurde? Der junge Mann im Interview sagt es ja: Es ist nicht der Dienst, das Aufopfern für andere oder für ein Abstraktum, das ihn motiviert, sondern die persönliche Herausforderung. Mit Bestehen derselben kann er renommieren: vor der teilnehmenden Öffentlichkeit, vor der Peer Group, vor sich selbst. In diesem Falle überdies mit doch sehr überschaubarem Einsatz.

    Diese – nennen wir es mal: egoistischen Motive (im Gegensatz zum altruistischen Motiv des Dienstes) sind durchaus legitim; schon immer waren Soldaten auch in eigener Sache unterwegs. Aber im Zweifel könnten die eben dominieren und dann den Soldaten zu der Annahme verleiten, das Opfer sei es nicht wert. Als Dienstherr kann ich solche Soldaten nicht gebrauchen. Anstatt Lockangebote zu machen, sollte er sich die Frage stellen, wie er das, dem zu dienen wäre, so groß und hehr darstellen kann, daß die Zielgruppe sich dem bereitwillig zur Verfügung stellt, eben genau weil sie es für wert erachten.

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