Professionalisierung oder Politisierung? – Neue Chefredakteurin für die Medien der Bundeswehr

11. Januar 2015 – Die Zentralredaktion der Bundeswehr hat eine neue Chefredakteurin. Andrea Zückert war zuletzt Korrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio. Einen „zivilen Profi“ nennt sie Thomas Wiegold auf Augen Geradeaus! (http://augengeradeaus.net/…/ziviler-profi-an-der-spitze-de…/). Das ist ein klein wenig gemein, denn es provoziert die Frage, ob es den Bundeswehr-Medien bislang an Profis fehlte.

Nun lebt ja dieses Blog auch und gerade von der Beschäftigung mit den kommunikativen (Fehl)Leistungen der Bundeswehr. Dabei geht es aber weniger darum, wer – das Spitzenpersonal einmal ausgenommen – als Person für diese verantwortlich ist, als vielmehr darum, ob es strukturelle Ursachen dafür gibt. Oder um mit den Worten von Verteidigungsministerin von der Leyen aus einem Interview im aktuellen Spiegel zu sprechen: „Es liegt nicht an den Menschen, sondern an den Prozessen.“ Wer jetzt einwendet, dass Prozesse nicht gottgegeben sondern menschgemacht sind, ist auf der richtigen Spur. In Bezug auf die neue Chefredakteurin stellt sich daher die Frage, welche professionellen Kompetenzen gefordert sind. Der erste Eindruck spricht dafür, dass sie weniger als Managerin eines modernen Medienhauses als vielmehr als verlängerter Arm der Ministerin gefordert sein wird.

Entsprechend programmatisch geht Zückert ihre neue Aufgabe an. Es gehe der Ministerin darum, mit den Bundeswehr-Medien verstärkt auch in die Öffentlichkeit zu wirken, schreibt sie im Editorial der aktuellen Ausgabe von „bundeswehr aktuell“, der Hauspostille des Ministeriums (PDF zum Download hier: https://www.dropbox.com/…/bundeswehr%20aktuell%201%20-%2020…)

Ziel ihrer Arbeit sei es, so Zückert, die Bevölkerung zu überzeugen, dass „ohne Bundeswehr (…) Frieden und Freiheit in Sicherheit kaum vorstellbar (seien).“ Auch wie sie das erreichen will, sagt Zückert: „Die Bundeswehr steckt voller guter Geschichten. Erzählen wir sie den Bürgern.“

Nun ist es angesichts der tatsächlichen Probleme der Bundeswehr und der weltweiten sicherheitspolitischen Verwerfungen allenfalls naiv zu glauben, dass es ausreicht, Geschichten zu erzählen, um die Bundeswehr besser in der Gesellschaft zu verankern. Dennoch wird an dieser Aussage deutlich, wohin die Reise der Bundeswehrkommunikation gehen soll. Nach der Pressearbeit will Ursula von der Leyen auch die Eigenmedien der Bundeswehr konsequent auf Linie des Ministeriums bringen.

Das halte ich für einen Fehler, denn der Diskurs über die Rolle und Bedeutung der Bundeswehr krankt meines Erachtens unter anderem an der fehlenden kommunikativen Autonomie der Truppe und ihrer Medien. Es ist kein Zufall, dass in der medialen Öffentlichkeit vor allem über statt mit Soldatinnen und Soldaten gesprochen wird. Ein tagesaktuelles Medium wie beispielsweise das US-amerikanische Stars & Stripes, das zwar vom Ministerium gefördert wird, aber dennoch kritisch berichtet, ist in Deutschland kaum vorstellbar. Dennoch: Ich bin gespannt, ob und wie sich die Handschrift der neuen Chefredakteurin zeigen wird.

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